Wolmirstedt l Dieter Frinken hat die Nase voll. "Ich habe meine Verkehrshelfer abgezogen", sagt der Vorsitzende der Kreisverkehrswacht, "die Arbeit ist eingestellt." Das Verkehrshelfer-Schild vor der Kreuzung Geschwister-Scholl-Straße/Schwimmbadstraße ist somit Makulatur. Mit dem Rückzug reagiert Frinken auf die Anzeige eines Polizisten.

Was war passiert? Der Polizeibeamte ist morgens in seinem Privatauto auf der Geschwister-Scholl-Straße zur Arbeit gefahren. Vor der Kreuzung habe ein Schülerlotse den Verkehr angehalten und einen Passanten über die Straße gelassen. Einen Erwachsenen.

Das habe den Polizeibeamten derart auf die Palme gebracht, dass er aus seinem Auto gestiegen sei und Dieter Frinken als Verantwortlichen der Verkehrshelfer auf das Fehlverhalten hingewiesen habe. Dabei sei es sehr laut zugegangen und auch die Worte sollen nicht freundlich gewählt worden sein. Es wurmt Dieter Frinken maßlos, derart angefahren zu werden, zumal er und der Polizeibeamte nicht das erste Mal aneinandergerasselt sind. "Mich vor den Schülern so stramm stehen zu lassen..."

Den harschen Ton des Polizeibeamten bestätigt auch Ingolf Berg. Der Schulleiter der Leibniz-Sekundarschule war ebenfalls auf der Kreuzung, als Dieter Frinken und der Polizist aneinander gerieten. "Der Tonfall des Beamten entsprach nicht dem Stil eines Polizisten, der deeskalierend wirken soll", formuliert Ingolf Berg.

Die Geschichte geht weiter. Der Polizeibeamte hat den Schülerlosten aufgrund des Eingriffs in den fließenden Verkehr wegen Nötigung angezeigt. Das brachte für Dieter Frinken das Fass zum Überlaufen. Er warf das Handtuch. "Über Fehler kann man sprechen", sagt Schulleiter Ingolf Berg, "aber so macht man das Engagement von Dieter Frinken und den Schülerlosten kaputt."

In der Tat dürfen Verkehrshelfer keine Sperrungen oder Verkehrsregelungen vornehmen und somit auch nicht in den fließenden Verkehr eingreifen. Sie sollen Schülern bei der Straßenüberquerung helfen, müssen aber warten, bis die Straße frei ist. "Streng genommen verhält sich auch eine Lehrerin, die die Straße für ihre Schulklasse absperrt, verkehrswidrig", erklärt Polizeisprecher Joachim Albrecht.

Trotzdem, es geht um das Miteinander. Das Auftreten des Polizisten wurde bereits polizeiintern ausgewertet. "Aufgrund des Vorfalls hat es ein Gespräch des Revierleiters mit dem Polizeibeamten gegeben", sagt Joachim Albrecht, "es wird von Polizisten erwartet, dass sie Art und Ton wahren."

Der Polizeisprecher hofft, dass die Arbeit der Verkehrshelfer trotzdem weiter geht. "Wir würden es sehr bedauern, wenn diese Entscheidung so stehen bleibt", sagt er, "da ist über die Jahre auf ehrenamtlicher Basis eine super Sache gewachsen, die kann man nur unterstützen." Seit elf Jahren stehen die Verkehrshelfer bei Wind und Wetter an der Kreuzung, die von Schülern mehrerer Schulen überquert wird.

Auch Jens Sondershausen, Geschäftsführer der Landesverkehrswacht, positioniert sich. "Wir wären enttäuscht, wenn die ehrenamtliche Arbeit der Schülerlotsen durch die Polizei torpediert wird."

   

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