Der Wolmirstedter Jugendclub in der Burgstraße erlebt so etwas, wie einen neuen Frühling. Nachdem lange um Nachwuchs gerungen wurde, tummeln sich derzeit tagtäglich etwa 50 Jugendliche im alten Fachwerkhaus in der Burgstraße.

Wolmirstedt l Wieviele Räume das alte Fachwerkhaus in der Burgstraße birgt, lässt sich auf den ersten Blick nur schwerlich erfassen. Einer führt in den nächsten, doch egal, wieviele Türen geöffnet werden, überall sitzen Jugendliche und klönen, handarbeiten, werkeln, spielen Tischfußball, hören Musik und - ja - manche machen sogar ihre Hausaufgaben. Auf dem Hof haben sich zwei Mannschaften zum Volleyballspielen zusammengefunden, in der Grillecke stehen die Raucher.

"Jeden Tag kommen etwa 50 bis 60 Jugendliche", sagt Clubchefin Antje Prilloff, die alle nur Angie nennen. "Es gibt ein gutes Freizeitangebot", sagt Sarah Seibel (14), "und hier kann man gut chillen." Das ist ein anderes Wort für erholen, aber Sarah erzählt auch vom Montags-Krafttraining in der Halle der Freundschaft und vom Fußballtraining am Dienstag.

Dennis Guradt (15) und Burak Salbas (14) haben gerade nicht viel Zeit für den Sport, sie helfen beim Laminat legen. Wie das geht, hat ihnen Dennis Franke gezeigt. Der 28-Jährige besucht zwar nicht mehr den Jugendclub, aber weil er vor Jahren viel Zeit dort verbracht hatte, möchte er an die nächste Generation etwas weitergeben. Während Dennis Franke die Laminatbretter zuschneidet, legen Dennis Guradt und Burak Salbas damit den Jungsraum aus, den sie vor wenigen Tagen frühlingsgrün gestrichen haben. Die schwarze Farbe, die sie den Wänden vorher verpasst hatten, war ihnen auf die Nerven gegangen, in so viel Dunkelheit wollten sie nicht mehr sitzen.

Auch die Mädchen gestalten sich gerade einen der Räume neu. Der bekommt einen Teppich und Besucher müssen vor der Tür die Schuhe ausziehen.

"Ich wollte immer die Verantwortung teilen", sagt Antje Prilloff und freut sich, dass das gelingt. Neben ehemaligen Jugendclubbesuchern helfen auch zwei Schüler, die an der Leibniz-Schule die Klasse des produktiven Lernens besuchen. Diese Schulform eignet sich für Schüler, die sich die Theorie vor allem über ihre praktische Arbeit erschließen. Außerdem absolviert der Sozialassistent Kai Ritterbusch derzeit ein Praktikum im Club. "Es wäre schön, wenn er auch das Anerkennungsjahr zum Erzieher hier ableisten könnte", hofft Antje Prilloff auf die weitere Unterstützung des beinahe zwei-Meter-Mannes.

Auf die Hilfe von pädagogisch ausgebildeten Kräften ist sie dringend angewiesen, besonders jetzt, wo so viele Jungen und Mädchen den Club besuchen. "Ich bin auch für die Clubs in Elbeu und Mose zuständig", sagt Antje Prilloff, "außerdem für die aufsuchende Jugendarbeit." Sie stellt sich also auch den Jugendlichen als Ansprechpartnerin zur Verfügung, die sich beispielsweise an Bushaltestellen treffen. Dafür fährt sie durch das Stadtgebiet und müsste in dieser Zeit den Jugendclub schließen, wären nicht Menschen, wie Kai Ritterbusch oder Keven Kirchner vor Ort. Keven gehört zum Vorstand des Clubs und betreut nach seinem Feierabend die Jugendlichen.

"Es wäre auch schön, wenn wir einen kleinen Acht-Mann-Bus hätten", sagt Antje Prilloff, "wir könnten gemeinsam einkaufen fahren oder Möbel transportieren."

Ein paar kleinere Wünsche wurden bereits erfüllt. Drei Wolmirstedter Unternehmen haben Geld gespendet, die Stadt finanziert ebenfalls. "Wir würden uns freuen, wenn noch mehr an uns denken", sagt Antje Prilloff, "denn wir haben noch viel vor." Burak, Sarah und die anderen erzählen vom Graffiti- und Filmprojekt und von Gesprächskreisen über Subkulturen. Das größte Vorhaben ist jedoch für Oktober geplant. "Wir wollen nach Auschwitz fahren", sagt Antje Prilloff, "und ich würde gerne mindestens 50 Jugendliche mitnehmen."

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