Der drohende Hausärztenotstand beschäftigt mittlerweile eine Arbeitsgruppe. Ein Ergebnis des ersten Treffens war, dass sich Wolmirstedt sympathisch und attraktiv präsentieren muss, um junge Ärzte für eine Ansiedlung zu begeistern.

Wolmirstedt l Die medizinische Versorgung in Wolmirstedt gilt als ausreichend. Doch diese positive Einschätzung steht auf tönernen Füßen. Vier der acht praktizierenden Hausärzte haben den 70. Geburtstag bereits hinter sich. Auf Antrag der FDP-Fraktion des Stadtrates hat Bürgermeister Martin Stichnoth (CDU) eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Die soll herausfinden, wie die medizinische Versorgung auch in Zukunft ausreichend aufrecht erhalten werden kann. Das Fazit des ersten Treffens: Patentrezepte gibt es nicht, Vorbilder wurden noch nicht gefunden. Wolmirstedt muss einen eigenen Weg finden.

Für Klaus Mewes (UWG) führt der vor allem über das Stadtmarketing. "Wolmirstedt befindet sich auch bei der Anwerbung von Hausärzten in Konkurrenz zu anderen Städten. Es kommt darauf an, wie wir uns darstellen."

Dass der Wohlfühl-Faktor für Ärzte, die eine berufliche Heimat suchen, wichtig sei, betonte Ulrich Apel. "Die Kollegen bleiben dort, wo sie willkommen sind." Ulrich Apel war der einzige Hausarzt in der Runde. Andere Ärzte, die ebenfalls in der Arbeitsgruppe mitwirken wollen, waren wegen ihrer Sprechstunde verhindert.

Uwe Claus (CDU) mahnte an, dass die Verwaltung interessierten Ärzten bei der Suche nach Praxisräumen behilflich sein solle. Laut Bürgermeister Martin Stichnoth stehen die Türen des Rathauses für Interessenten immer offen. Bei der Lösung des Hausärzteproblems sehe er die Verwaltung jedoch nicht in der Pflicht. "Das gehört nicht zu unseren Aufgaben. Ihr als Ärzte habt das Problem, Nachfolger zu finden. Die Verwaltung kann dabei nur Partner sein."

Mark-André Krogel-Riemann (FDP) schlug vor: "Wir sollten junge Leute aus Wolmirstedt ermuntern, Medizin zu studieren." Er weiß aus Statistiken der Ärztekammer, dass Mediziner, die sich das erste Mal anmelden und aus anderen Regionen oder Ländern stammen, oft nach kurzer Zeit wieder gehen. Landeskinder hingegen bleiben.

Damit junge Mediziner anderer Regionen trotzdem von Wolmirstedt erfahren, will die Arbeitsgruppe Kontakt mit dem Hausarztverband und zur Magdeburger Universität aufnehmen und auf diese Weise ein Netzwerk knüpfen. Als "Lockmittel" für Mediziner solle Geld jedoch keine Rolle spielen. Finanzielle Anreize sahen die Arbeitsgruppenmitglieder als vergebliche Liebesmüh an. "Da gibt es Regionen, die für Mediziner finanziell attraktiver sind und auch bessere Arbeitsbedingungen bieten", weiß Mark-André Krogel-Riemann, dessen Ehefrau und Schwiegervater in Wolmirstedt als Hausärzte praktizieren.

Bliebe die Werbung mit "Herz". Ulrich Apel hat sich für die Niederlassung in Wolmirstedt "wegen der Menschen" entschieden. "Wir sind eine der Versorgerpraxen", sagt der Hausarzt, "das heißt, wir behandeln bis zu 80 Patienten pro Tag."

Der Gedanke, Gebäude wie den Bahnhof, das ab 2016 leerstehende Haus des Landratsamtes oder das ehemalige Kloster für Praxen herzurichten, wurde schnell wieder verworfen. "Ich weiß nicht, ob die Stadt das finanziell stemmen kann", gab Klaus Mewes zu bedenken. "Und wir wissen immer noch nicht, ob dort auch Ärzte einziehen würden", ergänzte Stichnoth.