Daniela Lehmann und Judith Proboscht aus der Niederen Börde "opfern" einen großen Teil ihrer Zeit, um anderen Menschen zu helfen - eigenen Schicksalsschlägen zum Trotz. Für ihr großes ehrenamtliches Engagement sind sie nun ausgezeichnet worden.

NiedereBörde l Das Leben hat Daniela Lehmann und Judith Proboscht schon vor einige Herausforderungen gestellt. Während erstere seit knapp 20 Jahren mit der Diagnose Multiple Sklerose (MS) leben muss, kümmert sich letztere neben ihrem Job um ein mehrfach schwerstbehindertes Kind. Und trotzdem - oder gerade deshalb - öffnen die beiden Frauen aus der Niederen Börde ihr Herz und nehmen sich viel (Frei)zeit, um anderen Menschen zu helfen.

"Trotz der Krankheit kann man positiv denken, vieles ist Kopfsache."

Daniela Lehmann

Dafür sind sie am 6. Dezember zusammen mit 98 anderen ehrenamtlich Tätigen aus ganz Sachsen-Anhalt von Ministerpräsident Reiner Haseloff in der Magdeburger Staatskanzlei geehrt worden. Carola Wolff von der Engagement-Drehscheibe der Niederen Börde hatte Judith Proboscht und Daniela Lehmann für die Auszeichnung vorgeschlagen. Der ehrenamtliche Einsatz der Frauen aus Groß beziehungsweise Klein Ammensleben überzeugte.

Daniela Lehmann leitet eine eigene Selbsthilfegruppe, engagiert sich mit dem MS-Aufklärungsprojekt "Run For Help" an Schulen, ist Mitglied im Feuerwehrverein Klein Ammensleben sowie im Elternrat der Barleber Ganztagsschule. Obwohl die gelernte Zahnarzthelferin wegen ihrer chronischen Krankheit seit zwölf Jahren berentet ist, verdient sie sich als Verkäuferin ein bisschen Geld dazu und trägt einmal die Woche mit ihrem Sohn Zeitungen aus. Außerdem hilft sie als Lotsin bei der Engagement-Drehscheibe, ist Mitglied im Entwicklungsnetzwerk Barleben-Niedere Börde und lässt sich gerade zur ehrenamtlichen Seniorenbegleiterin ausbilden.

"Trotz der Krankheit kann man positiv denken, vieles ist Kopfsache", sagt die 42-Jährige. Die Diagnose MS bekam sie 1995. "Ein Jahr später habe ich mich mit anderen Betroffenen in Magdeburg zu einer Selbsthilfegruppe zusammengeschlossen und 2009 eine eigene Gruppe in Haldensleben gegründet", erinnert sich Daniela Lehmann. Bei ihren monatlichen Treffen tauschen sich die Betroffenen aus, regelmäßig informiert ein Gastreferent die Mitglieder zudem über die neusten Erkenntnisse zu der unheilbaren Erkrankung des zentralen Nervensystems oder über Therapiemöglichkeiten.

So gut wie heute ging es Daniela Lehmann nicht immer. Kurz nach der Diagnose erblindete sie auf dem linken Auge vorübergehend. "Es war auch schon einmal so schlimm, dass ich im Rollstuhl sitzen und gefüttert werden musste", blickt die Klein Ammensleberin zurück. Das war im Jahr 2002 - ihr jüngster Sohn war damals gerade ein halbes Jahr alt, ihr ältester fünf. "Da dachte ich mir: So kann es nicht weitergehen!" Sie probierte ein neues Medikament aus und es wurde besser. Heute lebt Daniela Lehmann ohne Medikamente. Wann der nächste Krankheitsschub kommt, weiß niemand.

Nach der Geburt ihres zweiten Sohnes vor sechs Jahren war für Judith Proboscht vieles nicht mehr wie vorher. Das Kind ist mehrfach schwerstbehindert und rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen. Die heute 34-Jährige gab ihren ursprünglichen Beruf als Betriebswirtin auf und machte sich als Pflegeberaterin selbstständig, erwarb nebenbei zwei Fernststudienabschlüsse.

"Man darf die Senioren nicht vergessen, man muss ihnen etwas zurückgeben."

Judith Proboscht

In ihrer freien Zeit engagiert sich die Groß Ammensleberin ebenfalls als Lotsin beim Freiwilligennetzwerk der Einheitsgemeinde, ist zudem Gründungsmitglied des Gesundheitsnetzwerkes Niedere Börde-Barleben und koordiniert die Schulungen des geplanten Seniorenbesuchsdienstes. "Ich habe durch meine Arbeit viel mit Senioren zu tun, besonders mit einsamen Senioren - vor allem auf den Dörfern", sagt Judith Proboscht.

Nicht für alle älteren Bürger seien die Angebote und größeren Veranstaltungen der Volkssolidarität oder des Deutschen Roten Kreuzes etwas. "Aber sie möchten trotzdem jemanden haben, der mit ihnen erzählt", fügt sie hinzu. So wie ihre eigene Oma. "Das geht mir so ans Herz, wenn ich merke, dass sie Unterstützung brauchen. Man darf die Senioren nicht vergessen, man muss ihnen etwas zurückgeben. Sie haben alles aufgebaut und tolle Geschichten zu erzählen." Aus diesen Gedanken sei die Idee mit dem Seniorenbesuchsdienst entstanden, dem Judith Proboscht derzeit zusammen mit Carola Wolff auf die Beine hilft.

Wer mehr über die Selbsthilfegruppe für Betroffene von Multiple Sklerose erfahren möchte, kann sich im Internet unter www.shg-haldensleben.jimdo.com informieren. Menschen, die selbst als Seniorenbegleiter aktiv werden wollen, erreichen Judith Proboscht unter der Telefonnummer 039202/84726.