Zum vierten Mal wurde in der Schule für Geistigbehinderte "Gerhard Schöne" Chanukka gefeiert. Die Kinder entzündeten zusammen mit dem Rabbiner Benjamin Soussan die erste Kerze des Leuchters.

Wolmirstedt l Der Besuch eines Rabbiners gehört für die Kinder der Gerhard-Schöne-Schule mittlerweile zum Jahresreigen, wie Ostern oder das Sommerfest. Sie alle feiern gemeinsam das Chanukkafest, das jüdische Lichterfest, dass auch "Hanukkah" geschrieben werden kann.

Dieses Fest gemeinsam zu feiern heißt, die Schöne-Schüler haben neben dem Rabbiner auch Vertreter der israelischen Botschaft, der Magdeburger jüdischen Gemeinde, der deutsch-israelischen Gesellschaft und den Chor des Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasiums zu Gast. Zeichen des Festes sind die Lichter des Chanukka-Leuchters, gemeinsames Pfannkuchenessen und die Musik. Zusammen mit dem Chor des Kurfürst-Gymnasiums haben die Schöne-Schüler das jüdische Lied "Hevenu shalom alechem" gesungen, das heißt: Wir wollen Frieden für alle.

Eigentlich wollten die Kinder der Schöne-Schule mit diesem Lied ihre Partnereinrichtung in Israel persönlich zum Chanukka-Fest grüßen, aber das hat gestern nicht funktioniert. Die Internetleitung kam nicht zustande, lediglich über das kleine Display des Smartphones konnten die Kinder ihren Freunden in "Beit Uri" winken.

"Beit Uri" ist eine Einrichtung im israelischen Afula, in der behinderte Menschen im Alter von sieben Jahren bis zum Rentenalter betreut werden. Mit dieser Einrichtung pflegt die Gerhard-Schöne-Schule seit 2006 enge Kontakte. Es hat schon mehrere gegenseitige Besuche gegeben, erst zum Jahresbeginn weilte eine Delegation von "Beit Uri" in Wolmirstedt.

Im kommenden Jahr werden von wieder acht Schöne-Schüler und drei Betreuer ihre Partnereinrichtung besuchen. Das wird eine besondere Reise, denn die deutsch-israelischen Beziehungen bestehen dann 50 Jahre. Aus diesem Anlass unterstützt das Goethe-Institut diese Reise mit rund 8000 Euro.

Den Kontakt zwischen "Beit Uri" und der Gerhard-Schöne-Schule hat Dr. Eckard Frey vermittelt. Der Althistoriker ist gleichzeitig Vorsitzender des Schulfördervereins der Schöne-Schule und spricht hebräisch. Die Schöne-Schüler und Lehrerinnen sprechen diese Sprache nicht. "Das macht gar nichts", sagt Dr. Frey, "wenn man zusammen tanzt, muss man nicht unbedingt die Sprache verstehen." Eckard Frey ist sich nicht ganz sicher, vermutet aber, dass die Partnerschaft zwischen der Wolmirstedter Schule und der Einrichtung in Afula die einzige zwischen Behinderteneinrichtungen in Deutschland und Israel sei. "Das ist einfach toll, weil sich nicht Politiker auf Konferenzen treffen, sondern Menschen, wie die Schüler der Schöne-Schule", sagt Gerhard Miesterfeld (SPD), Vizelandtagsvorsitzender und Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Magdeburg. Miesterfeld bewunderte beim Chanukkafest vor allem den langen Atem, mit dem diese Partnerschaft gepflegt wird.

Die Besuche in Israel dienen dem Austausch über Gesellschaft, Kultur und Religion der jeweils anderen Seite, fördern aber auch die Auseinandersetzung mit dem Holocaust, der Vernichtung der Juden und Behinderten. Das Thema wird bereits in Wolmirstedt vorbereitet, unter anderem zusammen mit der Arbeitsgruppe "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" des Gymnasiums.

 

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