Wo werden noch Heimatlieder gesungen? Das fragte die Volksstimme vor ein paar Wochen. Dazu meldete sich Helga Hans aus Hermsdorf. Denn dort werden noch Heimatlieder gesungen!

Von Helga Hans

Hermsdorf l Aus Freude am Singen gründete sich im Dezember 2008 der Singkreis Hermsdorf. Seitdem gehören das Volksliedersingen im Frühjahr und das Adventssingen in der Kulturkirche Hermsdorf zu unseren festen Programmpunkten.

Vor einigen Jahren erhielten wir von Frau Ilse Lichtenberg, einer Einwohnerin von Hermsdorf, einen Zeitungsausschnitt mit dem "Bördelied" - "Tief im Herzen eingegraben". Leider können wir Frau Lichtenberg nicht mehr näher dazu befragen, aus welcher Zeit das Lied stammt, denn sie verstarb Ende Dezember 2014 im Alter von 88 Jahren.

Sie war ein Hermsdorfer Urgestein, von allen sehr geachtet. Selbstverfasste Gedichte für ihren Heimatort und für die Börde, das war für sie immer ein besonderes Anliegen.

Die Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft "Plattspreeker" der Hermsdorfer Grundschule bereitete ihr stets besondere Freude.

Immer wenn wir zu besonderen Anlässen das "Bördelied" singen, gehen unsere Gedanken zu Frau Lichtenberg, die für uns dafür gesorgt hat, dass dieses Lied als Heimatlied für die Börde nicht verloren geht.

Als wir das Lied erhielten, kam uns der Gedanke, ein Lied speziell für Hermsdorf entstehen zu lassen. Ein Lied, das Typisches, schon Vorhandenes und Neuentstandenes unseres Ortes enthalten sollte. Ein Lied, das textlich ständig erweitert werden kann, je nachdem, was in Hermsdorf Neues entsteht. Den Text haben wir also selbst geschaffen, die Melodie stammt von dem bekannten Lied über Magdeburg.

Während sich im Magdeburger Lied der Dom über Neues wundert, ist es bei uns der "Große Stein", das älteste Wahrzeichen von Hermsdorf.

Das Hermsdorf-Lied hat z.Z. sieben Strophen (Kulturkirche, Neubaugebiete, Elbe-Park, Vereine, Mehrgenerationenhaus).

Wir hoffen, dass sich in unserem Ort noch viele Dinge zum Positiven verändern und so noch manche neue Strophe entstehen kann.

Vielleicht wird dieses Lied nach langen Jahrzehnten dann auch zu den alten Heimatliedern gehören.

Alt: "Das Bördelied"

1. Tief im Herzen eingegraben hab ich dich, mein Bördeland. Gesegnet mit viel Gottesgaben lieb ich dich mit Herz und Hand.

Refrain: Bördeland, Heimatland, zwischen Harz und Elbestrand, bin ich auch mal fern von dir, im Herzen bist du stets bei mir.

2. Auf den Feldern Korn und Rüben, Zeugen von der Bauern Fleiß. Menschen, die das Handwerk lieben, schaffen Gutes nur mit Schweiß.

3. Stille Dörfer, kleine Städtchen grüßen aus dem Bördeland. Fesche Burschen, schöne Mädchen, überall sind sie bekannt.

4. Und die Menschen in der Börde sind ein ganz besond`rer Schlag. Freundlich mit Moral und Ehre, fleißig schaffend jeden Tag.

Neu: "Lied über Hermsdorf"

1. Ich kenne einen Ort im Bördeland mit liebenswerten Menschen, wohl bekannt. Unser Dorf mit "H" beginnt, denn wir sind, wir sind ein Hermsdorfer Kind.

Refrain: Ist denn die Börde immer noch die selbe? Fragt sich der Stein und wundert sich. So viel Verkehr, Häuser und noch mehr, so was hab ich früher nicht gesehen.

2. Der hohe Kirchturm grüßt ins weite Land. Kirche und Kultur gehen Hand in Hand. Wir sind vergnügt bei Regen und bei Wind, denn wir sind, wir sind ein Hermsdorfer Kind.

3. Die gute alte Mühle gibt`s nicht mehr, doch viele, viele Leute zogen her in neue Häuser, groß und klein, ach wie ist, wie ist, wie ist das doch so fein!

4. Der große Elbepark lädt ein zum Kauf, da geht so mancher uns`rer Euros drauf für Essen, Kleidung und noch mehr. Manchmal ist der Geld-, der Geldbeutel fast leer.

5. Vereine haben wir sehr viele hier, da findet jeder etwas, glaube mir. Und Langeweile gibt es nicht, denn sie sind, sie sind doch richtig gut gemischt.

6. Wir haben jetzt ein Haus für groß und klein, da gehen jung und alt nun aus und ein. Gemeinschaft heißt das Zauberwort, und das Haus, das ist dafür der richtige Ort.

7. Das Leben hier in unserem schönen Ort ist lebenswert und niemand will hier fort. Wir sind für Neues stets bereit und wir haben dafür immer Zeit.