Das Schulgebäude der Ganztagsschule "Johannes Gutenberg" platzt aus allen Nähten. Durch die Einführung der Abiturstufe wird künftig mit noch mehr Schülern gerechnet. Die Grundschule würde gern in ein eigenes Gebäude ausweichen.

Wolmirstedt l Die Ganztagsschule "Johannes Gutenberg" expandiert. So sehr, dass sich die Verantwortlichen bereits überlegen, ob die Grundschule in ein anderes Gebäude ausweichen sollte. "Ein Anbau an unserer Schule wäre möglich", sagt Grundschulleiterin Doreen Haensch, "aber dann würde unseren Kindern die Außenfläche fehlen." Deshalb haben die Verantwortlichen vorsichtig ein Auge auf die ehemalige Christian-Wilhelm-Harnisch-Schule geworfen. Dorthinein könnte die Grundschule ziehen.

Das Gebäude im Wohngebiet "Deutsche Einheit" beherbergte bisher eine Schule für lernbehinderte Kinder. Die gibt es seit diesem Schuljahr nicht mehr, das Gebäude steht leer. Bereits seit Februar gibt es Gespräche zwischen Gutenberg-Schulleitung und der Stadtverwaltung über die Nachnutzung. Auch der Landkreis ist involviert. Der ist Eigentümer des Harnisch-Gebäudes, während die Gutenberg-Grundschule in der Trägerschaft der Stadt liegt.

"Es laufen wegen des Lastenausgleichs Verhandlungen mit der Stadt", bestätigt Iris Herzig, Fachbereichkoordinatorin Soziales und Verbraucherschutz im Landkreis. Der Kreis hat in die Harnisch-Schule viel investiert, sodass finanzielle Details geklärt werden müssen, sollte die städtische Grundschule in das Gebäude einziehen. Doreen Haensch hofft, dass es eine Einigung gibt. "Wir sollten die Gunst der Stunde nutzen", sagte sie.

In der Gutenberg-Sekundarschule können schon jetzt nicht alle Anmeldungen berücksichtigt werden. Sie arbeitet seit diesem Jahr als Gemeinschaftsschule, das heißt, Jugendliche können dort so lange lernen, bis sie das Abitur abgelegt haben. Die Werkstätten, die gerade in der ehemaligen Turnhalle entstehen, ermöglichen ein praxisorientiertes Lernen. Dieses Modell gilt bei vielen Schüler und Eltern als reizvoll.

Der höhere Platzbedarf der Grundschule ist im Konzept begründet. "Bei uns kommt der frontale Unterricht kaum noch vor", erklärt Grundschulleiterin Doreen Haensch. Die 167 Grundschulkinder arbeiten in Gruppen, meist an Sechsertischen, aber auch auf dem Teppich oder an separaten Plätzen. Mit der Arbeit in sogenannten Lernstraßen möchte die Schule dem Entwicklungsstand und Lerntempo jedes einzelnen Kindes gerecht werden.

"Die Kinder, die bei uns eingeschult werden, haben einen Entwicklungsunterschied von drei Jahren", sagt Doreen Haensch. Durch die Inklusion lernen inzwischen auch Kinder mit besonderem Förderbedarf an der Gutenberg-Grundschule. "Es gibt Kinder, die nicht gut hören können oder eine Lernschwäche haben", erklärt die Schulleiterin.

So unterschiedlich die Kinder auch sein mögen, in einem Punkt sind sie alle gleich. Sie brauchen Platz. "Mehr als 23 Kinder passen in einen Klassenraum nicht hinein", sagt Doreen Haensch.

Der Platzmangel betrifft nicht nur die Klassenräume, sondern auch die Turnhalle, die teilweise von vier Klassen gleichzeitig genutzt wird, und auch die Räume, in denen sich die Kinder nach dem Unterricht bis 18 Uhr aufhalten können. Für die angemeldeten 80 Nachmittags-Kinder steht gerade ein Kellerraum zur Verfügung. Die Betreuer weichen mit den Kindern in die Klassenzimmer aus, aber eigentlich sollten die Kinder nach dem Unterricht in einer anderen Umgebung spielen.