Der Fall sorgte im Mai vergangenen Jahres für Aufsehen. Ein Betrüger prellte einen Rentner in Haldensleben um 12000 Euro. Er hatte sich als Mitarbeiter der Stadtwerke ausgegeben und Geld für die Erneuerung eines Strom-Hausanschlusses kassiert. Jetzt wurde er zu acht Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt.

Haldensleben l Der 30-Jährige aus Leipzig gehörte damals zu einer Drückerkolonne für Strom- anbieter und musste sich jetzt wegen Betruges vor dem Amtsgericht Haldensleben verantworten.

Ihm wurde vorgeworfen, am 30. April 2013 gegen 9 Uhr am Einfamilienhaus des alleinstehenden Rentners erschienen zu sein und sich als Mitarbeiter der Stadtwerke Haldensleben vorgestellt zu haben. Der Angeklagte habe dem alten Mann erklärt, dass er für die Erneuerung der Stromleitung vorleistungspflichtig sei und 6000 Euro verlangt. Der leichtgläubige 78-Jährige habe sich daraufhin zur Volksbank in Haldensleben begeben, von seinem Konto 6000 Euro abgehoben und sie dem Mann übergeben.

Laut Punkt zwei der Anklage war der Betrüger am 13. Mai 2013 erneut bei dem Rentner aufgetaucht und hatte einen weiteren Vorschuss von 6000 Euro für höhere Anschlusskosten gefordert. Dieses Mal habe der Senior nach der Rückkehr von der Bank dem Angeklagten das Geld gegen Quittung ausgehändigt. Die Fingerabdrücke von Daumen und Zeigefinger der linken Hand auf diesem Beleg führten die Ermittler später eindeutig auf die Spur des Angeklagten.

Der 30-Jährige schwieg vor Gericht zu den Vorwürfen, der Geschädigte war als Zeuge nicht erschienen, und ein damaliger Kollege des Angeklagten litt offensichtlich an Gedächtnisverlust. Über den knasterfahrenen jungen Mann war lediglich aufgrund seiner vor Gericht verlesenen polizeilichen Aussagen zu erfahren, dass der Angeklagte ihm um die Tatzeit herum 100 Euro in die Tasche steckte und ein anderer dem Drückerkumpel den Tipp für den Besuch seines späteren Opfers gab.

Ein echter Mitarbeiter der Haldensleber Stadtwerke jedoch erinnerte sich als Zeuge noch genau an den Anruf des Geschädigten am 13. Mai 2013. Danach fragte der Kunde, wann denn die Stromanschlüsse ausgetauscht werden, für die er schon im Voraus zweimal 6000 Euro an einen seiner Kollegen gezahlt habe. In beiden Fällen habe ihn der gleiche Mann abkassiert, und vor wenigen Stunden habe er für die 6000 Euro eine Quittung mit dem Zahlbetrag und zwei Buchstaben als Unterschrift erhalten.

Der Zeuge fuhr daraufhin sofort zum Haus des Rentners und anschließend mit ihm und der Quittung zur Polizei. Auf den Wahlfotos allerdings konnte der Rentner den Angeklagten nicht als Täter identifizieren. So blieben als Hauptbeweismittel allein dessen Fingerabdrücke auf der Quittung.

Aufgrund der drückenden Beweislage räumte der Angeklagte ohne einen Schimmer von Reue die angeklagte zweite Tat zögerlich ein. Der ihm vorgeworfene Betrug 14 Tage zuvor wurde im Hinblick auf die hier zu erwartende Strafe eingestellt.

Für die skrupellose Abzocke des Rentners am 13. Mai 2013 verurteilte das Gericht den mehrfach vorbestraften Angeklagten ohne festen Wohnsitz wegen Betruges zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten ohne Bewährung.

Die Untersuchungshaft seit Juni 2014 wird auf die Strafe angerechnet.