Europaweit gilt der 11.Februar als der Tag des Notrufs 112. Feiern werden die Mitarbeiter der Wolmirstedter Rettungswache nicht. Aber sie erlauben einen Blick hinter die Kulissen.

Wolmirstedt l Rasende Geschwindigkeit, Blaulicht und Sirenengeheul sind das Markenzeichen von Notarzt und Rettungswagen. Sie kommen, wenn jemand den Notruf 112 gewählt hat. Der geht in der Rettungsleitstelle des Landkreises Börde ein. Von dort aus werden die Einsätze ausgelöst und koordiniert.

In Wolmirstedt stehen zwei Rettungswagen, ein Auto für den Notarzt, ein Krankentransportfahrzeug und insgesamt 22 Mitarbeiter des Arbeitersamariterbundes (ASB) und der Johanniter-Unfallhilfe zur Verfügung. Die Rettungswache in der Heinrich-Heine-Straße ist rund um die Uhr besetzt. Schlägt der Pieper Alarm, machen sich die Retter auf den Weg, um im Altkreis Wolmirstedt Notfallpatienten schnellstmöglich zu helfen. Bei Notfällen muss der Rettungswagen innerhalb von 12 Minuten vor Ort sein, der Notarzt hat 20 Minuten Zeit.

Marko Trenkler ist Leiter des ASB-Rettungsdienstes Magdeburg-Börde und Notfallsanitäter. "Wir sind meist zuerst vor Ort und überbrücken die Zeit, bis der Notarzt kommt", sagt er. Rettungsassistenten und Notfallsanitäter können lebensbedrohliche Zustände erkennen und abwenden, messen Blutdruck und Puls, schreiben und lesen EKG, halten Atemwege frei, entscheiden, ob der Patient in die Klinik gebracht wird und manchmal auch, dass ein Notarzt gar nicht vonnöten ist oder empfehlen, dass der Hausarzt aufgesucht werden muss.

Im vergangenen Jahr sind die Retter 5338 Mal ausgerückt. Nicht immer schalteten sie dabei das Blaulicht an, denn es gibt auch Fahrten, die keine rasende Schnelligkeit erfordern. Dazu zählen die 1383 Krankentransportfahrten, bei denen ein Patient ins Krankenhaus oder zurück gebracht wird. Der Großteil mit fast 4000 Einsätzen ging jedoch als Notruf ein. Tendenz steigend.

"Manchmal hat sich jemand beim Kartoffelschälen in den Finger geschnitten", erzählt Michael Heu, Leiter der Rettungswache. Häufig treffen die Retter jedoch auf Menschen, die einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben, denen der Blutzuckerspiegel Probleme macht. Die Retter werden gerufen, wenn sich jemand Knochen gebrochen oder im Haushalt einen Unfall erlitten hat. An heißen Sommertagen erleben sie immer wieder Menschen mit Kreislaufproblemen, weil Flüssigkeit fehlt.

Marko Trenkler und Michael Heu haben auch schon Kinder kennengelernt, die es gar nicht abwarten konnten, auf die Welt zu gelangen. "Hausgeburten sind schöne Erlebnisse", sind sie sich einig.

Aber beide kennen auch die andere Seite. Sie werden zu Menschen gerufen, die dabei sind, von dieser Welt zu gehen oder gegangen sind. "Sind Kinder betroffen, ist es das Furchtbarste", sagt Michael Heu. Da sei die professionelle Distanz kaum aufrecht zu halten.

Trotzdem, beide lieben ihren Beruf, können sich keinen anderen vorstellen. "Wenn ich zum Dienst erscheine, weiß ich nie, was ich nach Feierabend erlebt haben werde", sagt Marko Trenkler. Beide haben sich nicht von Anfang an bewusst für die Arbeit als Retter entschieden. "Bis vor einem Jahr wurde man nur auf dem zweiten Bildungsweg Rettungsassistent", erzählt Marko Trenkler. Erst seit Januar 2014 gibt es die reguläre Ausbildung zum Notfallsanitäter. Alle anderen Rettungsassistenten haben vorher einen anderen Beruf erlernt.

"Wir sind über den Zivildienst in diesen Beruf gekommen", sagt Michael Heu. Das hehre Ziel, Menschen zu helfen, habe nicht den Ausschlag gegeben. "Blaulichtfahren, schnell sein, cool sein, das war es", erinnert er sich. Im Laufe der Zeit haben sie gelernt, Menschenleben zu retten, und als sie es nach ihrer Ausbildung konnten, haben sie immer weiter gemacht. Ein sogenanntes Helfersyndrom haben sie trotzdem nicht ausgebildet und halten es auch für hinderlich. "Die sogenannten Rettungsrambos verabschieden sich in der Regel recht schnell wieder von uns", hat Marko Trenkler beobachtet.

Zum Team gehören nur drei Frauen. "Es ist eine körperlich schwere Arbeit", erklärt Michael Heu, "oft müssen Menschen die Treppe hinuntergetragen werden."

Wie eine Krankengeschichte ausgeht, erfahren die Retter nur selten. "Manchmal würde ich mir ein Feedback wünschen", sagt Michael Heu, "auch, um das eigene Handeln zu hinterfragen. Aber das ist wohl aus organisatorischen Gründen schwer möglich."

Gerade kehrt ein Rettungswagen in die Wache zurück.