Unter großem Besucherinteresse wurde die Ausstellung der Künstlerin Brigitte Ebell-Karl im Museum eröffnet. Die Bilder und Keramiken der Glindenbergerin werden noch bis zum 26. April gezeigt.

Wolmirstedt l Die Werke Brigitte Ebell-Karls brauchen Raum. Wer sie betrachten und erfassen möchte, muss ein paar Schritte zurücktreten, Abstand gewinnen, damit der Blick auf das Ganze möglich wird. Das war während der Vernissage ein schwieriges Unterfangen, denn der Raum des Museums war gefüllt mit Besuchern. Über 80 an Kunst interessierte Bürger waren gekommen, sehr zur Freude der Künstlerin.

"Ich habe hier in diesem schönen Raum schon zwei Ausstellungen gesehen, von denen ich sehr begeistert war", sagt Brigitte Ebell-Karl. Also habe sie sich mit ihren Werken ebenfalls beworben. Museumsleiterin Anette Pilz und Mitarbeiterin Susanne Oehme waren von den Arbeiten der Künstlerin angetan. "Wir müssen nicht ausschließlich die 1000-jährige Geschichte der Stadt zeigen, sondern auch mal ins Heute gehen", sagt Susanne Oehme, "wir können etwas Neues und Frisches wagen. Vielleicht bringt uns das weitere Stammbesucher."

In der Tat haben manche der Vernissage-Besucher zum ersten Mal das Museum betreten, zeigten sich erstaunt über die Vielfalt der Ausstellungen, die sich mit dem vergangenen Leben dieser Region befassen, der Natur, der Geologie oder dem Handwerk.

Die Region spiegelt sich auch in manchen Bildern Brigitte Ebell-Karls wieder. Sie entstehen in der Gouachemalerei, sie zeigen Landschaften, erzählen aber vor allem Geschichten von Menschen. Sie zeigen den Schmerz, Zerissenheit, Unnahbarkeit und die Befreiung aus der eigenen Enge.

"Euphorie und Resignation ist das Spannungsfeld aller Kreativität", sagte Brigitte Ebell-Karls Malfreundin Bettina Kieslich in der Laudatio, "und es ist wichtig, sich auszudrücken. Wohin gelangten sonst unsere Wünsche, Leidenschaften, unsere Wut, unser Neid, wenn wir nicht all unsere Emotionen in Schöpferkraft verwandeln?"

Brigitte Ebell-Karl thematisiert Gegensätze, auch die dunklen Gefühle, scheut sich nicht vor der Darstellung des Bösen. Der Teufel ist ihr ein gern genutztes Motiv. Seinen Kopf hat sie aus Keramik geformt, knallrot mit schwarzen Hörnern, auch in den Bildern taucht er hin und wieder auf. Viele ihrer Arbeiten zeigen auch dunkle Seiten. "Das Böse lauert überall", sagt die Künstlerin, "außerdem haben wir schon als Kinder gehört, uns werde der Teufel holen. Und bei all dem, was gerade jetzt auf der Welt passiert, kann ich nicht optimistisch malen", sagt Brigitte Ebell-Karl.

Im Museum werden 24 Bilder gezeigt. Die Werke dieser Auswahl sind seit 2007 entstanden. Dass Brigitte Ebell-Karl malt, wussten nur weniger der Gäste. Bisher hat sie sich vor allem mit ihren Keramiken einen Namen gemacht. "Das ist Raku-Keramik", erklärt sie, "jedes Stück ist ein Unikat." Die Raku-Brenntechnik stammt aus Japan, dabei werden die Stücke nach dem Brand in Stroh oder Laub eingebettet. Gerade hat sie sich einen eigenen Raku-Brennofen gekauft.

Brigitte Ebell-Karl wurde vor 69 Jahren im sächsischen Pirna geboren und ist in Stendal aufgewachsen. Schon früh besuchte sie Kunstzirkel und eignete sich dort das Handwerk an. Bis heute arbeitet sie in verschiedenen Zirkeln mit. Ihre Werkstatt im heimischen Glindenberg öffnet sie zu besonderen Anlässen.

Die Vernissage bot nicht nur den Augen Gutes, auch den musikalischen Beiträgen folgten die Besuchern mit besonderer Aufmerksamkeit. Das Gitarrenensemble der Kreismusikschule unter der Leitung von Beate Peßler begleitete mit beschwingten Melodien und erntete herzlichen Applaus und Komplimente.