Das Hobby von Jürgen Fritsche sind alte Radios. Jetzt hat der Gemeindearbeiter aus Colbitz ein Gerät aus den Anfängen der Rundfunktechnik bekommen und mit viel Fingerspitzengefühl wieder zum Spielen gebracht.

Colbitz l Seit seiner Jugend widmet sich Jürgen Fritsche der Elektronik. Besonders alte Radios haben es dem gelernten Feinmechaniker angetan. Mittlerweile hat der Radiobastler mehr als 200 Geräte wieder liebevoll restauriert und zum Spielen gebracht.

"Ich finde es einfach schade, wenn diese Technik im Müll landet", sagt der 61-jährige Colbitzer, der jedes alte Radiogerät gern annimmt. Eines dieser Geräte stellte ihn aber jetzt vor einige Herausforderungen.

Röhre vorsichtig ausgebaut und in Watte gepackt

"Die Lautsprecher waren schon ausgebaut und das Gehäuse mit Farbe bekleckert, so dass man kaum erkennen konnte, um was für ein Radio es sich handelt", schildert der Hobbybastler seine ersten Eindrücke. Nach dem Entfernen der Rückwand kam Fritsche aber erst einmal ins Staunen. "So eine Röhre ist mir in den vergangenen 40 Jahren noch nicht begegnet", berichtet er über das Herzstück des Empfängers vom Typ "Gildemeister" der Radio AG DS Loewe aus Berlin, "ich habe das Prachtstück erst einmal ganz vorsichtig ausgebaut und in Watte gepackt."

Bei dieser Arbeit hatte er größten Respekt. "Der kleinste Fehler wird sofort bestraft", war sich Jürgen Fritsche bewusst, der vor allem darüber staunte, dass das Vakuum in der Röhre auch nach 80 Jahren noch gehalten hat.

Dann benötigte der Colbitzer einige Wochen Pause, bis er sich wieder dem Gerät widmen konnte. Zwischenzeitlich nahm er mit dem bekannten Radiobastler Lothar Strümpel aus Bornstedt Kontakt auf. "Der besorgte mir einen Schaltplan für dieses Radio."

Gespräche gab es auch mit dem Colbitzer Hartmut Lehmann, der in einem Buch über Radiogeschichte nachschlug und viele wertvolle Informationen liefern konnte.

Dadurch erfuhr Jürgen Fritsche, worum es sich bei der von ihm ausgebauten Röhre vom Typ WG34 handelt. "Das ist eine Weiterentwicklung der 1924 von Siegmund Loewe und Manfred von Ardenne entwickelten und patentierten 3NF, die man heute als den ersten integrierten Schaltkreis der Welt bezeichnet", haben Jürgen Fritsche und Hartmut Lehmann herausgefunden.

So mit Hintergrundwissen ausgestattet, machte er sich wieder an die Arbeit. Da musste beispielsweise der ziemlich ramponierte Kondensatorblock fein säuberlich mit dem Lötkolben auseinandergenommen und wieder hergestellt werden, waren einige Widerstände zu wechseln, musste das Gerät gereinigt werden.

"Ganz interessant war ein kleiner Glaskolben, ein so genannter Urox, der für eine gleichbleibende Heizspannung an der Röhre sorgt", berichtet der Radiobastler, "da habe ich schon eine ganze Weile rechnen und experimentieren müssen." Gestaunt hat Fritsche auch über die Stahldrähte an der Skala zum Einstellen der Sender: "Kein bisschen verrostet."

Mittlerweile spielt der "Gildemeister" wieder. Nach zweiminütiger Aufwärmzeit können auf Mittelwelle einige Sender empfangen werden. "Das ist jetzt das älteste und schönste Stück meiner Sammlung", freut sich der Colbitzer.