Groß Ammensleben feiert vom 26. bis 28. Juni die erste urkundliche Erwähnung vor 1050 Jahren. Verwirrung in der Niederen Börde, da doch die 1000-Jahr-Feier erst 1966 stattfand. Ortsbürgermeister Rüdiger Pfeiffer aber sorgte im Gespräch mit Karl-Heinz Klappoth für Aufklärung.

Volksstimme: Viele Groß Ammensleber erinnern sich noch an die 1000-Jahr-Feier im Jahr 1966. Im Juni nun sollen bereits die 1050 Jahre Ortsjubiläum gefeiert werden. Ist das nicht ein Jahr zu früh?

Rüdiger Pfeiffer: Nein, obwohl tatsächlich die 1000-Jahr-Feier 1966 begangen wurde. Denn die Ersterwähnung des Ortes als "nordammuneslevu" ist mit einer Urkunde des in Magdeburg residierenden Kaisers Otto I. aus dem Jahr 965 datiert. Der Kaiser nahm den Ort aus dem Besitz des Bistums Halberstadt und ordnete ihn dem von ihm gegründeten Moritzkloster in Magdeburg zu. Ziel war seinerzeit offensichtlich zum einen die Sicherung der Nahrungsversorgung seiner Kaiserpfalz aus der fruchtbaren Börde und zum anderen die Stärkung des in Gründung befindlichen Erzbistums Magdeburg - der Bau des ersten ottonischen Magdeburger Doms hatte gerade begonnen. Seither sind Magdeburg und Groß Ammensleben historisch eng miteinander verbunden. Da aber 1965 unmittelbar vor den Festlichkeiten die Maul-und Klauenseuche ausbrach, stand die gesamte Region unter Quarantäne und die Feierlichkeiten wurden um ein Jahr verschoben.

Wie gestalten sich die Vorbereitungen für die 1050-Jahr-Feier?

Mit Jahresbeginn haben wir im Organisationskomitee, das sich bereits im Frühjahr 2014 konstituierte, wieder die Arbeit aufgenommen. Zudem hat nicht nur die Gemeinde ihre Unterstützung zugesagt, ein schönes Dorffest mitzugestalten. Und Ideen gibt es auch schon. Der Historiker Dr. Wilfried Lübeck hatte vorgeschlagen, in einem Theaterstück die Geschichte des Ortes in Bildern erlebbar werden zu lassen. Das Drehbuch hat er geschrieben. Nunmehr ist Monika Bednarz mit der Groß Ammensleber Theatergruppe gefordert, dem Schrifttext Theaterleben einzuhauchen.

Gib es auch eine Festschrift?

In erster Linie soll es ein Volksfest werden. Aber natürlich ist auch eine Publikation vorgesehen. Die ersten Beiträge liegen vor. Pfarrer Peter Zülicke erzählt die Geschichte des Klosters Groß Ammensleben zur Zeit der Reformation, Jürgen Kanstorf bringt alles Wissenswertes zu Straßen- und Flurnamen und Erhard Jahn zur Architektur und baulichen Anlage der Gehöfte zu Papier. In der Publikation möchten wir auch alteingesessene Groß Ammensleber zu Wort kommen lassen, die über ihre Geschichte berichten. Dabei gehen Eva Isensee und Monika Tiedge den Bürgern zur Hand. Außerdem wird ein Acht-Millimeter-Filmstreifen aus DDR-Zeiten zum Fest gezeigt.

Ist der genaue Programm- ablauf zum Jubiläum bereits festgeschrieben?

Noch nicht. Fest steht aber, dass an drei Tagen - vom 26. bis 28. Juni - auf der Domäne gefeiert wird. Angedacht ist auch, dass das Fest am Freitagabend mit einer Festveranstaltung eröffnet wird. Die Ansprache wird Dr. Lübeck halten. Tags darauf beginnt das Fest mit einem Frühschoppen, der in ein Volksfest übergehen soll. Dabei bauen wir auf die Aktivitäten der Vereine. Natürlich kommt das geschichtsträchtige Theaterspiel zur Aufführung. Wie zudem Bürgermeisterin Erika Tholotowsky wissen ließ, soll die Wahl der neuen Heidekönigin auf unserem Fest stattfinden.

Der Sonntag wird in Zusammenarbeit mit der Katholischen und Evangelischen Gemeinde sowie dem Förderverein Historische Klosterkirche gestaltet. Außerdem gibt es einen Sternenmarsch der Schalmeienkapellen, zu dem der Groß Ammensleben Klangkörper eingeladen hat. Vielleicht gelingt es uns, ein bereits lang gehegtes Projekt zu verwirklichen, nämlich dass der Kirchturm des historischen Wahrzeichens von Groß Ammensleben weithin leuchtend im Scheinwerferlicht erstrahlt.