Wolmirstedt l Michel Liebe und weitere Leibniz-Schüler können sich gut vorstellen, nach der Schule mit Fahrzeugen zu arbeiten. Sie erfuhren bereits in der Fahrschule von Inhaber Michael Scheler, auf welchem Wege sie Fahrlehrer oder Kraftfahrer werden können und was die tägliche Arbeit in diesen Berufen bedeutet.

"Es gibt in diesen Bereichen bereits einen Fachkräftemangel", sagt Michael Scheler. Um junge Leute für diese Arbeitsfelder zu erwärmen, hat er das Angebot gerne angenommen, mit der Leibniz-Schule in diesem Projekt zusammenzuarbeiten. Sollten sich Schüler für den Fahrlehrerberuf entscheiden, müssen sie erst eine Berufsausbildung ihrer Wahl absolvieren. Danach satteln sie eine 15-monatige Fahrlehrerausbildung drauf.

Unter der Federführung des Fahrschulinhabers werden die Schüler auch die Arbeit in Autohäusern und in einem Fahrradgeschäft, in einer Zweiradwerkstatt kennenlernen und die Möglichkeiten des Nestor-Bildungswerks nutzen.

Die Schüler können jeweils Fahrübungen absolvieren und den Umgang mit dem Gabelstapler probieren. Sie lernen Pkw und Motorräder kennen, die Lagerwirtschaft und auch den kaufmännischen Bereich. Einmal im Monat werden die Schüler nachmittags die Betriebe besuchen. "Wir legen Wert auf einen hohen Praxisanteil", sagt Ingolf Berg.

Das Projekt wird von der Arbeitsagentur und der Leibniz-Schule, vor allem über deren Förderverein, finanziert. "Es ist ein Pilotprojekt und soll einmalig in Sachsen-Anhalt sein", sagt Schulleiter Ingolf Berg. Das Heranführen der Schüler an Berufsfelder soll zum einen dem Fachkräftemangel entgegen wirken und andererseits die Ausbildungsabbrecherquote senken. Es läuft über zwei Jahre, sodass die jetzigen Achtklässler in der zehnten Klasse wissen, ob ihnen die Arbeit im Fahrzeug- und Transportbereich liegt. Auch die Betriebe haben durch die Zusammenarbeit die Möglichkeit, potentielle Bewerber für gewerblich-technische und kaufmännische Berufe im Dienstleistungssektor zu begeistern.

Michel Liebe gehört zu den Schülern, die sich gerne mit der Reparatur von Fahrrädern beschäftigen. "Der Beruf des Zweiradmechanikers interessiert mich", sagt der 14-Jährige. Er kann dieses Metier in einem Fahrradgeschäft kennenlernen. "Wir geben den Schülern bei den nächsten zwei Veranstaltungen Einblicke in zweiradmechanische Bereiche", sagt Inhaberin Ellen Pfalz.

Die erste Veranstaltung in der Fahrschule gefiel dem Leibniz-Schüler jedoch ausgesprochen gut. "Es hat mir sehr gefallen, dass Herr Scheler so offen auf unsere Fragen eingegangen ist." Die drehten sich um Motoren, aber auch um Ängste, die manche vor dem Motorradfahren verspüren.

Sophie Trettenbach möchte eigentlich Kindergärtnerin werden, hat sich aber trotzdem entschieden, bei diesem Projekt mitzumachen: "Es interessiert mich. Aber ob ich beruflich so etwas machen möchte, mal gucken."

Noch haben die Schüler Zeit, überall hinein zu schnuppern.