Wolmirstedt l Zwei Damen aus Amerika haben das Wolmirstedter Museum besucht. In der Ausstellung über den Ersten Weltkrieg wird unter anderem das Schicksal ihres Onkels Erich Schmidt thematisiert. Den Onkel haben sie nie kennen gelernt, denn er ist fast 20 Jahre vor ihrer Geburt gefallen. Dennoch berührte es die Frauen, ihren Wurzeln auf diese Weise zu begegnen.

Erich Schmidt wurde 1889 als siebtes von zwölf Geschwistern als Sohn eines Schneidermeisters in Wolmirstedt geboren. Nach der Schule wurde er Lehrer, arbeitete in einer Blindenschule, war verlobt und zog 1914 in den Krieg. Da war er 25Jahre alt, kämpfte in Nordfrankreich und fiel. Seinen letzten Feldpostbrief hatte er am 4. Februar 1915 geschrieben. Kinder hat er nicht hinterlassen.

Anders seine Geschwister. Einige sind mit dem Leben davongekommen. Deren Nachwuchs ist inzwischen hoch betagt und dennoch haben drei der Nichten und Neffen den Weg ins Wolmirstedter Museum gefunden. "Ich habe die Briefe, Feldpostkarten meines Onkels Erich und Bilder meiner Familie aufgehoben und für die Ausstellung zur Verfügung gestellt", sagt Rudolf Schmidt. Der 85-Jährige lebt in Hannover und hält den Kontakt zu seinen amerikanischen Cousinen. Deren Mutter ist eine Schwester des gefallenen Erich Schmidt und kurz nach dem ersten Weltkrieg nach Amerika gegangen. Die Wolmirstedterin ist damals einem Wolmirstedter gefolgt, der bereits vor dem Ersten Weltkrieg ausgewandert war. Somit haben die US-Ladys Gerda Koch (81) und Gretchen Humphrey (80) zwar Wolmirstedter Eltern, aber anlässlich ihres Museumsbesuches zum ersten Mal Wolmirstedter Boden betreten.

"Wir haben kaum eine Beziehung zu Europa", sagen sie, "zu Ostdeutschland gar nicht." Ihren Cousin Rudolf in Hannover haben sie schon einmal besucht, aber damals gab es noch die innerdeutsche Grenze und Querelen haben die Einreise in die Heimat ihrer Eltern verhindert.

Museumsleiterin Anette Pilz erklärte den Damen ausführlich die in der Ausstellung gezeigten Schicksale. Beide Frauen leben bei Chicago. Gerda Koch ist unverheiratet und kinderlos geblieben, Gretchen Humphrey hat sechs Kinder großgezogen. Aber wegen ihrer deutschen Eltern konnten sie den Ausführungen von Anette Pilz gut folgen.

Am Ende standen Rudolf Schmidt und die Cousinen aus Amerika lange vor dem Familienfoto, das seinen Vater und ihre Mutter sowie den gefallenen Onkel Erich zeigt.