Bürger fordern überall schnelles Internet, doch eine schnelle Lösung dafür gibt es nicht. Der Landkreis hat sich nun des Problems angenommen und will es gemeinsam mit den Kommunen lösen. Auch Wolmirstedt ist dabei.

Wolmirstedt l Internetnutzer, die in den Randgebieten Wolmirstedts ansässig sind, haben ein großes Problem. Die Datenübertragung läuft im Schneckentempo. Wie gut, besser gesagt, wie schlecht Haushalte und Betriebe außerhalb der Kernstadt versorgt sind, lässt sich auf nebenstehender Karte erkennen. Nun hat sich der Landkreis des Problems angenommen. Eine Übertragungsgeschwindigkeit von mindestens 50 Megabit pro Sekunde ist das hehre Ziel. Eine Machbarkeitsstudie ist erstellt. Aus der geht hervor, an welcher Stelle besonderer Handlungsbedarf besteht. Und der besteht fast überall.

Dennoch wird Wolmirstedt nicht alleine handeln. "Territoriale Lösungen wird es nicht geben", sagt Doris Bunk, Mitarbeiterin des Fachdienstes Immobilien und Planung im Rathaus. Schnelle Lösungen auch nicht.

Um flächendeckend mit schnellem Internet zu versorgen, müssen Glasfaserkabel verlegt werden. Aufgrund des optischen Verfahrens versprechen sie eine nahezu verlustfreie Datenübertragung auch großer Datenmengen. Glasfaserkabel sind vergleichbar mit einer Autobahn, auf der viele Autos schnell nebeneinander her fahren können. LTE, das als Internet durch die Luft bezeichnet werden kann, ist diesen Datenmengen nicht gewachsen und gilt daher nicht als Dauerlösung, wie Glasfaserkabel. Nur müssen die in die Erde gelegt werden.

Und da beginnt das Problem. In vielen Gebieten seien nicht einmal Leerrohre vorhanden. Gibt es welche, sollen sie genutzt werden. In allen anderen Gebieten bleibt nur, die Erde aufzureißen. Auf dem flachen Land mag das relativ komplikationslos ablaufen, aber in besiedelten Gebieten bedeutet das, dass in Straßen und gepflasterte Wege eingegriffen wird. Schon jetzt wird deshalb bei Straßenbauarbeiten oder Arbeiten an Wasser- oder Stromnetzen geprüft, ob Leerrohre für das künftige Glasfasernetz gleich mit in die Erde gelegt werden können.

In der Wolmirstedter Triftstraße, die gerade saniert wird, sind Leerrohre vorhanden, die für das Glasfasernetz genutzt werden könnten. In der Farsleber Straße in Mose sei die Verlegung von Leerrohren geplant, sagt Simone Heiß vom Fachdienst für Immobilien und Planung. Dort wird derzeit die Schmutz- und Regenwasserleitung neu verlegt.

In der Triftstraße gibt es bereits Leerrohre

Im besten Fall sollen die Glasfaserkabel bis in die Häuser geführt werden. Damit geht die Autobahn quasi bis in das Wohnzimmer. Das Verfahren nennt sich FTTH. Die Abkürzung steht für Fiber to the House, Glasfaser bis ins Haus.

Nicht ganz so komfortabel, aber immer noch rasend schnell, werden Daten übertragen, wenn das Glasfaserkabel am nächsten Verteilerkasten endet. Das Verfahren nennt sich FTTC, Fiber to the Curb, Glasfaser bis zum Bordstein und mit Bordstein ist der Verteilerkasten gemeint.

Im Verteilerkasten werden die optischen Daten der Glasfaserleitung in elektrische umgewandelt und über die vorhandenen Kupfertelefonkabel ins Haus transportiert. Das Kupferkabel sollte so kurz wie möglich sein, damit es wenig Verluste gibt, erklärt ein Mitarbeiter der Bundenetzagentur. Um beim Vergleich mit der Autobahn zu bleiben, wäre das Kupferkabel die Dorfstraße, auf der sich viele Fahrzeuge drängeln und nichts mehr richtig voran geht. Der Vollständigkeit halber sei noch das FTTB-Verfahren genannt, Fiber to the Building, Glasfaser bis ans Gebäude.

Glasfaser ist die Autobahn, Kupferkabel die Landstraße

Wo auch immer das Glasfaserkabel endet, es sollte so nah wie möglich an den Internetnutzer herangelegt werden. Damit stehen diejenigen, die sich der Aufgabe annehmen, vor einer riesigen Herausforderung. Für den Landkreis Börde wird mit Kosten in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrages gerechnet. Allerdings können etwa 80 Prozent der Wirtschaftlichkeitslücke gefördert werden. Die Förderperiode hat 2014 begonnen und läuft bis 2020.

Arbeitsgruppe will sich über eine Rechtsform einigen

Der Landkreis will beim Netzausbau federführend auftreten. In welcher Rechtsform sich Menschen speziell für die Versorgung mit schnellem Internet einsetzen, ist noch unklar. Es wird geprüft, ob die Organisation in einem Zweckverband sinnvoll ist, ähnlich des Wolmirstedter Wasser- und Abwasserzweckverbandes, der sich um die Ver- und Entsorgung des Wassers kümmert. Eine Arbeitsgruppe, in der Vertreter von Gemeinden, des Landkreises, auch der Stadt Wolmirstedt, von Versorgungsunternehmen, der Staatskanzlei und des Landwirtschaftsministeriums mitarbeiten, soll über die Rechtsform entscheiden. Bis zum 30. Juni dieses Jahres soll darüber beraten werden und eine Entscheidung fallen.