Wenn sich Nachbarn streiten, die Fronten verhärten und keine Einigung in Sicht ist, sind Schiedspersonen wie Editha Rottscholl und Maria-Juliana Gerke gefragt. Sie bringen Zankhähne aus der Niederen Börde an einen Tisch und versuchen zu schlichten.

GroßAmmensleben l "Schlichten statt richten" - unter dieser Prämisse arbeiten Editha Rottscholl und Maria-Juliana Gerke ehrenamtlich als Schiedsfrauen in der Niederen Börde. Sie sind gefragt, wenn Nachbarn es beispielsweise nicht schaffen, ihren Streit über die Höhe des Gartenzaunes oder überhängende Zweige beizulegen. "Bevor sie vors Gericht treten, müssen sie in der Schiedsstelle vorstellig werden", erklärt Maria-Juliana Gerke.

"Beim zweiten Fall haben wir nicht gedacht, dass wir es schaffen."

Editha Rottscholl, Schiedsfrau in der Niederen Börde

Zusammen mit den zankenden Parteien setzen sich die Schiedsfrauen dann im Informationszentrum auf der Domäne in Groß Ammensleben an einen Tisch und versuchen, eine außergerichtliche Einigung zu erzielen. Zur Hilfe nehmen sie unter anderem eine Broschüre des Justizministeriums, in der beispielsweise erklärt ist, in welchem Abstand Bäume zum Nachbargrundstück gepflanzt werden müssen oder wann der Nachbar die Nutzung seines Grundstückes dulden muss.

Seit 2013 sind Editha Rottscholl und Maria-Juliana Gerke im Amt. Seitdem haben sie in zwei Streitfällen verhandelt. "Beim zweiten haben wir nicht gedacht, dass wir es schaffen zu schlichten", erinnert sich Editha Rottscholl. Und auch im ersten Fall seien die Fronten verhärtet gewesen. Die Schiedsfrauen haben es trotzdem geschafft. "Wir weisen die Parteien darauf hin, dass der Weg über das Gericht viel teurer ist und appellieren an die Vernunft", erklärt Maria-Juliana Gerke im Gespräch mit der Volksstimme. Vor ihrem ersten Fall wurden sie von einem Richter geschult.

Wer in der Niederen Börde einen Antrag auf Schlichtung bei der Schiedsstelle stellt, muss 75 Euro für die Auslagen der Schiedsfrauen zahlen, beispielsweise für Porto, Papier und Benzin.

"Wenn sie sich nicht einigen, bekommen sie eine Erfolgslosigkeitsbescheinigung."

Maria-Juliana Gerke, Schiedsfrau in der Niederen Börde

"Was am Ende übrig bleibt, bekommt derjenige dann zurück", informiert Editha Rottscholl.

Möglichst binnen drei Monaten, nachdem der Antrag gestellt wurde, solle der Schlichtungsversuch unternommen werden, informiert das Ministerium für Justiz und Gleichstellung Sachsen-Anhalt. "Wenn sie sich nicht einigen, bekommen sie von uns eine Erfolgslosigkeitsbescheinigung", erläutert Maria-Juliana Gerke.

Erst wenn diese vorliegt, ist der Weg frei zu einer gerichtlichen Klage. Das gilt für nachbarrechtliche Streitigkeiten ebenso wie für Ehrenschutzklagen wegen Beleidigungen oder Verleumdungen, die keinen presserechtlichen Bezug haben.

Neben Editha Rottscholl und Maria-Juliana Gerke ist Anke Reinecke-Kiecker die dritte Schiedsfrau, die der Gemeinderat für die Dauer von fünf Jahren gewählt hat. Wer einen Antrag auf Schlichtung stellen möchte, kann sich zunächst telefonisch bei den Frauen melden. Editha Rottscholl ist unter der Telefonnummer 039202/59104 oder per E-Mail an Dieter-Rottscholl@t-online.de zu erreichen. Kontakt zu Maria-Juliana Gerke gibt es unter Telefon 039202/84024, Anke Reinecke-Kiecker hat folgende Handynummer: 0172/3866437.