Die Samsweger Straße ist im Bereich zwischen Rathaus und Augenarzt als Einbahnstraße ausgeweisen. Viele Fahrradfahrer kümmern sich nicht um diese Regelung. Was viele Bürger ärgert, ist für Kevin Brentrop eine echte Gefahr. Der junge Mann ist fast blind.

Wolmirstedt l Kevin Brentrop wohnt in der Samsweger Straße, im Haus der einstigen Katharinenapotheke. Steigt der 28-Jährige die Stufen von der Haustür zum Gehweg herab, nimmt er den Blindenstock zur Hilfe. Das ist für ihn kein Problem. Schwierig wird es erst, wenn ein Fahrradfahrer auf dem Gehweg vorbeifährt. Noch schwieriger wird es, wenn dieser Fahrradfahrer in der falschen Richtung rollt. "Ich kann Radfahrer hören", sagt Kevin Brentrop, "aber ich achte vor allem auf diejenigen, die von links kommen."

Dabei dürfte selbst das eigentlich kaum passieren. Wer älter als zehn Jahre alt ist, muss ohnehin auf der Straße fahren. In dieser Straße wird jedoch nicht nur gegen diese Regelung verstoßen. Noch schlimmer ist, dass manche Radfahrer den Fußweg auch in der verbotenen Richtung benutzen. Wer Richtung Kreisverkehr an Kevin Brentrops Wohnhaus vorbeifährt, verhält sich nicht nur verkehrswidrig, weil er eine Einbahnstraße auf dem Fußweg in der falschen Richtung befährt, sondern bringt echte Gefahr.

Kevin Brentrop sieht dabei nicht nur sich selbst als gefährdet an, sondern auch die Radfahrer. "Ich fürchte immer, dass ich mit meinem Blindenstock in die Speichen gerate und einen Fahrradfahrer zu Fall bringe", sagt er. Auch für die Autos, die aus den Einfahrten kommen, seien die auf Fußwegen fahrenden Radfahrer ein Problem.

Das Problem ist in der Stadtverwaltung bekannt. "Die Beschilderung ist eindeutig", sagt Dirk Illgas, Fachdienstleiter Ordnung und Sicherheit, "man kann nur an die Menschen appellieren, sich daran zu halten." Es sei keine Option, die Straße für den Gegenverkehr zu öffnen. "Dann müssten wir die Parktaschen wegnehmen." Solange Autos am Straßenrand stehen, sind Radfahrer nicht gut zu sehen.

Kevin Brentrop regt an, ein zusätzliches Schild nach der Kurve, quasi neben dem AWG-Gebäude, aufzustellen. Davon hält Dirk Illgas nichts. "Es liegt an der Bequemlichkeit der Bürger und zusätzliche Schilder werden keine Abhilfe schaffen."

Helfen könnten Kontrollen der Regionalbereichsbeamten. "Wir sind in der Samsweger Straße genauso präsent, wie an anderen Orten der Stadt", sagt Jens Kaulfuß. Er und sein Kollege Matthias Schuft treffen regelmäßig auf Radfahrer, die die Straße falsch herum befahren. Bisher haben es die Regionalbereichsbeamten dabei belassen, die Radfahrer anzuhalten und zu verwarnen. Sie könnten auch eine Gebühr erheben. "Aber wir wollen nicht in erster Linie bestrafen, sondern sensibilisieren", sagt Jens Kaulfuß.

Kevin Brentrop setzt ebenfalls auf Rücksichtnahme. Der Physiotherapeut hat im vergangenen Jahr zweieinhalb Monate lang in Ecuador gearbeitet. "Dort sind die Straßen viel schlechter als bei uns", sagt er, "aber dort haben Autofahrer angehalten und mir über die Straße geholfen."