Colbitz l Im November 2011 erfolgte der feierliche Spatenstich für die sogenannte Verkehrseinheit 1.2 auf dem Lückenschluss der Autobahn A14. Ende Oktober vergangenen Jahres war das rund 5,7 Kilometer lange Teilstück zwischen den Anschlussstellen Wolmirstedt und Colbitz fertiggestellt und durch Bundes- und Landespolitiker feierlich für den Verkehr freigegeben worden.

Groß waren die Hoffnungen der Colbitzer, dass nun die oftmals endlosen Lkw-Schlangen nicht mehr durch den Ort müssen. Bürgermeister Eckhard Liebrecht (parteilos) wollte es gleich nach der Inbetriebnahme genau wissen. "Wir zählten, wie viele Fahrzeuge die Autobahn als Umgehung nutzen und wie viele weiterhin durch den Ort fahren", berichtete er von einer Verkehrszählung an einem Sonnabendmorgen. Zwischen 8.15 und 9.15 Uhr zählte Liebrecht die Fahrzeuge auf der Ortsdurchfahrt der Bundesstraße 189. Zeitgleich postierte sich Herbert Bilang auf der Autobahnbrücke und addierte dort die Autos.

Schwerlaster bleiben auf der B189

"Das Ergebnis ist niederschmettern", so der Bürgermeister damals. Während die Pkw fast zu gleichen Teilen durch den Ort und über die Autobahn fuhren (170 Autos über die B 189 sowie 162 über die A 14) donnerte ein Großteil des Schwerlastverkehrs weiter durch Colbitz. "Nur 46 Lkw nutzten die Autobahn, aber 76 fuhren innerhalb der einen Stunde durch unseren Ort", konstatierte Eckhard Liebrecht.

Dieses Verhältnis hat sich auch gut ein halbes Jahr später nicht wesentlich geändert. "Die Verkehrsbelegung auf dem im Herbst vorigen Jahres freigegebenen Autobahnabschnitt hat sich in den zurückliegenden Monaten kontinuierlich erhöht. Das haben regelmäßige Zählungen an der B 189-Ortsdurchfahrt ergeben, wo der Verkehr um bis zu 30 Prozent zurückgegangen ist", nennt Peter Mennicke, Sprecher des Landesverkehrsministeriums, aktuelle Zahlen.

Mehr Schwerlastverkehr auf die Autobahn zu bringen gelang bisher leider nicht. Auch wenn die Bundesstraße 189 zwischen den beiden Anschlussstellen mittlerweile zu einer Landesstraße herabgestuft, die Beschilderung an den Autobahnauffahrten ergänzt wurde.

Gericht fordert Nachbesserungen

Politiker der Grünen forderten deshalb sogar ein Durchfahrverbot für Lkw durch Colbitz. Das rief den CDU-Europa-Abgeordneten Sven Schulze auf den Plan. "Dass der Lkw-Verkehr immer noch durch Colbitz rollt, liegt schließlich daran, dass eine halbfertige Autobahn durch den Fernverkehr nicht angenommen wird. Wäre die Autobahn fertig, gäbe es auch weniger Lkw. Die Grünen haben durch bewusste Verzögerungstaktiken dafür gesorgt, dass die A 14 immer noch nicht fertig ist. Anstatt den Weg für die Fertigstellung freizumachen, kommen sie mit Verkehrsverboten", schimpft Schulze.

Die Fertigstellung der weiteren Bauabschnitte dürfte noch eine Weile dauern. Zwar soll das Planfeststellungsverfahren für den Abschnitt von der Anschlussstelle Dahlenwarsleben bis zur Anschlussstelle Wolmirstedt in diesem Jahr abgeschlossen werden.

Bei den Abschnitten nördlich von Colbitz wurden die Planfeststellungsverfahren teilweise abgeschlossen, aber vom BUND beklagt. Im Ergebnis der Entscheidung des Gerichts ist ein ergänzendes Planfeststellungsverfahren erforderlich. Dabei haben die Planer unter anderem die "kumulativen Wirkungen der Übungsstadt Schnöggersburg und der A14" auf die Vogelart Ziegenmelker zu betrachten.