Trotz finanzieller Engpässe durch mögliche Kürzung der Fördermittel für das OK-Live-Ensemble schaut der Vorstand optimistisch in die Zukunft. Selbst ein weiterer Jugendaustausch wird nicht ausgeschlossen. Eine dreiköpfige Delegation prüfte Ende Oktober eine mögliche Partnerschaft in einer Provinzhauptstadt in Vietnam.

Wolmirstedt l Eingefädelt hat den Vietnam-Besuch der Bauingenieur und Kreisdenkmalpfleger Erhard Jahn. Der Wolmirstedter war von 1977 bis 1979 als Aufbauhelfer in Vinh, Hauptstadt der Provinz Nghe An in Nordvietnam. "Die Stadt war nach dem Krieg total zerstört. Es gab dann ein Abkommen zwischen der damaligen DDR und Vietnam, beim Wiederaufbau Unterstützung zu geben. Die Menschen dort haben unter dem Krieg sehr gelitten und sind den Deutschen noch heute für die Hilfe sehr dankbar", so Jahn. Unter anderem wurde zu der Zeit das Kulturhaus der Kinder gebaut. Jahn war erst viele Jahre nach der Wende wieder privat in Vietnam: 2013 hatte man ihn als ehemaligen Aufbauhelfer zu Jubiläumsfeierlichkeiten nach Vinh eingeladen.

Bei der Gelegenheit wurde der Wolmirstedter von den Verantwortlichen des Kulturhauses "Viet Duc" um die Vermittlung einer Partnerschaft mit einer ähnlichen Einrichtung in Deutschland gebeten. Nun gibt es zwar in Wolmirstedt schon lange kein Kulturhaus mehr, aber das OK-Live-Ensemble, das sich wie "Viet Duc" der Förderung von jungen Talenten verschrieben hat. Der Vorstand gab für die Reise nach reiflicher Überlegung grünes Licht. Ensembleleiterin Rebecca Schulz: "Wir wissen heute noch nicht, wie es mit den Finanzen im nächsten Jahr bestellt ist und machen uns bereits über Einsparmöglichkeiten Gedanken. Aber solche internationalen Beziehungen sind ja seit vielen Jahren mit ein Markenzeichen unseres Vereins. Im Interesse unserer jungen Mitglieder sollten wir daran festhalten."

"Wir wurden wie Staatsgäste begrüßt."

Und so besuchte eine dreiköpfige Delegation aus Wolmirstedt Ende Oktober die Stadt im fernen Südostasien. Neben Erhard Jahn, der seine Reise privat gezahlt hat, gehörten die Ensemblemitglieder Kurt Prilloff und Stefanie Höfecker zu der Reisegruppe. Bei der jüngsten Vorstandssitzung berichteten sie nun über ihre Eindrücke. "Der Empfang durch die Kulturhaus-Chefs und Repräsentanten der Stadt war überwältigend. Wir wurden wie Staatsgäste begrüßt, die ganze Woche umworben und nach allen Regeln der Kunst verwöhnt. Manchmal war es uns regelrecht peinlich", erzählte Kurt Prilloff, der das Ensemble 1994 gegründet hatte und viele Jahre Vorsitzender war. Unter seiner Federführung hatte es mehrere Auslandsgastspiele, unter anderem in Amerika, Luxemburg, Türkei oder auf der Karibikinsel Guadeloupe. Aktuell wird seit mehreren Jahren eine Partnerschaft mit einem Kulturverein in Frankreich intensiv gepflegt. "Aber noch nie haben wir solche Gastfreundschaft und Begeisterung wie jetzt in Vietnam erlebt", sagte auch Stefanie Höfecker, die als Artistin und Vorstandsmitglied im Ausland bereits reichlich Erfahrungen gesammelt hat.

Es sei kein Erholungs- aufenthalt gewesen, beteuerte das Trio. Die Gastgeber hatten ein straffes Arbeitsprogramm erstellt. Neben Besichtigungen von zahlreichen Museen und historischen Gebäuden wurde das Erholungsgebiet Bai Lu besucht. Einblicke bekamen die Wolmirstedter auch, wie die jungen Talente in den Sparten Musik und Tanz angeleitet werden. Der dortige Kulturverein betreut derzeit etwa 250 Kinder und Jugendliche. Ähnlich wie das Ok-Live-Ensemble bekommt der Verein zwar auch staatliche Förderung, muss einen Teil seines Finanzbedarfes jedoch durch Auftritte bestreiten.

Wie hoch der Besuch der Wolmirstedter geschätzt wurde, kam besonders mit dem Auftritt der jungen Tänzer und Musiker vor den Gästen zum Ausdruck. Kurt Prilloff war hin und weg: "Vier Wochen lang hatten die Verantwortlichen mit den Kindern ein Programm einstudiert, über das wir aus dem Staunen nicht herauskamen. Kostüme, Licht, Bühnenbild - alles sehr farbenfroh und prächtig. Und bei den Auftritten der Kleinen hatten wir eine Gänsehaut." Die überschäumende Begeisterung der Mädchen und Jungen auf der Bühne habe sie besonders beeindruckt, sagte Stefanie Höfecker. "Man sah ihnen an, mit wie viel Freude sie bei der Sache sind. Alles war perfekt, da können sogar wir uns eine Scheibe abschneiden." Für den deutschen Besuch hatten die Kleinen extra das Lied "Der Kuckuck und der Esel" einstudiert. Prilloff musste auf die Bühne und mitsingen und gab zu: "Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich nicht gerade textsicher war."

Unterkunft und das Essen seien exzellent gewesen, gewöhnungsbedürftig dagegen der Verkehr, der von Unmengen von Zweirädern bestimmt wird und mit denen die Vietnamesen alles, sogar größere Tiere transportieren. Leider sei die Zeit zu knapp gewesen, um sich ein paar Stunden am Strand zu erholen, aber Gelegenheit für einen kleinen Einkaufsbummel in der Altstadt sei gewesen. Neben ein paar Andenken an den Besuch - für Stefanie Höfecker ließ der Gastgeber extra ein traditionelles Kleid schneidern - brachte die Reisegruppe ein offizielles Besuchsprotokoll mit. Darin ist festgehalten, dass sich beide Seiten langfristige Beziehungen wünschen, um sich gegenseitig zu unterstützen und weiterzubilden. Unter der Voraussetzung, dass auf beiden Seiten staatliche Einrichtungen und andere Träger die finanziellen Mittel zur Verfügung stellen, ist im nächsten Jahr ein Gegenbesuch ins Auge gefasst.

Dann könnte in Wolmirstedt eine Vereinbarung über die freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Einrichtungen unterzeichnet werden. Ok-Live-Chefin Rebecca Schulz schränkte allerdings ein: "Wir können heute noch keine Zusage für einen Gegenbesuch machen. Dazu sind noch zu viele Fragen zu klären. Wir wollen aber alle Möglichkeiten prüfen, um im Interesse der talentierten Kinder die Partnerschaft auf den Weg zu bringen."