Wolmirstedt l Die 16-jährige Emely Heger ist die neue Staatschefin des Landes "Fontanien". Gewählt wurde sie von ihren Mitschülern in der Ganztagsschule "Johannes Gutenberg" im Rahmen des Planspiels Demokratielabor, das am Montag in der Aula veranstaltet wurde.

"Die Schüler sollen ein Verständnis dafür bekommen, wie Meinungen in der Politik gebildet werden", erklärte Konstantin Kaiser, Referent bei "Planpolitik", einer Agentur für politische Bildung, die deutschlandweit Planspiele an Schulen organisiert.

Für die Zehntklässler der Gutenberg-Schule war das Szenario, einen Wahlkampf in dem fiktiven Land "Fontanien" zu gestalten, eine neue Erfahrung. "Wir haben den Schülern verschiedene Vorgaben gegeben, darunter auch sechs Parteien, bestehend unter anderem aus Sozialisten, Konservativen und Liberalen, in denen die Jugendlichen dann ein Wahlprogramm zusammenstellen und präsentieren mussten", erläuterte der Referent. In Zusammenarbeit mit dem Landesbüro Sachsen-Anhalt der Friedrich-Ebert-Stiftung wurde das Spiel in der Gutenberg-Schule von der Agentur "Planpolitik" organisiert.

"Die Schüler setzten sich innerhalb ihrer Parteien eigene Ziele", erklärte Konstantin Kaiser weiter. Die Hauptthemen in den Parteiprogrammen seien vor allem eine saubere Umwelt, mehr Bildung und eine starke Wirtschaft gewesen. "Man merkte schon, dass sich die Jugendlichen da rein gehängt haben. Erfahrungsgemäß sind es diejenigen, die dieses Spiel am meisten ernst nehmen, die ihren Mitschülern gegenüber dann am glaubwürdigsten auftreten und dadurch am ehesten gewählt werden", sagte der Referent.

Auf Stimmzetteln haben die Zehntklässler nach der Präsentation der Parteien ihre Favoriten vermerkt: Besonders die Partei SF, die Sozialisten Fontaniens, waren unter den Schülern beliebt. Sie bekamen 22 von 58 gültigen Stimmen, mehr als jede andere Partei. "Spitzenkandidatin" Emely Heger erklärte das Ergebnis: "Wir haben uns in einem Punkt von den anderen Wahlprogrammen unterschieden. Wir wollen uns in der Partei für die weltweite Gleichberechtigung einsetzen und arme Menschen unterstützen."

Für eine Regierungsbildung reichte die Anzahl der Stimmen jedoch nicht, wie Referent Konstantin Kaiser den Schülern verdeutlichte. "Sie mussten, wie in der richtigen Politik, Koalitionen bilden." Auf diese Art sollten die Zehntklässler auf spielerische Weise selbst erfahren, wie Politik funktioniert. "Und dann sehen sie sich im Fernsehen vielleicht einmal ein Interview mit einem Politiker an und können Parallelen zu dem Planspiel ziehen", sagte Kaiser.

Der neuen "Staatschefin" Emely Heger hat das Spiel gut gefallen: "Es war sehr gut geplant. Ich fand es sehr interessant, einmal selbst Politik zu machen. Vor allem, weil ich nicht viel Ahnung von Politik habe. Ich kann das Planspiel nur weiterempfehlen."

Auch Referent Konstantin Kaiser zeigte sich zufrieden. "Die Schüler haben gut mitgemacht und sich während der Entwicklungsphase der Parteiprogramme gut selbst organisiert."