Bei Brigitte und Franz Köhler aus Niederndodeleben ist der 24. Dezember nicht allein mit dem Heiligabend und dem Geschenkesegen unter dem Weihnachtsbaum verbunden. Sie feiern dann auch ihren Hochzeitstag, in diesem Jahr war es bereits der 50.

Niederndodeleben l "Ich empfand von Anfang an Sympathie für meine Brigitte, ich habe sie gesehen und sofort gesagt: `Das ist sie!`", erzählt der 76-jährige Franz Köhler auch heute noch voller Überzeugung. Und dennoch stand der Beginn der Liebe zu seiner Brigitte (heute 72) unter keinem guten Stern. Zum ersten Mal trafen sie sich im thüringischen Greiz, wo der spätere Bauingenieur, der aus Wettin bei Halle stammte, studierte. Sie wohnte vis-a-vis der Fachschule. Doch die Schule sollte verlegt werden und so zog Franz Köhler weiter und beide verloren sich für ein Jahr aus den Augen. "Wir waren nur einmal aus", erinnert sich Brigitte Köhler.

Doch Brigitte ging Franz nicht aus dem Kopf und so meldete er sich per Brief später wieder. Die Entfernung zwischen ihnen machte die Sache allerdings nicht einfach, denn mittlerweile war er des Berufes wegen in Pasewalk ansässig. In sechs Wochen sahen sich beide dreimal. Und dann ließ er sich versetzen, um ihr näher zu sein.

Nach der Verlobung zu Ostern folgte zu Weihnachten die Hochzeit. Doch eigentlich stand der rationelle Gedanke bei der Wahl des Hochzeitsdatums im Vordergrund. "Wir wollten eine Wohnung haben und so sollte noch 1964 für die Eheschließung auf den Unterlagen stehen", so Brigitte Köhler, die sich ebenso an die Worte der alten Leute damals erinnert. Die sagten immer, dass man an Weihnachten nicht heiraten sollte, das ginge nicht gut.

Doch die Köhlers haben das Gegenteil bewiesen und seit dem Polterabend am 23. Dezember 1964 allen Schwierigkeiten getrotzt. So ließen sie sich auch am Polterabend nicht einmal davon einschüchtern, dass er nach der Arbeit wegen des Schnees nicht pünktlich sein konnte, und beim Standesamt betont wurde, dass wegen des besonderen Hochzeitstermins extra geheizt werden musste. "Aber wir standen schon damals in der Zeitung, weil wir die Einzigen waren, die an Heiligabend geheiratet haben", berichtet die Goldbraut am Ehrentag. Leider ließ sich der Zeitungsartikel von damals zum Hochzeitsjubiläum nicht wiederfinden.

Nach der Hochzeit war die Ehe der Finanzbuchhalterin und des Bauingenieurs von mehreren Umzügen geprägt. Wenn er der Arbeit hinterherreiste, folgte sie ihm. Von Greiz ging es nach Wettin, dann nach Halle und Berlin, bevor sie für 40 Jahre in Magdeburg sesshaft wurden. Durch seine Tätigkeit als Bauingenieur entdeckte Franz Köhler vor knapp 20 Jahren am Rande von Niederndodeleben ein schönes Fleckchen Erde, um für sich und seine Brigitte einen Alterswohnsitz zu bauen. "Das ist nun unsere Endstation", sind sich beide sicher.

Hier sind auch die beiden Söhne Jens (47) und Andreas (40) regelmäßig zu Besuch und auch deren Familien sind stets willkommen. Eine Enkelin bereitet Brigitte und Franz Köhler viel Freude.

Aber auch wenn die Familie nicht zusammen ist, kommt keine Langeweile auf. Zusammen genießt das Ehepaar heute das Rentnerleben. "Ins Dorfleben haben wir uns integriert", sind die Beiden überzeugt und schwärmen von der sportlichen Betätigung in der Gruppe beim Nordic Walking beziehungsweise bei der Gymnastik. "Dabei haben wir auch das Dorf kennengelernt", so Brigitte Köhler.

Auch wenn Franz Köhler schmunzelnd sagt, dass seine Frau damals nur einen Weihnachtsmann gesucht habe, so würde er ihr doch am liebsten jeden Tag ein "Diplom für vorbildliche Ehe, Versorgung und Kindererziehung" ausschreiben. Sie ist sich unterdessen ganz sicher, dass sie sich in all den Jahren an seiner Seite immer wohlgefühlt hat. "Er ist ein besonnener Typ und war immer für die Familie da", erklärt sie. Sicher gab es auch in dieser wie in jeder Ehe manchmal dunkle Wolken, aber die verschiedenen Meinungen haben beide immer ausgestanden. Und so freut sich das Ehepaar Köhler heute schon auf das Frühjahr, wenn die goldene Hochzeit mit der Familie und Freunden nachgefeiert wird.