Die enge Bindung der Familie Bismarck zu Burgstall hoben die Redner bei der Bismarck-Ehrung in der Burgstaller Kirche hervor. Der "Eiserne Kanzler" war am 1. April 2015 im altmärkischen Schönhausen geboren worden.

Burgstall l Die Geschichte Burgstalls ist eng mit der Familie Bismarck verbunden. Das betonte Bürgermeister Sigurd Heimann (parteilos) in seinem Grußwort bei einer Festveranstaltung anlässlich des 200. Geburtstages von Otto von Bismarck in der Burgstaller Kirche.

Das unterstrich auch Landrat Hans Walker (CDU). "Die historische Nähe zwischen Burgstall und Bismarck ist einzigartig im Landkreis Börde."

Bismarck war in der DDR als Reaktionär verschrien

Walker erinnerte daran, dass Bismarck zu DDR-Zeiten als Reaktionär verschrien und auf die Begriffe Reichsgründer, Sozialistengesetze, Erfinder der Sozialversicherung sowie die Trennung von Staat und Kirche reduziert wurde. "Doch diese charakterlich umstrittene Persönlichkeit ist weitaus mehr. Durch Bismarck ist unser heutiges Staatsgebilde maßgeblich mit begründet worden. Er hat unter anderem auch den Grundstein für die sozialen Sicherungssysteme gelegt."

Pfarrer Dieter Kerntopf, der mit seiner Frau Gabriele die Festveranstaltung vorbereitet hatte, erzählte in einer humorvoll erfrischenden Art die spannende Geschichte der Bismarck-Familie und ihre Vertreibung aus Burgstall. "Die Bismarcks waren seit dem 15. Juni 1345 in Burgstall ansässig. Hier stand einst eine stattliche Burg mit Türmen und Zinnen." Doch rund 200 Jahre später hatte der brandenburgische Kurprinz Johann Georg ein Auge auf die wald- und wildreiche Burgstaller Region geworfen. "So kam es im Jahr 1562 zu einem erpresserischen Gütertausch, zwischen Burgstall und Schönhausen, den die Bismarcks immer als Unrecht empfunden haben", so Dieter Kerntopf.

Selbst Otto von Bismarck soll über 300 Jahre später noch Burgstall nachgetrauert haben. Der spätere Kurfürst Johann Georg war übrigens der Vater des in unserer Region verehrten Kurfürsten Joachim Friedrich.

Das ehemalige Forstamtsgebäude steht auf den Grundmauern der einstigen Burg. "Schon zum 100. Bismarck-Geburtstag wurde dort eine Gedenktafel angebracht", so Bürgermeister Sigurd Heimann. Er erinnerte auch daran, dass Burgstall zur touristischen Bismarck-Route gehört. "Die ist aber nie richtig zum Leben erweckt worden", kritisierte Sigurd Heimann.

Zahlreiche Burgstaller und Bürger aus den Nachbardörfern waren in die im vergangenen Jahr sanierte Kirche gekommen. Schon am Nachmittag hatte Kreiskantorin Stefanie Schneider zu einem Orgelkonzert mit Führung eingeladen. Mitglieder der Kirchengemeinde und des Vereins VielFalt kümmerten sich danach um einen Imbiss für die Besucher.

Sanierung der Kirche kostete rund 210000 Euro

Pfarrer Dieter Kerntopf berichtete über die aufwändigen Sanierungsmaßnahmen, die in zwei Bauabschnitten realisiert wurden. Dabei bekam die 1840 bis 1843 errichtete Kirche unter anderem eine neue Ausmalung, wurde die Orgel rekonstruiert und die Apsis mit dem Sternenhimmel wieder original gestaltet. "Mit der Sitzheizung kann man es jetzt auch längere Zeit in der einst kältesten Kirche des Kirchenkreises aushalten", sorgte Kerntopf für Schmunzeln.

Insgesamt wurden 210000 Euro verbaut. Davon kamen 62500 Euro von der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland, 45000 Euro vom Kirchenkreis Haldensleben-Wolmirstedt, 40000 aus dem Leader-Programm der EU und 35000 Euro von der Gemeinde Burgstall. Die Differenz wurde aus Mitteln der Kirchengemeinde und aus Spenden beglichen.