Ein gutes Erntejahr liegt hinter den Landwirten der Börde. Doch kamen bei der Bilanz des Bauernverbandes Börde in Niederndodeleben auch einige Probleme zur Sprache, die ihnen das Leben schwer machen - und das teilweise schon seit Jahren.

Niederndodeleben l Von einer sehr guten Ernte sprach der Verbandsvorsitzende Urban Jülich, als er auf dem Verbandstag des Bauernverbandes Börde das Jahr 2014 bilanzierte. So haben die Landwirte aufgrund guter Vegetationsbedingungen eine mengenmäßig gute Mähdruschernte eingefahren. Lediglich zur Erntezeit hatten sie mit schwierigen Wetterbedingungen zu kämpfen. Ebenso brachten Zuckerrüben und Kartoffeln eine gute Ernte ein.

Da die Qualität der Böden allerdings im gesamten Verbandsgebiet sehr differenziert ist, waren auch die Erträge von Standort zu Standort unterschiedlich. Wie Jülich weiter hinwies, gehören 24 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche des Landkreises Börde zu den von der EU eingestuften benachteiligten Gebieten.

Der Bauernverband Börde mit seinen 262 Mitglieder und 81560 Hektar Mitgliedsfläche verwehrt sich dagegen, im Verbandsgebiet von einer "Vermaisung" zu sprechen. 9,8 Prozent der Ackerfläche wurden im vergangenen Jahr für den Maisanbau genutzt, regional kann der Flächenanteil aber auch höher sein. Für die Obst- und Gemüsebauern allerdings war das Jahr 2014 durch den russischen Importstopp getrübt.

Obwohl die Verbandsregion zu den viehärmsten Gebieten Deutschlands gehört, bleibt die Viehhaltung nach wie vor ein wichtiger Zweig für die Landwirtschaft. 36500 Rinder, 210000 Schweine und 8100 Schafe, die vorrangig zur Landschafts- und Deichpflege eingesetzt werden, werden in den Mitgliedsbetrieben gehalten.

Doch auch diese Betriebe haben mit ungünstigen Rahmenbedingungen zu kämpfen. So ist der Milchpreis im Laufe des vergangenen Jahres aufgrund von Angebotsüberhängen stark gesunken. Die Milchquote wird zum 31. März dieses Jahres auslaufen. Während die Schweinehalter schlechte Preisen in Kauf nehmen mussten, halfen stabile Märkte und geringere Futterkosten den Geflügelfleisch- und Eiererzeugern bei ihrer Produktion.

Märkte sind gut versorgt, Erzeugerpreise sinken

"Eine dreijährige Phase relativ stabiler Erlöse und Einkommen in der Landwirtschaft ist in allen Produktionsrichtungen 2014 zu Ende gegangen", unterstrich der Verbandsvorsitzende und nannte die niedrigen Erzeugerpreise infolge gut versorgter Märkte als Ursache. Jedoch würden auch das Russland-Embargo und hohe Betriebsmittelkosten eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Dennoch sei die Landwirtschaft eine Zukunftsbranche, da die Ernährung einer ständig steigenden Weltbevölkerung zu sichern sei.

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sagt, dass die Weltbevölkerung von 3,7 Milliarden Menschen im Jahr 1970 auf 7,2 Milliarden Menschen im Jahr 2030 anwachsen wird. Das bedeutet, dass die Ackerfläche pro Kopf stetig schrumpft - waren es 1970 noch 3800 Quadratmeter, so werden es 2050 weniger als die Hälfte, nämlich 1600 Quadratmeter sein. Zudem sind auch die nachhaltige Energieversorgung, der Klimawandel und der Umwelt- und Ressourcenschutz wichtige Themen für die Landwirtschaft.

Auch die Landwirte, die im Bauernverband Börde vereint sind, wollen sich der Herausforderung stellen, haben dabei aber immer mit schwierigen Rahmenbedingungen zu kämpfen, die nicht zuletzt von der Politik vorgegeben werden. Urban Jülich nannte in diesem Zusammenhang beispielsweise neue Gesetze zur Düngung und zum Pflanzenschutz, aber auch die erhöhte Bürokratie durch die Umsetzung der Regelungen zur Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP).

Nur neue Mitglieder können Flächenverlust ausgleichen

Schon seit Jahren kämpfen die Bauern in der Börde auch gegen den Flächenverlust, der ihnen durch Infrastruktur- sowie Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen zugefügt wird. "Dem Verlust können wir nur entgegenwirken, wenn wir mehr Mitglieder bekommen", fasste Brunhilde Jakobi in ihrem Revisionsbericht zusammen. Schon heute ist der Bauernverband Börde aber der größte und mitgliederstärkste Verband Sachsen-Anhalts.

Und einer, dem auch der Landwirtschaftsminister Hermann Onko Aeikens alljährlich gern seinen Besuch abstattet. Er bezog zu den Problemen der Landwirte Stellung, motivierte sie aber auch, "eine Landwirtschaft zu erhalten, die mit dem Dorf lebt". "Wer Tiere hält und mit Boden umgeht, macht was anderes als der, der Bremsscheiben und Schrauben produziert", warb er für mehr Akzeptanz bei der Bevölkerung. Nicht zuletzt ist diese auch wichtig für die Nachwuchsgewinnung.

Ebenso weiß Bernhard Krüsken als Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, dass das Thema Landwirtschaft die Gesellschaft bewegt. Er forderte die Landwirte auf, sich der Diskussion offen zu stellen. Zudem brauche die Landwirtschaft nach seiner Ansicht politische Rahmenbedingungen, die es ermöglichen, auch am Wettbewerb mit Landwirten aus anderen Ländern teilhaben zu können.

 

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