Der Recyclinghof Farsleben will den Jahresdurchsatz an Hausmüll vervierfachen. Dagegen wehren sich die Anwohner. Auch die Stadt hat zum wiederholten Mal ihr Einvernehmen versagt.

Wolmirstedt l Die Bürger von Mose wollen sich weiter gegen die Erweiterung der Ballierungsanlage auf den Recyclinghof Farsleben wehren. Eine erneute Unterschriftenaktion läuft und soll demnächst dem Landkreis übergeben werden. "Außerdem wollen wir uns an das Umweltministerium wenden", wurde im Moser Ortschaftsrat festgelegt. Weiterhin will der Ortschaftsrat den BUND einschalten, um eventuell Rechtsbeistand zu bekommen.

Irritation herrschte über den Inhalt eines Schreibens des Landkreises an die Stadt. "Der Landkreis will von Bürgerbeschwerden nichts gewusst haben", informiert Helga Steinig. Das rief große Verwunderung hervor, zumal die Bürgerinitiative dem Landrat bereits 2013 eine Unterschriftenliste gegen die Erweiterung der Ballierungsanlage übergeben hatte. Erste Proteste gegen den Recyclinghof sind sogar aus dem Jahr 1992 dokumentiert.

Der Recyclinghof Farsleben liegt unscheinbar auf dem Feld vor Neu-Mose. Die Anlage ist von einem Wall umgeben und schwer einsehbar. Jährlich dürfen hier neben 40000Tonnen verschiedener Abfälle auch 5000 Tonnen Hausmüll angefahren werden. Der Hausmüll wird geschreddert, gepresst und zu Ballen geformt. Diese Ballen werden mit Folie umwickelt und so lange gelagert, bis der Hausmüll im Müllheizkraftwerk Rothensee verbrannt werden kann.

In Zukunft sollen statt der 5000 Tonnen 20000 Tonnen Hausmüll pro Jahr den Recyclinghof passieren. Grund sei die gestiegene Nachfrage im Müllheizkraftwerk Rothensee. Bereits vor zwei Jahren, Anfang 2013, hatte es dazu in Mose Bürgerproteste gegeben. Die Stadt Wolmirstedt war als betroffene Gemeinde zu einer Stellungnahme aufgefordert worden und hatte das Einvernehmen versagt. Dann wurde es still.

Bürger befürchten Schimmelpilze und Ungeziefer

Nun wird das Verfahren wieder sichtbar. "Die Stadt hat das gemeindliche Einvernehmen erneut versagt", macht die stellvertretende Bürgermeisterin Marlies Cassuhn deutlich.

Die Gründe sind immer noch die selben, wie vor zwei Jahren. Unangenehme Gerüche, Staub und Ungeziefer seien den Bürgern nicht noch mehr zuzumuten. Moses Ortsbürgermeisterin Helga Steinig beschreibt die Zustände so: "Es riecht nicht nur im Sommer, wenn es warm ist, sondern das ganze Jahr über." Stets kreisen Möwenschwärme über dem Hof. "Sie finden in den aufgerissenen Ballen Nahrung", sagt Helga Steinig. Außer den Möwen wurden dort auch Ratten und Füchse gesichtet. Bürger sorgen sich weiterhin um zunehmende Belastungen durch Schimmelpilze und den weiteren Schwerlastverkehr.

Neu-Moser leben mit der Nähe zum Umspannwerk

Die Bürger von Neu-Mose müssen schon mit dem nahen Umspannwerk und den Schlagschatten der Windräder leben. Die zusätzliche Belastung durch den vierfachen Durchsatz an Hausmüll sei ihnen nicht zuzumuten, sagt die Ortsbürgermeisterin, zumal die Ballierungsanlage nach Messungen der Stadt nur 340 Meter von Neu-Mose entfernt liegt. Ob das zu nah ist, vermag derzeit niemand zu sagen.

Aus dem Umweltministerium heißt es auf Volksstimme-Nachfrage: "Eine generelle Regelung oder Verwaltungsvorschrift, die die Abstände zwischen Deponien und Wohnbebauung regelt, gibt es in Sachsen- Anhalt nicht." Ob schädliche Umwelteinwirkungen, sonstige Gefahren, erhebliche Belästigungen oder Nachteile für die Nachbarschaft hervorgerufen werden, werde im Einzelfall geprüft. Generell solle ein ausreichender Schutzabstand zu sensiblen Gebieten wie einer Wohnbebauung gehalten werden.

Die Einzelfallprüfung zum Schutzabstand obliegt dem Landkreis. Dafür werden unter anderem die Richtlinien des Bundesimmissionsschutzgesetzes hinzugezogen. "Die Stellungnahme der Stadt wird innerhalb des Verfahrens geprüft", sagt Dieter Torka, Leiter des Fachdienstes Natur und Umwelt. Weitere Auskünfte können bislang nicht erteilt werden, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt.