Eine der beiden Kirchenglocken der Meseberger Laurentius-Kirche wurde vor 500 Jahren gegossen. Das Jubiläum soll im September mit einem Fest begangen werden. Bis dahin aber muss das "Geburtstagskind" zwingend restauriert werden und das kostet.

Meseberg l In der Ortschaft Meseberg weiß man seit 1515, was die Kirchenglocke geschlagen hat. Dieses besondere Jubiläum soll im September mit einem Kirchenfest würdig begangen werden. Sandra Brückner, Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, hat dieses Fest "angeschoben", ist der guten Hoffnung, dass bis dahin alle im Dorf mit zupacken.

Dass aber dieses Jubiläum, schließlich zählt diese Kirchenglocke zu den ältesten in Mitteldeutschland, gefeiert werden kann, hat die evangelische Kirchengemeinde und der Ort auch ein gutes Stück der Tochter der Vorsitzenden, Anna-Lena, zu verdanken. "Denn egal, wen man in Meseberg fragte", so erzählt Sandra Brückner, "keiner wusste das genaue Alter der Glocken unserer Laurentius-Kirche."

Und so wirklich hat das auch keinen interessiert. Das aber änderte sich schlagartig, als Anna-Lena vor vier Jahren über einer Hausarbeit saß und die Historie der Kirche und damit der ehrwürdigen Glocke erforschte. Beim Studium alter Dokumente kam zutage, dass eine der beiden Glocken bereits 1515 gegossen wurde, die seitdem die Menschen in Meseberg zum Gottesdienst ruft, für die Verstorbenen läutet und seit der Neuzeit auch das Wochenende verkündet. Wie Sandra Brückner aber betont, kam nicht sofort bei ihr der Gedanke hoch, dass man das Jubiläum besonders begehen sollte. Nach und nach verstärkte sich erst bei ihr der Gedanke, mehr zu machen. Als sie dann vor zwei Jahren den Vorsitz des Gemeindekirchenrates übernahm, machte sie ihren Vorschlag öffentlich und fand im Dorf großen Widerhall. Was sie aber zu diesem Zeitpunkt nicht ahnte, dass sie sich persönlich damit eine Herkules-Aufgabe aufgeladen hatte.

Als endgültig feststand, dass das "Glockenfest" gefeiert werden soll, gab es 2013 einen Vorort-Termin mit einem Ingenieurbüro. "Uns war nämlich klar, dass die Jahre nicht spurlos am Dachreiter und an der Glocke vorübergegangen sind. Das endgültige Ergebnis aber hat uns dann doch ziemlich niedergeschmettert."

Um auf der sicheren Seite zu sein, wurde mit Christoph Schulz, der Glockensachverständige der Kirchenprovinz Sachsen, zu Rate gezogen. Sein fachliches Urteil: "Die Glocke, soll sie gerettet werden, muss zwingend restauriert werden. "Uns war relativ frühzeitig völlig klar, dass der Zahn der Zeit mächtig genagt hat", erinnert sich Sandra Brückner noch gut an das Gespräch mit dem Fachmann, "was uns aber erschreckt hat, waren die immensen Kosten, die damit auf die Kirchengemeinde zukommen würden." Noch heute geht der Gemeindekirchenvorsitzenden die Gesamtsumme von 30000 Euro nur schwer über die Lippen, "ich bin aber überzeugt, wir werden den Betrag aufbringen und die uralte Glocke wird bis September ausgebaut, abtransportiert, restauriert und während der Festveranstaltung wieder an seinem alten Platz einschweben."

Die große Zuversicht nimmt Sandra Brückner aus der Tatsache, dass bereits Fördermittel geflossen sind, die evangelische Kirchengemeinde in den vergangenen Monaten auch aktiv wurde. Besonders freut sich die Mesebergerin über den Zuspruch der Ostdeutschen Sparkassenstiftung in Sachsen-Anhalt, die einem Antrag auf Förderung zugestimmt hat. Im Juni 2014 kam der Bescheid, dass durch die Stiftung 8000 und durch die Kreissparkasse Börde noch einmal 2000 Euro fließen.

Aber auch die Kirche leistet ihren Anteil, zeigten sich Meseberger spendabel. Zudem kamen bei einem Vortrag, den der "Herr der Glocken" Christoph Schulz in der Kirche hielt, über 500 Euro zusammen.

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