Der Stadtrat hält weiter an einer Tunnelvariante mit Fahrstuhl für die Querung zwischen den Bahnsteigen 1 und 2 fest. Eine überirdische Querung wird nicht favorisiert. Verwaltung und Stadtrat wollen die Bahn zum Handeln auffordern.

Wolmirstedt l Die Bahn hatte versprochen, im dritten Quartal 2014 mit den Arbeiten zum barrierefreien Übergang zwischen den Bahnsteigen 1 und 2 zu beginnen. Nördlich vom jetzigen Fußgängertunnel soll ein neuer gebaut und mit Aufzügen versehen werden. Damit soll ein barrierefreier Übergang zwischen den Bahngleisen möglich werden. Bisher ist nichts passiert und die Bahn kann auch kein Datum für den Baubeginn nennen. "Die Bauausführung ist abhängig von der Plangenehmigung", heißt es aus der Pressestelle.

Diese Ungewissheit wurmt FDP-Stadträtin Gisela Gerling-Koehler gewaltig. Sie trägt seitdem die Idee, dass es eine überirdische Querung geben solle, die die Bahnsteige 2 und 3 miteinander verbindet.

Der Stadtrat mag sich mit dieser Variante nicht anfreunden. CDU-Stadtrat und Bahnmitarbeiter Jürgen Bednorz weiß, dass Gleis 3 regelmäßig befahren wird und deshalb eine gefahrlose überirdische Querung über die Schienen hinweg nicht möglich ist. Auch im Bau- und Wirtschaftsausschuss war diese Variante abgelehnt worden. "Wir sollten auf dem Bau der Aufzüge bestehen", sagt Thomas Spelsberg (Linke). An die Verwaltung richtete der Bauausschuss die Bitte, die Bahn noch einmal ausdrücklich zu mahnen. Das forderten auch Gisela Gerling-Koehler und SPD-Stadträtin und Bundestagsabgeordnete Waltraud Wolff.

Waltraud Wolff hatte bereits 2012 in ihrer Funktion als Bundestagsabgeordnete einen Schriftverkehr mit dem Konzernbeauftragten der Bahn für Sachsen-Anhalt begonnen und sich auf dessen Zusage für den Baubeginn 2014 verlassen. Über die verschobenen Arbeiten ärgert sie sich maßlos. "Als Bundestagsabgeordnete stehe ich schließlich für die Bürger im Wort", sagt sie. Zumindest hätte sie von der Bahn eine Information über die Verzögerung der Bauarbeiten erwartet. Vor Wochen hat die SPD-Abgeordnete nun ein neues Schreiben aufgesetzt, aber bis heute keine Antwort erhalten.

Auch bei der Erarbeitung des Stadtentwicklungskonzeptes wurde der Bahnhof als große Schwachstelle der Stadt beschrieben. In der Haushaltsbefragung wurde der Bahnhof als unangenehmster und veränderungswürdigster Ort der Stadt bewertet. Als Handlungsempfehlung wurde den Verantwortlichen in Wolmirstedt mit auf den Weg gegeben, sich für die Umsetzung der geplanten Sanierung des Bahnhofs bis 2018 einzusetzen.

Bürgermeister Martin Stichnoth (CDU) versicherte, die Stadt werde noch ein weiteres Schreiben an die Bahn schicken. In diesen Schriftverkehr sollen auch die Fraktionsvorsitzenden des Stadtrates eingebunden werden. Gibt es auf dieses Schreiben keine befriedigende Antwort, will Gisela Gerling-Koehler Bürgeraktionen starten, beispielsweise eine Unterschriftenaktion.

"An solchen Bürgeraktionen wird sich das Bodelschwingh-Haus beteiligen", sagt CDU-Stadtrat Swen Pazina, der einer der beiden Vorstände des Bodelschwingh-Hauses ist. Das sei nötig, "weil für unsere Bewohner die unbefriedigende Situation Alltag ist", sagt Swen Pazina, "Rollstuhlfahrer erleben es regelmäßig live, dass sie auf dem Rückweg von Magdeburg nicht in Wolmirstedt aussteigen können." Sie fahren nach Zielitz weiter, steigen dort um und fahren zurück nach Wolmirstedt, weil sie sonst nicht aus dem Bahngebäude heraus kommen.