Mit wertvollen Erfahrungen ist Steffi Trittel vom Kongress "Frauen führen Kommunen" in Berlin zurückgekehrt. Die Bürgermeisterin aus der Hohen Börde gehört zu den zehn Prozent Frauen in kommunalen Spitzenämtern. Nach wie vor dominieren Männer das Bürgermeisteramt in deutschen Städten und Gemeinden.

HoheBörde (car) l "Einmal mit Bürgermeisterkolleginnen über den Geschlechteraspekt zu reden, von Erfahrungen anderer Kolleginnen zu hören, sich auszutauschen über das, was einem in der täglichen Arbeit als Frau im kommunalen Amt und Chefin in der Verwaltung so begegnet, das war gut und wichtig", unterstrich Steffi Trittel nach ihrer Rückkehr aus der Bundeshauptstadt. Über das Miteinander mit Männern in der öffentlichen Verwaltung über Ansätze von Vernetzung und Austausch starker Frauen in leitenden öffentlichen Positionen fachsimpelte die Bürgermeisterin der Hohen Börde mit Amtskolleginnen aus ganz Deutschland.

Heute sind immer noch nur fünf bis zehn Prozent der kommunalen Spitzenämter in Deutschland von Frauen besetzt. In den Städte- und Gemeindeparlamenten sieht es mit einem Frauenanteil von 26Prozent etwas besser aus, doch unterm Strich bleiben Frauen eine Rarität im politischen Geschäft.

Während des Berliner Kongresses stellten die Veranstalter von der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin (EAF) die Studie "Frauen führen Kommunen" vor. Das Werk enthielt auch für Steffi Trittel - und ihren Mann Ulrich - einige hochinteressante Aspekte bereit. So sind beispielsweise 90 Prozent der deutschen Bürgermeisterinnen verheiratet, bei den Herren Bürgermeistern sind es nur 70 Prozent. Bürgermeisterinnen haben meist ältere Kinder, männliche Bürgermeister meist jüngere und meist mehr Kinder, um die sich dann meist die Ehefrau des Bürgermeisters kümmert. Zudem steigen Frauen oft erst nach der "Erziehungsarbeit zu Hause" ins politische Geschäft ein.

Die Kongressteilnehmerinnen widmeten sich Möglichkeiten, den Frauenanteil in politischen Ämtern zu erhöhen. Für den Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) als Mitveranstalter des Kongresses erklärte Präsident Christian Schramm: "Ein Umdenken in den Gemeinden ist nötig. Mehr Frauen bringen mehr Kompetenzen, Sichtweisen und Alltagserfahrungen in die Kommunalpolitik, die für Herausforderungen der Gegenwart nötig sind. Vorbilder wie die Teilnehmerinnen dieses Kongresses spornen andere Frauen an, sich auf den Weg zu mehr Mitbestimmung machen." Mögliche Wege dabei sind unter anderem eine bessere Vereinbarkeit von Familie und politischer Arbeit und die Heranführung von jungen Mädchen an gesellschaftliche Bereiche, die Bezug zur politischen Arbeit haben. Dazu gehören zum Beispiel Praktika in öffentlichen Verwaltungen, frühe Mitarbeit in der Feuerwehr, die Gewinnung von Frauen als sachverständige Bürgerinnen in den politischen Ausschüssen oder in Jugendparlamenten.

Steffi Trittel meint: "Frauen bringen viele soziale Kompetenzen wie zum Beispiel Einfühlungsvermögen mit, die gerade in der politischen Arbeit wie auch in der Verwaltung von großem Wert sind. Das werde allzu oft nicht beachtet, vor allem von Männern."