Vor der Schiedsstelle in Wolmirstedt landen vor allem Nachbarschaftsstreitigkeiten. Drei Schiedspersonen versuchen, diese Unstimmigkeiten zu schlichten. Nicht immer ist das möglich.

Wolmirstedt l Nachbarn geraten sich mitunter in die Haare. In Wolmirstedt vor allem wegen unterschiedlicher Auffassungen über Lärm, über Grundstücksgrenzen hinaus wachsende Pflanzen, Heckenhöhen oder herabfallendes Laub. Doch sei der Ärger auch noch so groß, niemand darf schnurstracks gegen den vermeintlich bösen Mitmenschen vor Gericht ziehen. Zuerst muss eine Einigung in der Schiedsstelle versucht werden. Damit die gelingt, stehen die Schiedspersonen Ingolf Meller, Gabriele Briest und René Barth bereit.

Die drei sind seit März in diesem Ehrenamt aktiv und verhandeln im Torhaus monatlich mindestens einen Fall. Hinzu kommen viele sogenannte Tür- und Angelgespräche. Das sind Probleme, die im persönlichen Gespräch oder am Telefon mit einer Partei bereits gelöst werden können.

"Wir richten nicht, wir schlichten", betont Ingolf Meller. Die Schiedspersonen bewegen sich zwar auf dem Boden von Recht und Gesetz, stellen aber keine Paragrafen in den Vordergrund. "Wir setzen auf die Vernunft." Manches lasse sich ohnehin schwer mit Paragrafen regeln. Ingolf Meller nennt als Beispiel einen Hund, der länger bellt, als gesetzlich erlaubt ist. "Dem Hund kann man das Bellen nicht verbieten, aber dem Halter empfehlen, einmal öfter mit dem Tier spazieren zu gehen."

Das nötige Rüstzeug für die Schlichtungen bekommen die Schiedspersonen bei Schulungen. Sie haben bereits viel über Mediation gelernt, die Vermittlung in einem Konflikt. Im März drücken sie wieder die Schulbank. Außerdem arbeiten sie eng mit dem Amtsgerichtsdirektor Haimo Petersen zusammen. Um die materielle Ausstattung der Schiedsstelle kümmert sich die Stadt. Alle Grundlagen sind wichtig, denn wenn Streithähne aufeinandertreffen, müssen die Schlichter Ruhe behalten und die notwendige Distanz wahren.

"Bei einer Schlichtung haben beide Parteien das Recht, ihre Position darzulegen", erklärt Gabriele Briest. "Oft stellt sich heraus, dass es gar nicht um den eigentlichen Streitpunkt geht", ergänzt Ingolf Meller, "sondern um eine lange Geschichte davor." Die gelte es zu erkennen und dann mit den beiden Parteien einen Konsens zu finden.

Auch wenn das Ende gut werden kann, so erscheint der Gang vor die Schiedsstelle vorerst nur für den Antragsteller als der richtige Weg. Antragsgegner seien oft empört, wenn sie eingeladen werden, weiß Ingolf Meller, "sie fühlen sich auf den Schlips getreten." Manche Parteien kommen sogar mit einem Anwalt. "Damit haben wir allerdings sehr gute Erfahrungen gemacht. Anwälte versuchen oft, ihre Mandanten zu einer außergerichtlichen Einigung zu bewegen."

Nicht immer gelingt das, den Dreien in 50 Prozent aller Fälle. Dafür geben die Schlichter viel ihrer Zeit, bei Bedarf auch am Sonnabend. "Oft schauen wir uns auch vor Ort an, worüber gestritten wird", so Meller, "aber nur, wenn beide Parteien dabei sind." Sonst keimt schnell der Verdacht der Befangenheit.

Dennoch sei der Weg zum Einvernehmen nicht immer leicht. Es gibt zähe Verhandlungen, die bis zu dreieinhalb Stunden dauern. "An unsere Grenzen geraten wir dann, wenn wir kurz vor der Einigung stehen, eine Partei von vorne beginnt und wir uns im Kreis drehen."

Die Arbeit in der Schiedsstelle bereitet allen Dreien Freude. "Ich wünsche mir trotzdem, dass es weniger Streit zwischen Nachbarn gibt", sagt Gabriele Briest.