Das integrierte Stadtentwicklungskonzept (Isek) liegt vor. Der Stadtrat will es am Donnerstag in seiner Sitzung bestätigen. Das Konzept soll für die nächsten 15 Jahre als Handlungsfaden dienen.

Wolmirstedt l Das Stadtentwicklungskonzept ist ein 96 Seiten starkes Pamphlet, eine Bestandsaufnahme der Stadt. Die Bereiche "Wolmirstedt innerhalb der Region", Wirtschaft, Stadtgestalt, Bevölkerung, Wohnungsmarkt und Infrastruktur wurden beleuchtet. Es gibt 62 Handlungsempfehlungen für die Zukunft. 90 Einzelmaßnahmen sind aufgelistet. Nun sind Verwaltung und Stadtrat gefordert.

Wie die Arbeit mit dem Stadtentwicklungskonzept aussehen kann, zeigt das Beispiel der Schlossdomäne. Sie gilt als Lieblingsort der Wolmirstedter, das hat die Haushaltsbefragung in 565 Haushalten eindeutig ergeben. Dennoch ist das historische Ensemble vor den kritischen Blicken der Stadtplaner noch nicht in das beste Licht gerückt. Sie ist von Süden, von der Ohre aus, nur schwer zu betrachten. Hohe Bäume versperren den Blick. Es wurde empfohlen, "die Blickbeziehungen zwischen Stadt und Ohreaue durch pflanztechnische Maßnahmen zu qualifizieren". Das kann heißen, die Bäume im Schlossgarten zu entfernen, damit die Rückseite des Bürgerhauses besser zur Geltung kommt.

Innerhalb der Lenkungsgruppe, die das Stadtentwicklungskonzept mit erarbeitet hat, stieß die Idee mit dem Baumschnitt nicht auf uneingeschränkte Gegenliebe. "Unsere Senioren feiern gerne im Schatten der großen Bäume das Sommerfest", sagte Marita Albrecht, Leiterin der Begegnungsstätte der Volkssolidarität.

So wie bei diesem Beispiel müssen alle Handlungsempfehlungen diskutiert werden, immer unter Berücksichtigung der aktuellen Haushaltslage. "Manche Dinge sind für uns als Stadt einfach zu hoch gegriffen", stellt Heinz Maspfuhl fest, Vorsitzender der Fraktion SPD/Grüne im Stadtrat. Dazu zählt er die sogenannte Nordspange, die die Bahnschienen von der Seegrabenstraße zum Handwerkerring hin überqueren soll. "Das können wir alleine nicht stemmen. Da müssen Landkreis und Land mit ins Boot." Dennoch sagte er: "Wir dürfen dieses Zukunftspapier in keinem Jahr vom Tisch nehmen."

Die CDU-Fraktion will sich im ersten Halbjahr 2015 ausführlich damit beschäftigen. "Schwerpunkte sehen wir vor allem in der Ansiedlung von Gewerbe, besonders im Hinblick auf die neue Autobahn A14", sagt Fraktionsvorsitzender Uwe Claus.

Diese Empfehlung wird auch im Stadtentwicklungskonzept ausgesprochen. Entlang der Autobahnen sollen im Flächennutzungspan ausreichende Gewerbeflächen ausgewiesen werden.

Klaus Mewes, Vorsitzender der UWG/FUWG-Fraktion sieht das Konzept als durchweg gelungen. "Nun müssen wir im Stadtrat eine Prioritätenliste erstellen, die finanziell untersetzt werden muss", sagte er. Außerdem regte er an, das vollständige Konzept drucken zu lassen und beim Neujahrsempfang der Stadt auszulegen. "Dort sind Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Vereinen versammelt, also all jene, die damit arbeiten können."

FDP-Fraktionsvorsitzende Gisela Gerling-Koehler sieht ebenfalls die Erarbeitung einer Maßnahmenliste als oberstes Ziel. "Wir werden innerhalb der Fraktion Schwerpunkte erarbeiten", meinte sie, "aber schon jetzt denke ich, dass das Thema Innenstadt sehr aktuell bleibt." Die Haushaltsbefragung hatte ergeben, dass die Entwicklung der Fußgängerzone als größter Misserfolg der Stadtentwicklung gesehen wird. Wären die Befragten Bürgermeister, würden sie als allererstes die Innenstadt beleben.

Das Stadtentwicklungskonzept wartet mit Zahlen auf. Auf den 320 Metern Länge der Fußgängerzone gibt es rund 80 Betriebe. Der Boulevard gilt als zentrale Achse der Stadt mit Anbindung an die Schlossdomäne und spielt besonders während der Markttage eine Rolle als Treffpunkt für Bürger. Allerdings "weisen 27 Gebäude eine Erdgeschossnutzung auf, die ein geschlossenes Einkaufserlebnis relativieren", heißt es im Konzept. Das "geschlossene Einkaufserlebnis" werde durch Wohnungen, Gaststätten ohne Tagesbetrieb, Makler, Versicherungen und leere Ladenlokale unterbrochen. Hier wird empfohlen, vor eventuellen Änderungen, beispielsweise der Befahrbarkeit des Boulevards, eine öffentliche Diskussion mit Händlern, Anwohnern und Bürgern zu führen.

Sebastian Filipp, Fraktionsvorsitzender der Linken, sieht die Schwerpunkte seiner Fraktion ebenfalls in der Wirtschaftsförderung. "Vor allem sollten wir uns um die Zukunft der ärztlichen Versorgung kümmern und ein Stadtmarketing etablieren."

Mit acht Hausärzten, von denen die Hälfte bereits den 70. Geburtstag hinter sich hat, sei der Ärztemangel längst sichtbar. Nach einem Vorschlag von FDP-Stadtrat Mark-André Krogel-Riemann hat sich bereits eine Arbeitsgruppe gegründet, die Wege aus der Misere finden will.

   

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