Wolmirstedt ist eine Stadt mit Flair, hat aber noch keine stabile Position zu seinen Nachbarn gefunden. Das sind zwei wesentliche Ergebnisse der offenen Leitbildwerkstatt zum Stadtentwicklungskonzept.

Wolmirstedt l Gut zwei Dutzend Wolmirstedter hatten den Weg in die Diesterweg-Schule gefunden und beschäftigten sich dreieinhalb Stunden lang intensiv mit den Stärken und Schwächen der Stadt. "Viele Bürger denken zurück und wollen erhalten", sagte Bürgermeister Martin Stichnoth (CDU), "aber wir müssen nach vorn schauen, sehen, wo Wolmirstedt 2030 stehen kann." Sobald es dafür einen Leitfaden gibt, können Gelder gezielt eingesetzt oder Fördermittel akquiriert werden, weil Wolmirstedt glaubhaft vermitteln kann, dass es einen Plan für die Zukunft gibt.

Die rund 25 Teilnehmer der offenen Leitbildwerkstatt sahen Wolmirstedt vor allem als eine Kleinstadt mit Flair, die ihre Stärken noch zu wenig unterstreicht und nicht genau weiß, wo sie im Gefüge zwischen Magdeburg, Barleben und der Colbitz-Letzlinger Heide ihren Platz finden soll. "Wir müssen uns groß machen", lautete das Credo von Gisela Gerling-Koehler (FDP). AWG-Chef Siegfried Bärhold mahnte: "Wir brauchen ein professionelles Stadtmarketing."

Das sah Stephan Westermann vom gleichnamigen Stadtplanungsbüro ebenso. "Das Leitbild soll eine Grundlage für das Stadtmarketing bieten", sagte er, "es soll das Profil der Stadt nach innen und außen darstellen."

Um dieses Leitbild zu finden, setzte Stephan Westermann auf das Bauchgefühl der Anwesenden. Er forderte zu Stichworten, Halbsätzen oder Statements heraus. Als Stärken wurden unter anderem die Vielfalt der Vereine genannt, die kurzen Wege, die Schullandschaft, die Nähe zur Landeshauptstadt, das stabil arbeitende Handwerk, die gute Verkehrsanbindung, die schöne Schlossdomäne und das reichlich vorhandene Grün.

Als Schwächen galten den Teilnehmern unter anderem der fehlende Stolz der Wolmirstedter auf die eigene Stadt, der Zustand des Bahnhofs, die ungenügende Gestaltung des Ohreufers, das unzureichende Radwegesystem und zu wenige Parkplätze im Gebiet "Deutsche Einheit".

Stephan Westermann hatte drei Überschriften gesetzt, denen die Stärken und Schwächen zugeordnet wurden. Die hießen "Wirtschaftsstärke nördlich von Magdeburg", "Stadt an Ohre und Elbe" und "Kleinstadt mit Flair".

In der Diskussion zeigte sich, dass einige Aspekte durchaus kontrovers und von mehreren Seiten betrachtet werden können. Das Zielitzer Kaliwerk beispielsweise sorgt für eine hohe Kaufkraft in der Region, aber warum dümpelt trotzdem die Innenstadt? Die Kalihalde war vor einigen Jahren umstritten, inzwischen gilt sie als Besuchermagnet.

Die Nähe zu Magdeburg ist ein ebenso zweischneidiges Schwert. Einerseits zieht Magdeburg Kaufkraft ab, andererseits sind die Angebote der nahen Landeshauptstadt ein Plus für Wolmirstedt. Ebenso ambivalent ist auch das Verhältnis zu Barleben. Die internationale Schule gilt laut Gisela Gerling-Koehler bei vielen Eltern als "hip". Marlies Cassuhn hielt dagegen, in Wolmirstedt gebe es eine verlässliche Schulstruktur, die den Kindern der Stadt kurze Wege ermöglicht und sich keineswegs zu verstecken braucht.

Heinz Maspfuhl (SPD) sprach vom Gedankenspiel, dass Wolmirstedt, Barleben und die Niedere Börde eines Tages eine Einheitsgemeinde bilden können. Martin Stichnoth plädierte vehement für eine Vollzeitkraft in der Verwaltung für die Wirtschaftsförderung.

Aus diesen und vielen anderen Hinweisen ergaben sich Ziele für die Zukunft. Dazu gehört die Stärkung der Innenstadt, die Sicherung der medizinischen Betreuung, die Entwicklung der Pläne für Brachflächen und Sportstätten.

Aus den Zielen wurden 26 Schlüsselmaßnahmen entwickelt, die es konkret umzusetzen gilt. Dazu gehören beispielsweise ein regelmäßiger Neubürgerempfang, der Einbau von Toiletten in die Schlosskapelle, ein Radwege- und Sportstättenkonzept und die Belebung der Innenstadt.

Die Ergebnisse der Leitbildwerkstatt werden im Büro von Stephan Westermann aufgearbeitet. Zusammen mit den Ergebnissen der Haushaltsbefragung, der Unternehmerbefragung und den Ergebnissen der zehn Sitzungen der Lenkungsgruppe soll sich der Leitfaden ergeben, der zeigt, wohin sich Wolmirstedt bis 2030 entwickeln kann.

   

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