Bebertal l Der Bebertaler Ortschaftsrat hatte dem Gemeinderat mehrheitlich empfohlen, der Namensänderung zuzustimmen. Somit würde dem Wunsch der Schulleitung, der Lehrerschaft und der Elternschaft entsprochen werden. Am Abend zuvor hatte auch die Gesamtkonferenz der Schule der Namensänderung in "Grundschule an den Wellenbergen" zugestimmt.

Doch einfaches Durchwinken des Beschlusses war nicht, zahlreiche Gemeinderäte hatten dazu noch Redebedarf. So erklärte der Bebertaler Gemeinderat Jens Ruhnke (Aktive Bürger Hohe Börde), dass keinesfalls vergessen werden soll, dass die Schule 30 Jahre lang diesen Namen trug, allerdings für Sechs- bis Zehnjährige ein örtlicher Bezug näher liegt als der zu einer Schriftstellerin. "Der Gedenkstein soll erhalten bleiben", unterstrich er. Dass genau an diesem Gedenkstein jährlich eine Ehrung stattfindet und über das Werk und das Schicksal der Anna Seghers gesprochen wird, wünschte sich auch die Ratsfrau Radegunde Bartels (SPD). Sie fand es aber auch schwer für die Grundschüler, sich mit der Literatur der Schriftstellerin auseinanderzusetzen.

Ein Befürworter der Namensänderung war auch Jürgen Kebernik (CDU): "Schule hat sich verändert, deshalb würde ich auch für die Namensänderung stimmen." Er schloss sich aber ebenfalls dem Wunsch an, dass die Ehrung Anna Seghers` weiterhin beibehalten werden sollte.

Ratsherr Torsten Schmidt (CDU) konnte sich als Bebertaler noch an seine Zeit in dieser Schule erinnern. "Der Name ist durch den ehemaligen Direktor, einen Literaturkenner, zustande gekommen", sagte er und bat darum, doch dem Wunsch des neuen Schulleiters nachzukommen. Ernst Daenecke (CDU) sah in der Zustimmung des Rates auch die Zusage, dass die Menschen vor Ort in die Ratsentscheidungen mit einbezogen werden.

Jedoch gab es auch die Kritiker im Sitzungssaal. So zweifelte der Bebertaler Gemeinderat Ronald Heinhaupt (Linke) die Begründungen für die Namensänderung, die die Schule in ihrem Antrag aufgeführt hatte, umfangreich an. Seiner Meinung nach könnten auch Grundschüler bei notwendigem Engagement an die Literatur der Anna Seghers herangeführt werden, auch wenn das nicht im Lehrplan stehen würde. Außerdem könnte in Zeiten von Pegida und Antisemitismus wohl auch das Schicksal von Anna Seghers als zeitgemäß bezeichnet werden. "Ich finde das unmöglich", unterstrich er. In Hans-Eike Weitz (SPD/fraktionslos) fand er einen Mitstreiter: "Wie kann man solchen Namen streichen?"

Ebenso plädierte Helmut Harpke (Grüne) dafür, den Namen "Anna Seghers" beizubehalten, denn die Themen, die das Leben der Schriftstellerin beeinflusst haben, seien heute aktueller denn je.

Letztlich fiel die Entscheidung mit großer Mehrheit für die Namensänderung zu "Grundschule an den Wellenbergen" aus. Der Name soll zum Schulfest am 5. und 6. Juni offiziell verkündet werden.