Wie lassen sich die Gewerbegebiete im Umfeld von Magdeburg ent- wickeln, um zukunfts- und krisensicher zu sein? Eine Studie im Auftrag des Landkreises zeigt Handlungsempfehlungen, die für den ganzen Kreis anwendbar sein sollen. Unter anderem heißt es darin: Weitere Gewerbegebiete sollten nicht ausgewiesen, vorhandene Flächen gemeinsam vermarktet werden.

LandkreisBörde l Wirtschafts- und Finanzkrisen, demografischer Wandel, Fachkräftemangel, veränderte Rahmenbedingungen der wirtschaftlichen Tätigkeit in Europa und sich verändernde Förderbedingungen - wenn der Landkreis Börde auch weiterhin wirtschaftlich gut aufgestellt sein will, dann stehen Mammutaufgaben vor den Akteuren der Wirtschaftsförderung.

Denn die "fetten Jahre" der Fördermillionen sind vorbei. Förderungen großflächiger Erschließungen wird es zukünftig nicht mehr geben. Die Wettbewerbsfähigkeit von kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie der Ausbau der Forschungs- und Innovationsstruktur werden in den Mittelpunkt rücken. Mit diesen Szenarien setzt sich die Studie zur Zukunft der Gewerbegebiete im Umfeld der Landeshauptstadt und im Landkreis auseinander und zeigt Konzepte auf.

Fünf unterschiedlich strukturierten Gewerbestandorten hat sich das Studienteam um den Hallenser Wissenschaftler Dr. Wolfgang Bock von November 2013 bis Mai 2014 gemeinsam mit den Wirtschaftsförderern vor Ort und dem Fachdienst Wirtschaft des Landkreises intensiv gewidmet. Zu den untersuchten Standorten gehören Bar- leben, Colbitz, die Hohe Börde, Oschersleben sowie das Sülzetal.

Grundlage der Studie, die am Dienstag dem Netzwerk der Wirtschaftsförderer des Landkreises vorgestellt wurde, war zunächst der Ist-Zustand in den fünf Kommunen. Untersucht wurden unter anderem die infrastrukturelle Er- schließung, die Anbindung an Verkehrswege, der Branchenmix sowie die Flächenauslastung.

Im Ergebnis der Unter- suchung gibt die Studie ein Spek-trum an Handlungsmöglichkeiten, die sich besonders auf die Zukunfts- und Krisenfestigkeit der Gewerbestandorte und die Chancen für Kooperationsansätze ausrichten. Anwendbar soll die Studie aber für den gesamten Landkreis und somit für alle Gemeinden sein. "Wir wollen uns nicht auf dem Erreichten ausruhen, wir haben trotz Spitzenposition im Land noch etliche Potentiale", sagte Danny Schonscheck, Leiter des Fachdienstes Wirtschaft im Landkreis Börde.

Strategien entwickeln über Gemeindegrenzen hinweg

Laut Studie muss sich die Regionalpolitik durch größere Weitsicht und Anpassungsfähigkeit an Wandlungen auszeichnen als das bisher der Fall ist. Nicht nur konkrete Maßnahmen, sondern ein methodisches "Paket", um künftig krisenfester zu sein, stünde im Fokus. Eine Region, die dies verinnerlicht, wird in Zukunft Wettbewerbsvorteile haben, heißt es in der Studie. Der Landkreis Börde könnte eine Modellregion sein.

Gewerbeflächen hat der Landkreis genug - zum Teil eher zu viele. Daher rät die Studie dazu, keine weiteren Flächen zu erschließen. Selbst die Rückumwandlung ungenutzter Gewerbeflächen in Ackerland könnte ins Auge gefasst werden. Knapp 2450 Hektar Gewerbefläche stehen im Landkreis Börde insgesamt zur Verfügung. 64 Prozent davon sind belegt. Dabei gibt es regional starke Unterschiede in der Auslastung.

Daher rät die Studie dazu, über Gemeindegrenzen hinweg gemeinsame Vermarktungsstrategien und auch mögliche Kooperationen zu entwickeln. Die Autoren der Studie schlagen "ein enges Miteinander von Landkreis und Gemeinden/Verbandsgemeinden" vor. Hier könne der Landkreis Börde Vorreiter sein und Neuland betreten. Die Initiative hierfür sollte vom bereits bestehenden Netzwerk der Wirtschaftsförderer ausgehen und zu einem "Runden Tisch Börde" führen. Die nun vorgelegte Studie könnte die "Initialzündung" dafür sein.

Besondere Aufmerksamkeit wird in der Studie zudem der langfristigen Sicherung des Fachkräftebedarfs gewidmet. Hier wird dem Landkreis Börde empfohlen, "zeitnah geeignete Schritte zur Ausprägung einer (regionalen) Willkommenskultur zu gehen. Der Fokus wird auf potenzielle Zuwanderer (auch ausländliche Fachkräfte) und ,Rückkehrer` auszurichten sein", heißt es in der Studie.

Mit dem mehr als 100 Seiten starken Untersuchungsbericht haben die Wirtschaftsförderer im Landkreis nun ein Strategiepapier zur Hand, das konzeptionelle Vorschläge für den Zeitraum bis 2020 und darüber hinaus bietet. Geplant sind weitere Workshops mit dem Landkreis Börde und den Gemeindevertretern, um gemeinsame Ideen und Handlungsempfehlungen der Studie zu erarbeiten.

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