Der 26-jährige Jan Kruse aus Hannover ist der Sieger des 21. plattdeutschen Geschichtenwettbewerbes. "Shampoo un Sweet" heißt die Siegergeschichte, für die der Student den Siegerpreis aus den Händen von Landrat Hans Walker entgegennahm.

Oschersleben l Nach Auflösung des Vereins "Deuregio Ostfalen" hatte der Landkreis Börde die Ausrichtung des 21. Ostfälischen Literaturwettbewerbes übernommen. Gemeinsam mit der Arbeitsstelle Niederdeutsch der Uni Magdeburg war im vergangenen Jahr der Aufruf zum Schreiben von Kurzgeschichten unter dem Motto: "Waater" (Wasser) gestartet worden. Vor allem jüngere Leute waren aufgerufen, sich am Wettbewerb zu beteiligen.

Nun war der spannende Moment gekommen: Das Geheimnis um die Preisträger wurde gelüftet. In der Musikschule "Kurt Masur" in Oschersleben empfing Landrat Hans Walker (CDU) vor allem die Teilnehmer des Geschichtenwettbewerbes sowie Dr. Ursula Föllner als Juryvorsitzende, Dr. Saskia Luther, Referentin der Mundartpflege und Forschung beim Landesheimatbund Sachsen-Anhalt und genau wie Ursula Föllner Mitglied der Arbeitsstelle Niederdeutsch der Uni Magdeburg, Ilse Köhler aus Esbeck (Schöningen) als erste Preispreisträgerin des Wettbewerbs von 1994 sowie Rolf Reinemann und Jürgen Hary als ehemaliger Vorsitzender und Geschäftsführer der Deuregio Ostfalen. Mit dabei war auch Markus Latz als Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Börde. Maßgeblich mit der finanziellen Unterstützung des Geldinstitutes sei es überhaupt erst möglich gewesen, mit dem Wettbewerb in die 21. Runde zu gehen, so Walker.

Die Musikschüler Emilie Cäcilie Nottrott, Dennis Vinogratzki und Sarah Riechmann gestalteten mit ihren Musikschullehrern Bernd Hohmann und Jordanka Godulla das Programm zur Preisverleihung.

"Wasser ist eine wichtige Ressource, um der Menschheit das Leben auf der Erde zu sichern. Waater sagt der Ostfale auf Platt. Das ist das Motto, unter dem sich in diesem Jahr Autoren mit 29 Geschichten beteiligten. Sie sind in einem eigens durch den Oschersleber Ziethen-Verlag aufgelegten Buch veröffentlicht und im Buchhandel erhältlich", eröffnete Landrat Hans Walker die Preisverleihung. Er jedoch müsse das Ostfälische noch üben: "Ich gelobe Besserung", so Walker.

Erst recht, da der Landkreis auch in Zukunft gemeinsam mit der Arbeitsstelle Niederdeutsch seinen Beitrag leisten möchte, damit die ostfälische Sprachform, wie sie über Jahrhunderte zwischen Hannover und Magdeburg gesprochen wurde, auch über weitere Generationen hinweg erhalten bleibt. Wichtige Beiträge dazu würden Autoren und Akteure aus der Börde leisten wie der von Dr. Erhard Beulecke geleitete Kulturverein "Hohe Börde" oder die Bördegrundschule in Herm. Hier hält die Lehrerin Carola Retschke die Fäden fest in der Hand.

Die Siegergeschichte des 21. Wettbewerbes schrieb der Hannoveraner Jan Kruse. Er erhielt dafür 600 Euro. Sehr einfühlsam beschrieb der 26-jährige Student der Literaturwissenschaften, der von seinem Opa die ostfälische Mundart sprechen lernte, unter der Überschrift "Shampoo und Sweet" ("Shampoo und Schweiß") die Geschichte eines Schülers, der sich nach dem Schulsport immer vor dem Duschen drückte. Dafür hatte er seine Gründe. Die Freundschaft zu seinem Kumpel wird dabei auf eine harte Bewährungsprobe gestellt.

"Der offene Schluss macht es dem Leser möglich, die Geschichte selbst zu vollenden", hatte Jury-Vorsitzende Ursula Föllner in ihrer Laudatio über die Kurzgeschichte gesagt.

Der 2. Preis und damit 300 Euro wurden an Gisela Preckel, die ursprünglich aus Beendorf im Landkreis Börde stammt und heute in Isernhagen lebt, vergeben. Sie, die an der Preisverleihung nicht teilnehmen konnte, schrieb die Geschichte "Dat slechte Jeweten" ("Das schlechte Gewissen").

Über den 3. Preis und damit über 150 Euro freute sich Hermann Orlamünde aus Colbitz. Er nahm beim Vorlesen seiner Geschichte "An de Ilse" seine Zuhörer mit auf eine Wanderung entlang des Flüsschens Ilse und führte sie aus dem Alltag in ein Stück Harzer Idylle.

Für die inhaltlichen Fragen des Wettbewerbes ist das Institut für Germanistik der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ein wichtiger Partner. Gemeinsam mit dem Landkreis Börde solle der Literaturwettbewerb "Ostfälisches Platt" in veränderter Form auch in Zukunft ausgeschrieben werden.

"Für die inhaltliche Seite gibt es für den 22. Wettbewerb bereits einen Projektvorschlag von Ursula Föllner. Demnach soll die jüngste Generation einen Zugang zur ostfälischen Sprache finden, denn nur so können Kinder und Jugendliche am Reichtum dieser niederdeutschen Sprachform teilhaben. In Schulen, Kindertagesstätten und Vereinen oder Interessengemeinschaften gibt es bereits viele Ideen und tatkräftige Mitstreiter für die Vermittlung des Ostfälischen oder für die Begegnung mit dieser Sprache. Eine Erweiterung der Angebote ist aber dringend erforderlich, um das Ostfälische, kindgerechter beziehungsweise generationenübergreifender zu vermitteln", ging Walker auf die Zukunft des Wettbewerbes und die geplante 22. Auflage ein.