Wolmirstedt l Antje Prilloff arbeitet seit dem 1. November als Sozialarbeiterin im Wolmirstedter Jugendclub. Die Diplompsychologin betreut nicht nur die Jugendlichen in der Burgstraße, sondern auch die Jugendlichen in den Clubs in Mose und Elbeu. Weiterhin gehört die sogenannte aufsuchende Jugendarbeit zu ihren Aufgaben. Das heißt, sie steht Jugendlichen, die sich beispielsweise an Bushaltestellen treffen, ebenso als Ansprechpartnerin zur Verfügung. "Es ist wichtig, präsent zu sein", sagt sie, "aber wenn ich in Mose oder Elbeu unterwegs bin, muss ich die Burgstraße zuschließen und die Kids vor die Tür setzen."

Das sei eine extrem unbefriedigende Situation, die derzeit nur von den Vorstandsmitgliedern des Clubs entschärft werden kann. Die verfügen ebenfalls über die Schlüsselgewalt, sind aber Studenten, Schichtarbeiter, Auszubildende und arbeiten ehrenamtlich im Club. "Ich kann nicht verlangen, dass sie zu einer bestimmten Uhrzeit hierherkommen und die Jugendarbeit übernehmen", sagt Antje Prilloff. Eine männliche, pädagogisch ausgebildete Fachkraft wäre ihr größter Wunsch.

Mit 15 Wochenstunden steht Nico Schmidt als Jugendkoordinator zur Seite. Doch der ist wesentlich für bürokratische Arbeiten verantwortlich, für Anträge und den Kontakt zu den Behörden.

Antje Prilloff freut sich über den reichlichen Nachwuchs, der sich im Jugendclub einfindet. Besonders die seit Jahren händeringend gesuchten jüngeren Teenager finden derzeit verstärkt den Weg in die Burgstraße. Hoch im Kurs stehen gemeinsame Bastelaktionen. "Die Kinder können ihre Basteleien mit nach Hause nehmen", sagt Antje Prilloff, "meine eigenen Bastelarbeiten werden auf dem Adventsmarkt am kommenden Wochenende verkauft."

Viele Räume des uralten Fachwerkhauses werden nach den Wünschen der Jugendlichen hergerichtet. "Ich mag am liebsten die dunklen Räume", sagt der 13-jährige Jamie Miosga. Schwarze Wände mit Schummerbeleuchtung schaffen eine ganz eigene, fast gruselige Atmosphäre. Die Älteren bevorzugen freundliche Farben und treffen sich vorwiegend zum "Quatschen" im Club. "Die Elbeuer Jugendlichen spielen gern Brettspiele", sagt Antje Prilloff, "dabei kommt man ins Reden und wenn Probleme anstehen, können wir sie angehen."

Die Mitglieder des Kultur- und Sozialausschusses hatten für die Personalsorgen ein offenes Ohr. "Wir sollten auf gar keinen Fall bei der Jugendarbeit sparen", merkte Detlef Horstmann (Die Linke) an. Die Stadt hat jedoch wenig Handlungsmöglichkeiten. "Wir legen Wert auf eine zweite Stelle", erklärt Frank Schröder, der im Rathaus für die Jugendarbeit zuständig ist. Aufgrund der Bemessungszahlen des Landkreises stehen Wolmirstedt für die offene Jugendarbeit auch zwei Stellen zur Verfügung. Eine beansprucht allerdings das Bildungs- und Freizeitzentrum, das ebenfalls einen offenen Jugendtreff anbietet. "Wir sind jedoch der Meinung, dass wir für die Arbeit in den Jugendclubs noch eine weitere Stelle vorhalten müssen", stellt sich Frank Schröder hinter die Wünsche von Antje Prilloff, "sollte es dafür Fördermittel geben, kann die Stadt ihren Eigenanteil beisteuern. Der liegt bereit."

Rebecca Lange (CDU) schlug vor, dass der Jugendverein Stellen für ein freiwilliges soziales Jahr anbieten könne. Als Unterstützung würde Antje Prilloff das gerne annehmen, aber als Verantwortungsträger hätte sie doch gern eine Fachkraft an ihrer Seite.

Antje Prilloff war lange Jahre Vorsitzende des Jugendvereins, der die Clubs in der Burgstraße und in Elbeu unter seinen Fittichen hat. Die Erfahrungen kommen ihr jetzt zugute. "Ich musste mich nicht lange einarbeiten", sagt sie, "ich kenne die Ansprechpartner und die Materie und konnte sofort mit der Arbeit beginnen."