Die Landschaft der Strommasten um Mose wird sich in den kommenden Wochen komplett verändern. Während südlich eine neue Trasse entsteht, wird die nördliche komplett weichen. Außerdem geht im März das neue Umspannwerk vollständig in Betrieb.

Wolmirstedt l Joachim Löbe ist der Mann für den Strom. Der Projektleiter der Firma 50Hertz Transmission GmbH weiß alles über Leitungen, Leistungen und Kapazitäten. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt derweil im Bereich des Umspannwerkes Wolmirstedt. Dessen Neubau steht kurz vor der Vollendung. Im März soll es fertig sein und damit geht der zweite Bauabschnitt eines der leistungsstärksten Umspannwerke in Betrieb. "In das Umspannwerk und die dazugehörigen Leitungsanbindungen hat 50Hertz rund 60Millionen Euro investiert", sagt Löbe.

Das neue Umspannwerk wurde direkt neben dem alten gebaut, für Laien ist der neue Standort kaum zu erkennen. Die Fachleute bedenken jedoch, dass durch die Verschiebung des Werkes die Leitungen an anderer Stelle ankommen müssen, als bisher. Deshalb werden sie nun auf das neue Umspannwerk umgeschwenkt. Dafür werden elf neue Maste gebaut, denn die Streckenführung ändert sich, wenn auch nur wenig. (Siehe Grafik) Die neue Trasse entsteht südlich von Mose und ist beinahe fertiggestellt. Die alte Trasse, die nördlich von Mose verläuft, wird nach Inbetriebnahme der Neuen nicht mehr benötigt. Deren 16 Masten werden entseilt und entfernt. "Im Juni soll alles bereinigt sein", sagt Joachim Löbe.

Der Neubau des Umspannwerkes war erforderlich geworden, um die zusätzlich von Norden kommenden Leitungen einzubinden. Die haben eine Spannung von 380 Kilovolt und lösen nach und nach die alten 220-Kilovolt-Leitungen ab. "Durch den stetig wachsenden Anteil erneuerbarer Energien müssen wir die Übertragungskapazitäten erhöhen", sagt Löbe. Der sogenannte Ökostrom stammt vor allem aus den Wind- und Solarparks, die im Norden ansässig sind, und wird vor allem in die industriedichten Regionen des Südens, wie Frankfurt, Stuttgart oder München, geschickt.

Auf dieser Nord-Süd-Reise spielt der Knotenpunkt Wolmirstedt eine entscheidende Rolle. "Der Wind- und Solarstrom kommt aus untergelagerten Verteilnetzen mit 110Kilovolt in Wolmirstedt an und wird auf 380 Kilovolt hochgespannt", erklärt der Projektleiter, "dann wird er nach Süden abtransportiert."

Der Anteil an Ökostrom ist gewaltig. Schon jetzt gibt es fast soviel Strom aus erneuerbaren Energien, wie die gesamte DDR einst benötigte. "Damals standen rund 20000Megawatt zur Verfügung", macht Joachim Löbe die Dimension deutlich, "derzeit werden allein rund 15000 Megawatt durch Wind und Sonne erzeugt." Davon entfallen 11000 Megawatt auf Wind- und 5000 Megawatt auf Sonnenenergie. Das hätte fast für die gesamte DDR ausgereicht. Und der Bedarf wächst wegen Deutschlands Atomausstieg weiter.

Auch von Stendal West bis Wolmirstedt entsteht demnächst eine neue 380-Kilovolt-Leitung, die über 84 Masten gespannt wird. Die Trasse soll parallel zur jetzigen westlich von Farsleben verlaufen. Im Gegenzug wird die derzeit bestehende 220-Kilovolt-Leitung entfernt. Deren Masten eignen sich jedoch nicht für die neuen Leitungen. "Wegen der höheren Leistung brauchen wir stärkere Seile und für die höhere Spannung benötigen sie einen größeren Abstand zueinander und zum Boden als die alten", sagt Joachim Löbe, "deshalb werden größere und breitere Maste gebaut."

Für den Bau dieser Leitung beginnt demnächst die im Planfeststellungsverfahren vorgeschriebene Beteiligung der Öffentlichkeit. Die Pläne liegen vom 3. April bis zum 21.April, im Wolmirstedter Rathaus aus. Bis zum 5. Mai, können Bürger und alle Träger öffentlicher Belange, die vom Bau dieser Trasse berührt werden, ihre Einwendungen vorbringen.

 

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