Die Kapelle des Bodelschwingh-Hauses hat einen Fahrstuhl. Der wurde zum Stiftungsempfang offiziell eingeweiht. Außerdem wurde Astrid Horn als Prädikantin, das ist eine nebenberufliche Predigerin, eingeführt.

Wolmirstedt l Die Freude war groß, als Ralf Jahrmarkt das rote Band durchschnitt, das für einen Moment den Weg zum Fahrstuhl versperrt hatte. Bei Heike Grecziak flossen sogar ein paar Tränen der Rührung. Beide sind Bewohner des Bodelschwingh-Hauses und werden künftig die morgendlichen Andachten besuchen können, ohne dafür allzu sehr auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Bisher wurden Menschen mit Gehbehinderungen die Stufen der Kapelle hinaufgetragen.

Die Kosten für den Fahrstuhl und dessen Einbau belaufen sich auf rund 140000Euro. Davon stammen 47000 Euro von Lotto-Toto und 27000 Euro aus Spenden und Beiträgen. Der Rest wurde mit Eigenmitteln finanziert. Zusammen mit dem Fahrstuhl entstanden auch eine neue Fluchttür sowie eine Rollstuhlrampe vor der Kapelle, die direkt zum Fahrstuhl hinführt. Die Gestaltung der Rampe wurde an das Kapellengebäude angepasst, rote Ziegel dominieren das Bild.

"Es ist niemals einfach, wenn man ein denkmalgeschütztes Gebäude verändern möchte, auch dann nicht, wenn man Gutes damit bewirken will", sagte Stiftungsratsvorsitzender Jörg Meseberg zur Einweihung, "aber es ist immer dann möglich, wenn alle Akteure konstruktiv und ziel- orientiert zusammenarbeiten."

In diesem Zusammenhang bedankte er sich bei Architekten, Statikern, Handwerkern und Genehmigungsbehörden, besonders beim Stiftungsvorstand Peter Hugo und Swen Pazina.

Rund 30 Besucher kommen jeden Morgen zur Andacht in die Kapelle. Mit dem neuen Fahrstuhl ist es möglich, das Menschen mit Behinderungen den Raum auch ganz allein und ohne fremde Hilfe zur persönlichen und stillen Andacht nutzen.

Die Kapelle des Bodelschwingh-Hauses wird auch für Taufen, Hochzeiten und Mitarbeiterversammlungen genutzt. Ab sofort darf Bodelschwingh-Haus-Mitarbeiterin Astrid Horn am Altar stehen und Gottesdienste, Taufen, Trauerfeiern und das Abendmahl gestalten. Sie wurde von Superintendent Uwe Jauch in das Amt der Prädikantin, der nebenberuflichen Predigerin, eingeführt.

Die Ausbildung als Prädikantin und somit das Recht Predigen zu verfassen und zu halten, hat Astrid Horn schon lange in der Tasche. Bisher fehlte allerdings der besondere Dienstauftrag, der nun erteilt wurde. Vornehmlich wird Astrid Horn ihren Dienst im Bodelschwingh-Haus versehen, kann aber als Prädikantin auch in der Katharinenkirche den Gottesdienst gestalten.

Mit rund 320 Mitarbeitern gehört das Bodelschwingh-Haus zu den größten Arbeitgebern der Region. Es wurde am 19. April 1895 unter dem Dach der Magdeburger Stadtmission als Magdalenenasyl, als Haus für "gefallene Mädchen", am Küchenhorn eingeweiht. Als gefallene Mädchen galten damals unverheiratete schwangere und junge Mütter. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus als Lazarett genutzt und nach dem Kriegsende als russische Kaserne. Im Jahr 1951 bekam es den Namen Bodelschwingh-Haus, benannt nach dem Pfarrer Bodelschwingh, dem Gründer der Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel. Die Arbeit für junge Frauen und Mädchen wurde aufgegeben und wich der Arbeit mit behinderten Menschen.

Nach der Wende, 1991, wurde der Verein Bodelschwingh-Haus gegründet. Die Stiftung wurde vor sechs Jahren zum Leben erweckt.

 

Bilder