Im neuen Museumsheft des Landkreises Börde erzählen zwei Beiträge über Wolmirstedt. Jörg Bonewitz hat die Schloss- kapelle im 20. Jahrhundert thematisiert und Anette Pilz das Kriegerdenkmal, das an die Toten des Ersten Weltkrieges erinnert.

Wolmirstedt l Die altehrwürdige Schlosskapelle wird in den Sommermonaten für Lesungen und Konzerte genutzt. Weiterhin ist die Kapelle eine Außenstelle des Standesamtes und ist somit ein Ort, an dem sich Paare das Ja-Wort geben. Bei Museums-Führungen wird die Geschichte des Gemäuers ausführlich erläutert. Neuerdings können sich Interessierte ganz speziell über die Ereignisse belesen, die sich im 20. Jahrhundert dort abgespielt haben. Kirchenführer Jörg Bonewitz hat einen achtseitigen Beitrag im neuen Museumsheft veröffentlicht.

Die 1480 fertiggestellte Kapelle wurde im 20. Jahrhundert oftmals begehrt, erzählt er darin. 1926 wollte der Magistrat der Stadt Wolmirstedt das "kulturhistorische Wahrzeichen" der Stadt erwerben, sie sollte Heimatmuseum oder eine andere Kulturstätte werden. Ein Jahr später lehnte die Magdeburger Regierung dieses Ansinnen jedoch ab, da die Schlosskapelle bereits der katholischen Gemeinde angeboten worden war. Die verlor jedoch das Interesse.

"Ich habe in Archiven recherchiert", sagt Jörg Bonewitz, der im Museum als Techniker arbeitet und in seiner Freizeit als ausgebildeter Kirchenführer unterwegs ist. Seine Forschungen haben ergeben, dass die Stadt Wolmirstedt die Kapelle im Jahr 1940 von der evangelischen Kirchengemeinde für 62590,50 Reichsmark abgekauft hat. "Der damalige Bürgermeister Herr Müller", so schreibt Jörg Bonewitz im Museumsheft, "unterbreitete den Vorschlag, dass die Kapelle einmal der NSDAP überlassen wird, um sie vielleicht zu einer Weihestätte umzugestalten." Das wurde nie umgesetzt. Dann gab es offenbar lange Zeit gar keine Pläne. Erst 1970 sollte sie für eine "zeitgemäße Nutzung" hergerichtet werden. Ein gotischer Saal mit 230 Sitzplätzen, Toiletten, Garderoben, einem Abstellraum und einer Heizung sollten installiert werden. Doch es fehlte das Geld. Letztlich ist die Schlosskapelle nach der Wende mit einem neuen Dach versehen worden, auch andere werterhaltende Arbeiten haben die Substanz vor dem Verfall bewahrt.

In einem weiteren Beitrag des Museumsheftes hat sich Museumsleiterin Anette Pilz auf acht Seiten der Geschichte des Kriegerdenkmals für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges gewidmet. Das hat im Jahr 2008 auf dem Wolmirstedter Friedhof in einer Denkmalanlage eine neue Heimat gefunden. Ursprünglich wurde es 1931 auf dem Ehrenfriedhof an der Stendaler Straße, die heute den Namen August-Bebel-Straße trägt, aufgestellt.

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Vorschlag, so ein Denkmal zu errichten, abgelehnt. Dann haben sich Bürger stark gemacht. Als der Fabrikbesitzer Adolf Möbis anlässlich seines 50-jährigen Geschäftsbestehens 500 Reichsmark spendete, war der finanzielle Grundstein gelegt. Eine ebenso hohe Summe spendete kurze Zeit später der Buchdruckereibesitzer Georg Grenzau. Es gab noch andere namentlich überlieferte Spender, auch die Bürger steckten bei Straßensammlungen Geld in die Sammelbüchsen.

Beim Umsetzen des Denkmals fanden Bauarbeiter im Fundament eine Metallkapsel mit einem Schriftstück, auf dem eine Einweihungsrede abgedruckt ist. Diese Rede, sowie viele andere interessante Fakten, sind im Museumsheft nachzulesen. Das Heft ist im Museumsshop auf der Schlossdomäne erhältlich.

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