Helmut Engelmann aus Dahlenwarsleben ist seit fünf Jahren im Harz gut unterwegs - das zu Fuß und rekordverdächtig. So wurde er in diesem Jahr bereits zum 20. Mal Wanderkaiser, die seit 2007 durch den Verein "Gesund älter werden im Harz" gekrönt werden.

Dahlenwarsleben l Wer nicht weniger als 222 Stempelstellen im ganzen Harz erwandert, erhält den Titel "Harzer Wanderkaiser". Wie selbst Kenner bestätigen, eine enorme Leistung, da der Harz sich über die drei Bundesländer Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Thüringen erstreckt.

Für Helmut Engelmann, 71 Jahre, aus Dahlenwarsleben, ist dieses Unterfangen seit fünf Jahren eine echte Herausforderung. Denn der Mann aus den Niederungen der Börde geht das Unternehmen (ungewollt) rekordverdächtig an. Wie der Dahlenwarsleber deshalb betont, sind nicht Bestmarken sein Motiv, eher zählt er drei gute Gründe auf: "Erstens: Wandern hält fit und gesund. Zweitens: Man lernt viele interessante Menschen kennen. Und drittens: Wandern bildet."

Angefangen hat alles, wie der Dahlenwarsleber sich noch gut erinnert, im Jahr 2009 nach einer überstandenen Bandscheibenoperation. Da nämlich überzeugte ihn seine Schwester Erna Dietrich, 76, sich doch endlich mehr zu bewegen. Das nahm er wörtlich, schloss sich auf ihr Anraten dem Verein "Gesund älter werden im Harz", Abteilung Harzer Wandernadel mit Sitz in Blankenburg, an. Von seiner Schwester wusste er auch, dass die Nadel, die hier verliehen wird, eine sichtbare Anerkennung für das Wandern ist.

Vor allem das Projekt Harzer Wandernadel, dessen Saisoneröffnung in diesem Jahr bereits zum neunten Mal startete, stachelte den heute 71-Jährigen an. "Denn dadurch hatte und habe ich die Möglichkeit, viele Orte zu entdecken, die ich vorher nicht kannte und womöglich nie in meinem Leben aufgesucht hätte. Dafür bin ich sehr dankbar", sagt Engelmann. Und so bricht er mindestens einmal in der Woche auf, um rund um den Brocken auf Schusters Rappen unterwegs zu sein.

"Der Harz liegt etwas mehr als eine Autostunde entfernt und ist für mich noch immer das schönste Wandergebiet Deutschlands", so der Dahlenwarsleber. Und nicht nur ihm geht es so. In den vergangenen Jahren hat Engelmann schon Dutzende aus seinem Umfeld mit seiner Wanderleidenschaft angesteckt. Er selbst zählt heute zu den begeistertsten Stempeljägern und wurde erst jüngst zum 20. Mal als "Wanderkaiser" ausgezeichnet.

Zur Erinnerung, Helmut Engelmann hat einmal mehr alle 222 im Heft der Harzer Wandernadel ausgewiesenen Stempelstellen angewandert und vor Ort sein "Fahrtenbuch" abstempeln lassen. Im Schnitt kommen dabei zwischen 750 und 850 Kilometer zusammen.

In Anerkennung seiner außergewöhnlichen Leistungen wurde Engelmann eine weitere Ehre zuteil. Die Projektleiterin Christina Grompe und der Vorsitzende des Trägervereins "Gesund älter werden im Harz", Klaus Dumeier, ernannten ihn in diesem Jahr zum Ehrenbotschafter der Harzer Wandernadel.

Sie würdigten damit nicht nur sein Engagement als begeisterter Stempelsammler, sondern gleichzeitig als Wanderführer und Ideengeber.

Sein erstes Achtungszeichen aber setzte er bereits am 9. Juni 2009, da ging er als 500. Wander-Kaiser in die Annalen des Blankenburger Vereins ein. Ein weiteres Highlight, weil auch einzigartig, war im Mai 2011 die Ehrung zum Turbo-Wander-Kaiser.

Binnen 26 Tagen, darunter 21 reine Wandertage, lief er alle 222 Stempelstellen an, wobei er 750 Kilometer zurücklegte. Das hat bis heute keiner der Wander-Kaiser auch nur annähernd geschafft.

Genauso einzigartig ist der Erfolg, der fast auf den Tag zwei Jahre zurückliegt. Am 12. 12. 2012 lief er um 12.12 Uhr die Stempelstelle 12 in Achtermannshöhe bei Braunlage an, die zugleich die 222. Anlaufstelle zum seinerzeit 12. Wander-Kaiser war. Damit nicht genug: 12 Frauen und Männer, unter ihnen auch Brocken-Benno, standen Pate, begleiteten ihn auf dem letzten Teilstück.

Wie der passionierte Wanderer sich noch heute erinnert, dauerten die Vorbereitungen für die 12. Krönungsfeier gut 12 Wochen. Das Jahr darauf setzte er erneut eine Bestmarke. In nur 13 Tagen legte er 703 Wanderkilometer zurück, darf sich nun "Marathon-Wanderkaiser" nennen.

Im kommenden Jahr wandert der agile Senior auf Abwegen, will sich einen ganz persönlichen Traum erfüllen. "Ich werde den DMM-Weg, steht für Dichter, Musiker und Maler, in voller Länge vom Blauen Wunder in Dresden bis Schmilka abschreiten."