Ralf Bertram ist Imker in vierter Generation. Der Haldensleber kümmert sich aber nicht nur um seine eigenen Bienenvölker, er gibt sein Wissen weiter an Imker im ganzen Land und jetzt auch an Asylbewerber.

Haldensleben l An jedem Sonnabend steht Ralf Bertram vor 65 Imkern, die aus Magdeburg und Haldensleben und Umgebung und sogar aus Hamburg und Blankenburg kommen. Sieben Wochenenden dauert dieser Lehrgang, in dem der Imkermeister sein umfangreiches Wissen weitergibt. Heiko Mewes kommt mit seiner Tochter Hanna dazu aus Letzlingen, und die Neunjährige ist nicht die einzige noch nicht Erwachsene in der Gruppe. Mewes hält seit einigen Jahren Bienen, erzählt er, aber er will gern noch mehr wissen.

Und es geht auch um Fördermittel, die das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) Mitte ausreicht. Für Gerätschaften, Beuten und vieles mehr können Imker Zuschüsse erhalten. Für diese EU-Bienenförderung hat sich Ralf Bertram, der nicht nur Vorsitzender des Haldensleber Imkervereins "Paul Koch", sondern auch Vize-Vorsitzender des Landes-Imkerverbandes ist, sehr eingesetzt. Bertram ist im Landesverband Obmann für Jugend und Weiterbildung.

Mit seinem Haldensleber Verein hat er gezeigt, dass die Imkerei wieder Zukunft hat. Im August 1989 hatte der Verein noch 129 Mitglieder. Nach der Jahrtausendwende waren es noch 22. Damals hat Ber- tram den Vorsitz im Verein übernommen. Immerhin trägt der Verein den Namen seines Urgroßvaters. Paul Koch gehörte zu den Mitbegründern des 1861 entstandenen Bienenzüchtervereins Hundisburg.

Inzwischen zählt der Haldensleber Verein schon wieder 85 Mitglieder, freut sich Ralf Bertram. Im Imker-Landesverband Sachsen-Anhalt sind damit die Vereine in Magdeburg und Haldensleben die mitgliederstärksten. Während der Altersdurchschnitt in Sachsen-Anhalt bei den Imkern bei 62 Jahren liegt, kann "Paul Koch" auf einen Durchschnitt von 53 Jahren verweisen.

Ralf Bertram lädt nicht nur alljährlich zum Tag der offenen Tür in seine Imkerei in Hundisburg ein, er bietet auch seit Jahren Kurse an, die auch gern angenommen werden. Das zeigt Ergebnisse.

Gemeinsam mit Frank Zschäbitz bringt er jetzt auch Asylbewerbern die Imkerei näher. Vor allem aus Eritrea und Somalia kommen die Männer, die zweimal in der Woche bei den Imkern gewissermaßen in die Schule gehen. 18 Styroporkisten hat Ralf Bertram zur Verfügung gestellt. In die inzwischen fertig ausgerüsteten Beuten können jetzt Bienenvölker einziehen. Da es leider in den zurückliegenden Monaten auch in Bertrams Imkerei Verluste gab, kann er aber nicht alle aus seinem Bestand ausrüsten. Deshalb hat er die Imker im Landesverband um Hilfe gebeten. Und er ist zuversichtlich, dass bald Bienen einziehen können. Jetzt müssen noch Gestelle gebaut werden, auf denen die Beuten dann Platz finden.

Die Asylbewerber haben die Styroporkisten grün gestrichen. Sie haben Rähmchen gebaut, gedrahtet und Mittelwände für die Beuten gelötet. "Sie haben so fleißig gearbeitet, dass ich manchmal gar nicht so schnell neues Material heranholen konnte", sagt Ralf Bertram. Beim gemeinsamen Arbeiten wird natürlich auch deutsch gelernt. Bertram hatte im Heim seine Hilfe angeboten und freut sich, dass es so gut läuft, dass das Interesse nicht nachlässt, sondern eher größer wird.

Weil er sich nun mit den Lebensbedingungen der Asylbewerber ein bisschen auskennt, kam Ralf Bertram, der in Haldensleben auch CDU-Stadtrat ist, auf eine weitere Idee. Er bittet um nicht mehr gebrauchte Fahrräder für die Flüchtlinge, die damit beweglicher wären. In der katholischen Gemeinde und Kindertagesstätte in Althaldensleben hat er damit begonnen. Auch Imkerkollegen bittet er um Unterstützung. Wenn kleine Reparaturen an den Rädern nötig sind, dann sei das kein Problem, sagt Bertram. Das könnten die Asylbewerber mit dem Hausmeister der Unterkunft selbst erledigen. Ralf Bertram würde die Fahrräder auch abholen. Er ist telefonisch zu erreichen unter 0176/31360545.