Zielitz l Familie Rütze freut sich über den Abschluss der Sanierungsarbeiten an ihrem Haus, das bei der Flut im vergangenen Jahr erhebliche Schäden davongetragen hatte. "Wir haben viel Geld in die Hand genommen, einschließlich der 118000 Euro Fluthilfe, die wir bekommen haben", sagt Ramona Rütze.

In die Freude über die schmuck hergerichteten Räume mischt sich allerdings eine neue Sorge. "Schon im Juni haben Mitarbeiter des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft mit uns gesprochen und darüber informiert, dass der Alte Schacht als Polderfläche in Frage kommen könnte", berichtet Julia Rütze.

Das bestätigte sich vor drei Wochen, als Gutachter die Besitzer der drei Wohngrundstücke am Alten Schacht aufgesucht hatten. "Wir befürchten jetzt, dass wir unser Haus verlassen müssen. Das bereitet mir schon wieder schlaflose Nächte", bekennt Ramona Rütze.

Zwar werde es sicherlich eine Entschädigungszahlung geben, "doch was wir hier hatten, bekommen wir mit Sicherheit nicht wieder", ist sich die dreiköpfige Familie einig. Das riesige Grundstück mit den Gebäuden des ersten Zielitzer Kalischachtes Moltkeshall bietet nicht nur eine großzügig bemessene Wohnfläche, sondern auch reichlich Garten und Platz für die Haustiere. Dazu zählen unter anderem zwei Hängebauchschweine, zwei Ponys, Schafe, Hühner, Gänse, Hund und Katze.

Burkhard Henning, Leiter des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW,) bestätigt die Vermutungen der Bewohner des Alten Schachtes. In der Tat sehe die Studie vor, das Gebiet als Polder auszuweisen, der im Notfall überflutet wird, um den Hochwasserscheitel abzusenken. "Wir haben deshalb alle in Frage kommenden Grundstücke durch Experten bewerten lassen. Die Ergebnisse liegen uns bis Anfang November vor", so Henning. Danach werde der LHW das Gespräch mit den Anwohnern und der Gemeinde suchen.

"Die ersten Planungsansätze für diesen Flutpolder sollen bis Ende 2014 fertig sein und danach ausführlich mit den Kommunen besprochen werden", nennt Henning die weitere Vorgehensweise. Er betont, dass es sich bislang lediglich um eine Studie handelt. "Bis Ende 2015 wollen wir aber verifizieren, ob die Planungen so umgesetzt werden können", betont der Leiter des Landesbetriebes.

Für Familie Rütze ist das ein schwacher Trost. "Bereits nach dem Hochwasser 2002 haben wir viel Kraft aufgewendet, um unser Haus wieder herzurichten. Nach dem jüngsten Hochwasser war es noch viel drastischer. Und jetzt, wo wir fertig sind und endlich durchatmen können, soll alles umsonst gewesen sein?", fragen Ralf, Ramona und Julia Rütze.

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