Mose l Kunst präsentiert sich demnächst in Magdeburg und das nicht irgendwo, sondern im "Knast". Das Finanzministerium und der Verein Kulturanker haben jüngst vereinbart, dass vom 6. Juni bis 20. September im ehemaligen Gefängniskomplex in der Halberstädter Straße 8 das Festival "Die neue Sinnlichkeit in der modernen Kunst" stattfindet. 250 Künstler aus den Bereichen darstellende Kunst, Literatur, Film, Musik, Lichtkunst und Performance werden die Flächen und Räumlichkeiten in neue Farben tauchen und die JVA in ein temporäres künstlerisches Kleinod verwandeln.

Zu den 250 Künstlern, die nicht nur aus der Bundesrepublik kommen und sich im Vorfeld einer Fachjury stellen mussten, gehört Frank Scheler, Jahrgang 1971, aus Mose. "Ich hatte nicht wirklich damit gerechnet, eine Zusage zu erhalten", erzählt der 43-Jährige, "daher war ich umso überraschter, als ich erfuhr, dass ich meine Arbeiten einem breiten Publikum in Magdeburg präsentieren darf."

Seine Skepsis war zumindest anfangs nicht unbegründet. Wie Frank Scheler durchblicken lässt, betreibt er sein Hobby erst knapp 15 Jahre, "und bis auf zwei kleine Ausstellungen, geschieht das vor allem in den eigenen vier Wänden." Was ihn, wie die Jury attestierte, aber nicht freispricht von außergewöhnlichem Talent.

Der Moseraner, der im wirklichen Leben in einem Haldensleber Autohaus der etwas gehobenen Klasse arbeitet, betreibt sein Steckenpferd, wie er es selbst bezeichnet, aus purer Freunde. Was aber nur die halbe Wahrheit ist. Wie Insider bestätigen, ist er im besten Sinne des Wortes "besessen von seiner Kunst, opfert" ihr jede freie Minute. Und nur so können unter seinen geschickten Händen nach oft schwerer körperlicher Arbeit die schönsten Mosaike, sensibelsten Reliefs und sanftesten Wandbilder entstehen.

Schnell aber fällt dem Sachkundigen auf, Frank Scheler lehnt sich beim Gros seiner Arbeit gern an solch bekannten Künstlern wie Hundertwasser oder Picasso an - findet aber mit jedem seiner Werke eine ganz eigene Interprätation. Das Talent, so erzählt er, wurde ihm nicht in die Wiege gelegt: "Wie so oft im Leben half der Zufall, dass ich für mich die Kunst entdeckte", erzählt der Moseraner. "Es muss 15 Jahre her sein, da hatten wir die Handwerker im Haus. Nach getaner Arbeit ließen die Fliesenleger ihr Schneidegerät zurück. Für mich war das ein Fingerzeig, selbst einmal Hand anzulegen."

Klar war dem Moseraner aber auch, seine Arbeiten bedurften einen feineren Zuschnitt. "Da mich, um nur einen Künstler zu nennen, die Arbeiten von Hundertwasser stets beeindruckten, war meine Ausrichtung bereits früh klar." Wie viele kunstvolle Mosaike seit 2001 entstanden sind und im Haus oder Garten der Familie Scheler stehen oder hängen, kann er nicht sagen, "aber zehn bis zwölf Werke werden es sein, die am dem 6. Juni in meiner ,Zelle` - 2,10 Meter breit und 3,60 Meter tief- in Magdeburg Platz finden werden."

Entstanden sind diese Werke in der eigenen Werkstatt und in oft monatelanger Arbeit. Was nicht verwundert, wenn man weiß, dass nicht selten mehr als 1000 Einzelstücken, zugeschnitten und passgenau in das Kunstwerk eingefügt, vonnöten sind.