Wolmirstedt l "Ich habe die Druckwelle an den Beinen gespürt, der Bahnsteig wurde in dichten, weißen Rauch gehüllt und dann habe ich die Tür fliegen sehen." Manuel, ein 30-Jähriger Zeuge, hat am Bahnsteig 1 gestanden und die Detonation im Getränke- und Süßwarenautomaten verfolgt. Und er hat zwei schwarz gekleidete Leute gesehen, die Richtung Seegrabenstraße geflüchtet sind. Auch Markus Schwarz war erschrocken. Er wohnt im Bahnhofsgebäude und sagt, die Lautstärke war anders, als der Krach der Silvesterknaller, die auch am Neujahrstag noch immer gezündet wurden. Markus Schwarz sagt, es klang, als hätte ein Panzer geschossen. Er ruft die Polizei.

"Es klang, als hätte ein Panzer geschossen."
- Markus Schwarz, Mieter im Bahnhofsgebäude

"Wir sind um 17.45 Uhr informiert worden", bestätigt Polizeihauptmeister Martin Kutscha. Er ist mit seinen Kollegen vor Ort. Auch die Kollegen des Entschärfungsdienstes vom Landeskriminalamtes (LKA)treffen ein. Sie sollen klären, welcher Sprengstoff die Detonation ausgelöst hat und ob sich noch weitere zündfähige Sprengvorrichtungen im Automaten befinden.

Bevor sie mit der Arbeit beginnen, müssen sie sich eine dreiviertel Stunde lang gedulden. Der Automat steht unter Strom. Zuständig ist die Avacon und deren Mitarbeiter ist in Stendal ansässig. Er muss fast 50 Kilometer bis Wolmirstedt fahren. Als er ankommt, empfiehlt er, einen ortsansässiger Elektriker die Leitung kappen zu lassen. Den Entschärfern des LKA gibt er grünes Licht. Sie dürfen vorsichtig mit der Spurensuche beginnen.

Die Kriminalisten leuchten in den Automaten hinein. Ihre Blicke scannen jeden Winkel des Durcheinanders ab, sie schauen hinter die Boxen mit den Colaflaschen, Erdnüssen und Schokoriegeln. Weiteren Sprengstoff entdecken sie nicht.

Die Polizisten dürfen sich nähern. Sie ziehen die abgesprengte Tür an die Seite. Der Mitarbeiter des Landeskriminalamtes "bewaffnet" sich mit Taschenlampe und Pinzette und kniet sich zwischen das Chaos aus Bonbons, Papierfetzen, Knusperflocken, Glasscherben und Münzen. Ein Polizist vermutet, dass in einer herumliegenden Kassette Geldscheine gewesen sein könnten.

Doch das ist nicht der Fall.Getränke und Süßwaren des Automaten gab es nur gegen Hartgeld. Das stellt Wolfgang Geile auf Volksstimme-Nachfrage klar. Der geschäftsführender Gesellschafter der Geile Warenautomaten GmbH mit Sitz in Westerkappeln bei Osnabrück erklärt, dass der Wert der einzelnen Waren für die Bezahlung mit Scheinen zu gering sei. Den Wert des Automaten beziffert er auf rund 5000 Euro. "Es ist erschreckend, dass aus reinem Vandalismus Eigentum zerstört wird", ärgert sich Geile. Ob der Automat ersetzt wird, weiß er noch nicht. "Im Zweifelsfall räumen wir den Standort."

Während ein Polizist die Münzen in Plastiktüten sammelt, hat es der Mitarbeiter des Entschärfungsdienstes besonders auf die Papierfetzen abgesehen. Er sucht den Boden Zentimeter für Zentimeter ab, fasst mit der Pinzette jeden Schnipsel und lässt ihn in eine Plastiktüte gleiten. Als die Tüte eine Daumenbreite gefüllt ist, ergibt sich ein klares Bild. Die Detonation wurde durch "nichtzugelassene Pyrotechnik" verursacht, im Volksmund "Polenböller" genannt.

Der Elektriker trifft ein. Eik Pilat klemmt das Zuleitungskabel ab, damit ist der Automat spannungsfrei. "Wir mussten die Spannungsfreiheit einerseits herstellen, damit niemand einen Schlag bekommt", erklärt Eik Pilat, "andererseits hätte es einen Kurzschluss geben können und bestimmte Teile des Bahnhofes wären stromlos gewesen." Doch es geht alles gut. Polizisten und Feuerwehrleute fassen jetzt die noch befestigten Automatenteile.

Sie räumen auf. Teile des Automaten werden auf einen Hänger geladen, die Münzen in Plastiktüten sortiert, Süßwaren und Getränke in große Müllsäcke gesteckt. Eine S-Bahn fährt ein. Die Reisenden schauen durch die Fenster hinaus auf den Ort der Zerstörung.

Hinweise zur Tat nimmt die Kripo unter der Telefonnummer 03904/4780 entgegen.

   

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