Bis der Wolmirstedter Bahnhof barrierefrei ist, werden vorraussichtlich noch drei Jahre ins Land gehen. Der Einbau von Aufzügen soll erst 2018 erfolgen.

Wolmirstedt l Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Sachsen-Anhalt, hatte am Montag im Magdeburger Bahnhofsgebäude zur Bürgersprechstunde eingeladen. FDP-Stadträtin Gisela Gerling-Koehler nutzte diese Gelegenheit, um ihre Idee der ebenerdigen Querung vorzutragen. Demnach soll das dritte Gleis so hergerichtet werden, dass es von Bahnsteig Zwei aus zu Fuß überquert werden kann.

Alexander Kaczmarek sah diese Variante nicht als Option, den Bahnhof barrierefrei zu gestalten. "Auch wenn wir schnelle Lösungen schätzen würden." Dafür konnte er auf Volksstimme-Nachfrage einen neuen Termin für den Einbau von Aufzügen nennen. "Das Planfeststellungsverfahren beginnt 2017, die Bauarbeiten 2018. Noch im selben Jahr soll die neue Unterführung fertig sein." Diese soll 20 Meter nördlich der jetzigen entstehen.

Das war eigentlich schon für 2014 geplant. Der Konzernbevollmächtigte erklärte, warum es nicht zum Einbau gekommen sein könnte. "Sobald ein Baustein der Planungen herausfällt, funktioniert das gesamte Gefüge nicht mehr", sagte er. Sperrzeiten der Bahnstrecke müssen neu angemeldet und bekannt gegeben werden und das muss mindestens ein Jahr vor der Sperrung der Strecken geschehen. Nur dann können sich alle Betreiber rechtzeitig auf Verzögerungen oder Umwege im Bahnbetrieb einstellen. Unter Betreibern versteht die Bahn all jene Unternehmen, deren Züge das Schienennetz der Bahn nutzen.

Mit der Aussicht, noch drei Jahre bis zum Einbau der Aufzüge zu warten, beharrte Gisela Gerling-Koehler noch nachdrücklicher auf der ebenerdigen Querung des dritten Gleises, zumindest als "Plan B".

Alexander Kaczmarek machte jedoch wenig Hoffnung. "Eine ebenerdige Querung ist aus Sicherheitsgründen nicht mehr zulässig. In Wolmirstedt spielt das dritte Gleis außerdem eine wichtige Rolle für den Güterverkehr, ist deshalb stark frequentiert und soll in Zukunft noch häufiger befahren werden." Für den Fußgängerverkehr könne es deshalb überhaupt nicht hergerichtet werden. Dennoch wolle Kaczmarek auf Wunsch der FDP-Stadträtin Experten diese Möglichkeit prüfen lassen.

Die Variante der ebenerdigen Querung treibt Gisela Gerling-Koehler um, seit der Einbau der Aufzüge verschoben wurde. Im Stadtrat traf sie mit ihrer Idee auf Widerstand. Die Abgeordneten stimmten mehrheitlich dafür, an der Aufzugvariante festzuhalten.

Die Barrierefreiheit des Bahnhofes spielt in Wolmirstedt besonders deshalb eine Rolle, weil es mit dem Bodelschwingh-Haus eine große Behinderteneinrichtung in der Stadt gibt. Viele Bewohner leben ein relativ eigenständiges Leben, zu dem auch Bahnfahren gehört. Für Rollstuhlfahrer ist der Tunnel zwischen den Bahnsteigen 1 und 2 jedoch eine unüberwindbare Hürde. Deshalb fahren sie aus Magdeburg kommend bis Zielitz, steigen dort um, kehren nach Wolmirstedt zurück und erst dann können sie den Bahnhof von Bahnsteig 1 aus ebenerdig verlassen.

Diesen Sachverhalt hatte SPD-Bundestagsabgeordnete und Stadträtin Waltraud Wolff dem Konzernbevollmächtigten der Bahn bereits im Jahr 2009 schriftlich mitgeteilt. Darauf folgte die Zusage, dass 2014 mit dem Einbau von Aufzügen begonnen werden könne. Als dies nicht geschah, schrieb Waltraud Wolff im Dezember des vergangenen Jahres erneut an die Bahn. Unter anderem formulierte sie: "Mit diesem Zustand kann ich will ich mich als Bürgerin, langjährige Stadträtin und zuständige Bundestagsabgeordnete der Stadt Wolmirstedt nicht zufrieden geben." Sie lud Alexander Kaczmarek nach Wolmirstedt ein.

Auch die Stadt Wolmirstedt hat am Montag ein Schreiben an die Bahn verschickt und forderte darin eine Information über den aktuellen Sachstand. Waltraud Wolffs Schriftverkehr wurde an das Schreiben angehängt.