Heute Vormittag herrscht Andrang in den Gängen und Räumen der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik. Kinder sind von den künftigen Erzieherinnen eingeladen zu einer Reise nach "Imaginata piccola", der kleinen Wahrnehmungsmesse. Das zum zehnten Mal.

Wolmirstedt l Die künftigen Erzieher der Evangelischen Fachschule tüfteln seit Wochen in der Parkstraße in Wolmirstedt an einem Konzept, das Kinder und Jugendliche ansprechen soll. "Es soll den eigenen Körper sensibilisieren, dabei Motivation schaffen, seine Fähigkeiten auszuprobieren", umreißt Dr. Gisela Krohn, die seitens der Schulleitung das Projekt betreut.

Wie die Lehrerin erklärt, stellen sich die künftigen Erzieherinnen des ersten Studienjahres dabei die Frage: Wie viele Sinne hat der Mensch überhaupt? Und sie geben gleich die Antwort vor. Sechs Sinne wollen sie ansprechen: Sehen, Hören, Gleichgewicht, Fühlen, Schmecken und Riechen.

Für die öffentliche Präsentation haben die Fachschüler heute die Mädchen und Jungen der Zielitzer Grundschule eingeladen. Es werden auch Grundschüler aus Samswegen erwartet. Sie nämlich sollen testen, ob das Konzept der Fachschüler aufgeht, ihre Ideen umgesetzt werden können. Worauf Dr. Krohn großen Wert legt, "ob sie auch alltagstauglich sind".

In Gruppen haben die Schüler sieben verschiedene Stationen aufgebaut, die von den Kindern an diesem Vormittag passiert werden sollen. Es wird abenteuerlich. Wer hat schon einmal die Möglichkeit, in wenigen Stunden gleichzeitig eine Traumwelt zu erkunden, in eine Fantasiewelt abzutauchen oder im Märchenwald Zauberer und Hexen zu erleben? Und was heute in den Räumen der Evangelischen Fachschule so kreativ Realität wird, haben die Studenten in wochenlanger Projektarbeit akribisch vorbereitet.

Erstmals in der zehnjährigen Erfolgs-Geschichte wurde unter den künftigen Erzieherinnen eine Projektleitung berufen, deren Vorsitz Nancy Leuschner hat. "Alles mit dem einen Ziel, die Wahrnehmungs- und Erfahrungsmöglichkeiten der Akteure, aber vor allem der kleinen Gäste zu erweitern", erläutert die Studentin. Die 32-Jährige weiß, worüber sie spricht, ist sie selbst junge Mutti von drei Kindern.

"Mit dieser Reise ins Land der Wahrnehmungen beweisen unsere Schüler zugleich", ergänzt Dr. Krohn, "dass sie bereits im ersten Lehrjahr durchaus in der Lage sind, sich selbständig theoretisches Wissen anzueignen und dieses gezielt mit der praktischen Arbeit mit den Kindern zu verbinden. Es ist gewissermaßen die erste große Herausforderung im Rahmen der Ausbildung."

Heute heißt es nun: Raus aus dem Klassenraum, rein in die Ideenschmiede. Ob die Schülerinnen mit ihrem Projekt letztlich erfolgreich waren, werden die Kinder der Zielitzer Grundschule spätestens nach ihrem "Rundgang" beurteilen.