Auf Initiative der Kreisverwaltung lernen 17 Asylbewerber in einem Kurs an der Kreisvolkshochschule Deutsch. Für die nächsten drei Jahre hat die Kreisvolkshochschule Förderung für Kurse zur Erstorientierung beantragt.

Haldensleben l Mit dicken Jacken kommen die Frauen und Männer in die Kreisvolkshochschule. Die meisten haben auch eine Mütze tief ins Gesicht gezogen. Die Kälte setzt ihnen zu. Daran sind sie noch nicht gewöhnt. "Habt Ihr schon Handschuhe", fragt Christine Kurzhals und zeigt auf ihre Hände. Einige verständigen sich untereinander und wehren dann ab. Die meisten haben noch nie Schnee gesehen. Nur Tesfu Glubreslasie scheint die Kälte in Deutschland bisher noch nicht zu beeindrucken. Er sitzt kurzärmlig am langen Tisch.

Seit sieben Wochen lernen zwei Frauen und 15 Männer in der Kreisvolkshochschule gemeinsam Deutsch. Sie kommen aus Burkina Faso, Eritrea, Guinea-Bissau und Syrien. In Haldensleben leben sie erst kurze Zeit. Die Männer sind auch erst kurze Zeit in Deutschland, zwischen drei Monaten und anderthalb Jahren.

Alizeta Tassembedo und Assetou Dabre, die beiden Frauen aus Burkina Faso, leben allerdings schon etliche Jahre in Deutschland. Jede hat Mann und zwei Kinder, die zum Teil die Schule besuchen, wobei der Mann von Assetou Dabre aber in Bonn lebt. Die Frauen müssen am meisten lernen. Sie können zwar schon ein bisschen deutsch sprechen, allerdings nicht schreiben, so üben sie noch ganz eifrig deutsche Buchstaben.

Für sie hat die Dozentin Christine Kurzhals ein extra Lernprogramm. Für Tesfu Glubreslasie und Teklesenbet Teweldemedhin aus Eritrea könnte es am liebsten noch schneller gehen. Die beiden Männer, die in ihrem Heimatland auch studiert haben, sind auch allein in die Stadt- und Kreisbibliothek gegangen, haben sich einen Leserausweis ausstellen lassen und versuchen, möglichst viel von der neuen Sprache aufzunehmen. "Sie kommen oft und setzen sich hier in eine Ecke und lesen", sagt Bibliothekarin Doris Maaß. Was sie sich aus den Regalen nehmen, sei unterschiedlich. Sie greifen auch zu Zeitschriften und nehmen gern DVDs mit.

In diesem Lerntempo schaffen es nicht alle. "Aber alle wollen unbedingt lernen", versichert Christine Kurzhals. "Sie versäumen keinen Unterricht und würden gern noch häufiger kommen als nur zweimal in der Woche."

Begonnen hat sie mit einfachen Dingen wie sich vorzustellen oder den eigenen Namen zu buchstabieren. Frage und Antwort werden geübt, auch Begrüßung, wann sagt man zum Beispiel Guten Morgen, wann Guten Tag und wann Guten Abend. Da mischt die Dozentin in den Sprachunterricht auch ein bisschen Landeskunde, Gefühl für die neue Umgebung.

Sie möchten Haldensleben gern besser kennenlernen, sagt Teklesenbet Teweldemedhin, der in der Gemeinschaftsunterkunft an der Hafenstraße wohnt. Einige der Männer, die gerade erst angekommen sind, leben dort. Andere sind in einer Wohnung untergekommen. Bara Abass lebt zum Bespiel mit sieben anderen Männern aus Burkina Faso in einer Drei-Zimmer-Wohnung. Er kommt gern zur Kreisvolkshochschule, um zu lernen und was anderes zu sehen. Wenn Leute aus einem Land den ganzen Tag zusammen sind, reden sie natürlich auch in ihrer Landessprache, sie sind nicht gezwungen, sich in Deutsch zu verständigen. Deshalb nutzen sie jede Möglichkeit, etwas anderes in der Stadt zu erfahren.

Der Kurs ist einer von mehreren Sprachkursen in Haldensleben. Die anderen werden von Vereinen oder Hilfsorganisationen geführt. Die Asylbewerber müssen auch selbst einen kleinen Beitrag dafür zahlen. "Wir hoffen, dass wir im nächsten Jahr mehr Kurse anbieten können", erläutert Sylvia Grunwald, Leiterin der KVHS Börde. In diesen Kursen, die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördert werden, geht es um sprachliche Erstorientierung. Die Teilnehmer sollen lernen, sich zu verständigen, für alltägliche Dinge wie Wohnung, Ämter, Arztbesuch gerüstet zu sein. Und die Kurse, zu denen auch der Landkreis noch zuzahlen muss, sollen neben Haldensleben auch in Oschersleben, Weferlingen und Wolmirstedt laufen. Der Bedarf nimmt weiter zu.

Das Wohnheim an der Hafenstraße in Haldensleben ist bald voll belegt, sagt Iris Herzig, Fachbereichskoordinatorin in der Kreisverwaltung. In der nächsten Woche werden weitere Asylsuchende kommen. In die Gemeinschaftsunterkunft in Weferlingen sind in dieser Woche die ersten 35 Flüchtlinge eingezogen, in der nächsten Woche werden weitere folgen. In Oschersleben und Wolmirstedt werden weitere Wohnmöglichkeiten erschlossen.