Bei der Untersuchung einer Staubprobe aus der Kita "Gänseblümchen" in Ebendorf sind gesundheitsgefährdende Mineralwollefasern gefunden worden. Das Hauptgebäude wurde vorsorglich geschlossen. Die Kinder werden bis auf weiteres in anderen Quartieren untergebracht.

Ebendorf l Das Untergeschoss der Kindertagesstätte "Gänseblümchen" in Ebendorf ist bereits seit viereinhalb Jahren gesperrt. Das Gesundheitsamt hatte damals Schimmelpilzsporen festgestellt und die Nutzung der Kellerräume aufgrund einer Gesundheitsgefährdung untersagt. Nun ist das gesamte Hauptgebäude der Kita geschlossen worden. Bei einer erneuten Messung am 10. März seien in einer Staubprobe in einem Gruppenraum Mineralwollefasern festgestellt worden. Darüber informierte Barlebens Bürgermeister Franz-Ulrich Keindorff (FDP) auf einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag.

Die Mineralwolle sei als Dämmmaterial für die Zwischendecken verbaut worden. Wann genau, konnte der Gemeindechef am Dienstag nicht beantworten, auf jeden Fall jedoch vor 2004, sagte er. Die Fasern der Mineralwolle "können eine Gesundheitsgefährdung darstellen", zitierte Keindorff aus einem Schreiben des Landkreises, welches die Gemeindeverwaltung in Barleben am Donnerstag erreicht hatte. Neben Haut- und Schleimhautreizungen können die Mineralwollepartikel laut Kreis-Schreiben je nach Größe und Zusammensetzung auch Gewebeveränderungen und "im Extremfall" Krebs verursachen. Diese Schlussfolgerung beruhe auf statistischen Berechnungen sowie Tierversuchen. Die Einstufung als krebserregend sei eine "Sicherheitsmaßnahme".

"Eine aktuelle Gefährdung besteht nicht", zitierte der Bürgermeister weiter aus dem Schreiben. "Ich habe mich trotzdem entschlossen, die Kinder aus der Einrichtung zu nehmen", sagte Franz-Ulrich Keindorff. Das Landratsamt hatte eine entsprechende Nutzungsuntersagung empfohlen.

Die größeren Kinder seien bereits seit Dienstag im Hort der Grundschule in Barleben untergebracht. In ihrem Gruppenraum der Kita war die Staubprobe genommen worden. Die betroffenen Eltern seien am Donnerstag über die Situation informiert worden, die anderen am Dienstag. Auch in den restlichen Räumen seien inzwischen Messungen vorgenommen worden. Die Ergebnisse werden in der kommenden Woche erwartet.

Vorsorglich wurden nun alle "Gänseblümchen"-Kinder aus dem Gebäude genommen: Die Jüngsten besuchen seit Mittwoch als Ausweichquartier die Krippe "Jenny Marx" in Barleben. Insgesamt wurden 69Kinder zusammen mit ihren jeweiligen Gruppenerzieherinnen auf andere Einrichtungen in Barleben aufgeteilt. 20 sind im "Abc-Mäusecontainer" untergebracht, der sich auf dem Grundstück der Kita in Ebendorf befindet, separiert vom Hauptgebäude. "Es muss gewährleistet sein, dass diese provisorische Lösung keine Dauerlösung wird", sagte Marcel Leon, Vorsitzender des Elternkuratoriums der Ebendorfer Kita, im Volksstimme-Gespräch.

Mit den gefährlichen Mineralwollefasern stehen die Verantwortlichen in Barleben nun vor einem neuen Problem: Hieß es bis dato seitens der Verwaltung noch, in den oberen Räume der Kita bestehe für Kinder und Mitarbeiter keine Gesundheitsgefährdung, sieht die Lage nun mindestens in einem Raum anders aus. Wahrscheinlich muss die Gemeinde nun Geld in die Hand nehmen und in das eigentlich zum Abriss verschriene Objekt investieren, um die Gefahr für die Gesundheit zu beseitigen. Denn der seit langem herbeigesehnte Neubau der Kita lässt weiter auf sich warten. Abgesehen von der inzwischen schiefen Finanzlage der Gemeinde liegen die Richtlinien des Förderprogramms Stark III noch nicht vor, aus dem Barleben Mittel für den geplanten Neubau beantragt hat. "Vor anderthalb Jahren ist nicht damit zu rechnen, dass mit einem Neubau begonnen werden kann", schätzte Franz-Ulrich Keindorff am Dienstag.

Die Verwaltung sei von ihm damit beauftragt worden, in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt zu recherchieren, wie und ob die Gefahr durch die Mineralwolle beseitigt werden kann und welche Kosten dies verursachen würde. Noch sei auch unklar, inwiefern die Kleidung der Kinder, die sich in der Einrichtung befindet sowie Spielzeug und Möbel, belastet sind. Sobald mögliche Varianten zur Beseitigung der Gefahr vorliegen, solle der Gemeinderat darüber beraten und entscheiden. Dessen Mitglieder wurden am Dienstag über die Lage in der Ebendorfer Kita informiert. Falls die notwendigen Maßnahmen enorme Kosten verursachen sollten, sagte Keindorff auf Volksstimme-Nachfrage, "muss man schauen, was in unseren Einrichtungen und in denen der Niederen Börde mittelfristig umzusetzen ist".

Bezüglich der erneuten Schimmelpilzmessung, die ebenfalls am 10. März vorgenommen wurde, liegen laut Gemeindeverwaltung noch keine Ergebnisse vor.

Der Landkreis Börde hat von montags bis freitags, jeweils in der Zeit von 13 bis 15Uhr, unter der Telefonnummer 03904/72402551 ein Informationstelefon eingerichtet.