Trotz der Unsicherheit um ihre Zukunft wird die Schwangerschafts- und Sexualberatungsstelle Anfang Dezember in das Mehrgenerationenhaus EHFA einziehen. Damit soll auch ein Signal gegen die drohende Schließung gesetzt werden.

Haldensleben l "Schauen Sie sich bloß nicht um, hier herrscht das Chaos." Mit diesen Worten empfängt Heimtraut Bergmann derzeit ihre Besucher in der Schwangerschafts- und Sexualberatungsstelle an der Haldensleber Schützenstraße. Die Leiterin der Einrichtung ist am Packen, Broschüren und Unterlagen verschwinden nach und nach in Umzugskartons.

Doch es ist nicht der Abgesang auf die Beratungsstelle, sondern das Hoffen auf die Fortführung der bisherigen Arbeit unter dem Dach des EHFA. Auch wenn nach wie vor die Schließung wie ein Damoklesschwert über der Einrichtung hängt. Noch immer ist die Zukunft der Beratungsstelle unklar.

In dem vom Landesverwaltungsamt (LVA) aufgestellten Sicherstellungsplan für 2015, der die Anzahl der vom Land geförderten Beratungsstellen festschreibt, taucht die Haldensleber Einrichtung nicht mehr auf. Sie soll nach dem Willen des LVA zum 31. Dezember dieses Jahres ersatzlos geschlossen werden. Ratsuchende müssten dann auf die Beratungsstellen in Oschersleben, Magdeburg oder Gardelegen ausweichen.

Dagegen hat der Kreisverband Magdeburg der Arbeiterwohlfahrt (AWO) als Träger der Haldensleber Beratungsstelle bereits im Juli Klage eingereicht. "Dazu gibt es aber noch keine Entscheidung", sagt Franziska Manske, die stellvertretende Geschäftsführerin des Kreisverbandes.

Doch sie will ein Signal setzen. "Wir haben uns gesagt, wir ziehen mit in das EHFA. Auch um zu zeigen, dass wir es ernst meinen, in Haldensleben weiterhin präsent sein zu wollen", erklärt sie. "Zu verlieren haben wir nichts, wenn wir jetzt umziehen. Höchstens, dass wir die Kartons zweimal packen müssen."

Bestärkt in ihren Umzugsplänen fühlen sich Heimtraut Bergmann und Franziska Manske auch durch den "Tag der offenen Schaustelle" in der vergangenen Woche im EHFA. Dort hatte Bürgermeister Norbert Eichler von einem "Lichtstreif am Horizont" in Sachen Schwangerschaftsberatungsstelle gesprochen. "Das gibt uns natürlich Hoffnung, auch wenn wir noch nichts Schriftliches haben, dass die Beratungsstelle in Haldensleben Bestand hat", meint Franziska Manske.

Das hält Heimtraut Bergmann aber auch nicht von ihren Arbeitsplänen ab. "Die Nachfrage nach Terminen ist ungebrochen. Ich habe auch bereits welche für den Januar vergeben", erzählt sie. Daher genießt ein schneller Umzug in das EHFA für sie oberste Priorität, damit die Arbeit auch nach dem Jahreswechsel nahtlos fortgeführt werden kann. "Der Umzug ist für den 4. und 5.Dezember vorgesehen, ab dem 8. Dezember arbeitet die Beratungsstelle dann unter dem Dach des EHFA", nennt sie konkrete Termine.

Über drei eigene Räume wird die Schwangerschafts- und Sexualberatung dort verfügen, zusätzlich stehen bei Bedarf auch Gemeinschaftsräume, welche die verschiedenen Beratungsstellen im Mehrgenerationenhaus zusammen nutzen, zur Verfügung. "Solange wir aber nicht wissen, wohin es mit uns wirklich geht, muss ich die Arbeit allerdings auf Sparflamme fahren", schränkt Heimtraut Bergmann ein. Denn nur sie allein wird die Beratungen vorerst absichern. "Schon jetzt können wir keine Beratung mehr in Wolmirstedt leisten, und auch unsere Kurse wie Babyfitness und -massage sowie die Präventionsveranstaltungen an den Schulen mussten wir streichen", bedauert sie die derzeitige Situation. Über eine zusätzliche Stelle soll aber noch entschieden werden, meint ihre Chefin.

Doch auch das hängt mit der vom LVA angekündigten Schließung der Beratungsstelle zusammen. Franziska Manske hofft jedoch, bis spätestens Anfang Dezember Klarheit zu haben.

Sicherheitshalber hat die AWO beim Landkreis Börde einen Antrag auf Überbrückungszuschuss gestellt. "Damit könnten wir die Beratungsangebote aufrecht erhalten, bis über die Klage entschieden wird. Falls das Landesverwaltungsamt und das Kultusministerium nicht vorher einlenken", plant Franziska Manske auch für den Notfall.

Entscheiden muss der Kreistag über diesen Antrag. Allerdings sind sowohl Bergmann als auch Manske guter Dinge, dass er positiv beschieden wird. Denn bereits als die Schließung der Beratungsstelle publik wurde, hatte der Kreistag einer Resolution zugestimmt und die Landesregierung aufgefordert, die bestehenden Kürzungspläne für die Schwangerschafts- und Sexualberatungsstelle zurückzunehmen.

Auch der Haldensleber Stadtrat hatte - ebenso wie Bürgermeister Norbert Eichler und Landrat Hans Walker - gegen die Schließung protestiert. "Für diese Unterstützung bin ich sehr dankbar", versichert Franziska Manske.

Ihr Dank geht aber auch an die zahlreichen Frauen und Männer, die bis über die Grenzen des Landkreises hinaus sich mit ihren Unterschriften für den Erhalt der Haldensleber Beratungsstelle stark gemacht haben. "Bislang sind bei uns 5114 Unterschriften angekommen, aber ich habe noch nicht alle Listen", freut sich auch Heimtraut Bergmann riesig über die Resonanz. Über die Stadtverwaltung sollen die Listen dann an die zuständigen Entscheidungsträger im Land Sachsen-Anhalt weitergereicht werden. "Einen konkreten Termin haben wir dafür noch nicht, aber das wird relativ zeitnah geschehen", sagt Stadt-Pressesprecher Lutz Zimmermann dazu.