Die Seniorenarbeit auf Webers Hof steht vor dem Aus. Zwischen Stadt und Kulturverein wurde noch kein neuer Vertrag geschlossen, nachdem der alte von der Stadt zum 31.Dezember gekündigt worden war.

Wolmirstedt l Der Kulturverein "Webers Hof" beendet zum 1. Januar 2015 die Seniorenarbeit. Das hat der Vereinsvorstand in seiner außerordentlichen Sitzung am Freitagabend beschlossen. Damit reagieren die Weberaner auf die Vertragskündigung durch die Stadt im September zum Jahresende. Ein neuer Vertrag ist innerhalb der letzten drei Monate nicht zustande gekommen.

Als im September überraschend die Vertragskündigung bei Webers Hof einging, war das ein Schlag für die Vereinsmitglieder. Für Bürgermeister Martin Stichnoth (CDU) war es hingegen die Grundlage für neue Vertragsverhandlungen. Dass die geführt werden müssen, war den Weberanern klar, schließlich haben sie die vereinbarte Jugendarbeit nicht mehr geleistet und können somit auch die dafür bereitgestellten 4700 Euro nicht mehr in Anspruch nehmen. Dieses Geld soll künftig dem DRK für seinen Jugendclub am Sportplatz zur Verfügung gestellt werden.

Obwohl dieses Geld kein Zankapfel ist, kam bis heute kein neuer Vertrag zustande. Webers Hof möchte mehr Geld für die Seniorenarbeit bekommen als bisher. Der Zulauf ist so groß, dass die Raumgröße verdoppelt werden musste. Eine Wand zwischen zwei Räumen wurde entfernt. Finanziert wurde das durch Sponsoren. Dennoch fallen nun deutlich mehr Miet-, Neben- und Betreuungskosten an, als im Zeitraum des Vertragsabschlusses 2008. Webers Hof fordert von der Stadt statt der bisherigen 1300 Euro künftig 4500 Euro für die Senioren. Doch bisher konnte darüber keine Einigung erzielt werden. Mehrere Vertragsentwürfe gingen zwischen Rathaus und Webers Hof hin und her.

Die Stadt bietet 4000 Euro jährlich für Senioren- und Kulturarbeit sowie Kinderprojekte zusammen. Bisher gab es 8100 Euro pro Jahr. Abzüglich der nicht mehr zu zahlenden 4700 Euro für Jugendarbeit ergäben die 4000 Euro immer noch mehr Geld als vorher für die Weberaner, nämlich ein Plus von 600 Euro. Der letzte Vertragsentwurf hierzu wurde am vergangenen Freitag vom Bürgermeister an den Verein geschickt. Der ist nicht unterzeichnet worden.

Vereinsvorsitzender Klaus Mewes sieht die Sache anders. Er sagt, die Seniorenarbeit obliege nicht den Inhalten des Kulturvereins, sondern wird von Webers Hof im Auftrag der Stadt erbracht und solle nicht mit den Mittel für Kultur vermischt werden. Auch das Geld für die Kinderprojekte solle extra fließen, nämlich in Höhe von 1900 Euro. Alles in allem fordert der Verein von der Stadt statt der bisher gezahlen 8100 Euro für Seniorenarbeit, Kinderprojekte und Kultur nun insgesamt 8900 Euro, also 800 Euro mehr als im alten Vertrag vereinbart, obwohl die Jugendarbeit herausgefallen ist. Die Stadt befindet sich in der Haushaltskonsolidierung und freiwillige Aufgaben stehen ohnehin auf dem Prüfstand.

Das Ende der Seniorenarbeit ist der akuteste, aber nicht der einzige Schlusspunkt, den der Vorstand am Freitagabend gesetzt hat. Auch die Kirchenkonzerte sowie die Kinderprojekte wurden abgesagt sowie zwei Mini-Jobbern gekündigt. "Der Fortbestand des Vereins ist nach 15 Jahren erfolgreicher Arbeit akut gefährdet", teilt Vereinsvorsitzender Klaus Mewes mit.

In der ersten Jahreshälfte 2015 soll im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung beraten werden, ob die Zahlungsfähigkeit weiter gewährleistet werden kann oder ob Insolvenz angemeldet werden muss. Was im Falle einer Vereinsauflösung mit dem denkmalgeschützten Vierseitenhof geschehen könnte, ist unklar. Er ist Eigentum des Vereins und wird aus Vereinsmitteln betrieben.

Bürgermeister Martin Stichnoth ist erst im kommenden Jahr wieder im Dienst, sagte aber auf Volksstimme-Nachfrage, dass er die Anwort der Weberaner auf seinen Vertragsentwurf erwarte.

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