Heute vor 70 Jahren endete der 2. Weltkrieg: Der 8. Mai 1945 ist heute auch für die allermeisten Deutschen ein Tag des Sieges und der Befreiung. Helmut Menzel, Leiter der Fachgruppe Garnisonsgeschichte Magdeburg und Umgebung im Kultur- und Heimatverein Magdeburg, fasste die Ereignisse der letzten Kriegstage an der Elbe bei Rogätz zusammen.

Schartau/Rogätz l Die Truppen der 1. Bjelorussischen Front setzten am 5. Mai 1945 ihren Vormarsch aus dem Raum Brandenburg zur Elbe fort. An den anderen Frontabschnitten nahm man teilweise Umgruppierungen vor und säuberte die eingenommenen Gebiete von versprengten gegnerischen Gruppen. Dieses und nachfolgendes geht aus dem bisher nicht veröffentlichten Gefechtsjournal der 1. Bjelorussischen Front für den 5. Mai 1945, Militärarchiv Podolsk, hervor.

Die Truppen der 3. Armee vollzogen am 5. Mai einen beschleunigten Vormarsch, und in der zweiten Tageshälfte führten die vorderen Einheiten den Kampf mit einzelnen Gruppen des Gegners, die von Artillerie unterstützt wurden.

Das 40. Schützenkorps der 3. Armee erreichte zum Ende des Tages das Ostufer der Elbe, deren 5. Schützendivision (SD) - Parey und Ihleburg, die 129. SD Niegripp, Blumental, Schartau und die 169. SD - zweite Staffel des Korps - konzentrierte sich zum Ende des Tages im Raum Hohenseeden und Gladau.

Die Truppen der 69. Armee, auf keinen Widerstand des Gegners stoßend, bewegten sich am 5. Mai ebenfalls in westlicher Richtung. Sie nahmen die Städte Burg, Möckern und Gommern ein und erreichten im gesamten Streifen der Armee das östliche Ufer der Elbe Magdeburgs. Mit einem Teil der Kräfte säuberten sie Wälder und Ortschaften von kleinen gegnerischen Gruppen, die beim Zusammentreffen mit den Truppen keinen Widerstand leisteten und sich ergaben. Beim Erreichen der Elbe trafen Truppenteile der 370. SD auf Truppen der 30. US-Infanterie-Division (ID). Burg wurde durch Parlamentäre kampflos übergeben. Alle Panzersperren blieben geöffnet. Allerdings hatten die zuvor abrückenden deutschen Kampfeinheiten hinter sich einige Ihlebrücken gesprengt. Dadurch blieb den Burgern ein schlimmes Schicksal erspart.

Das 91. SK der 69. Armee, mit der 370. SD, erreichte die Linie Gerwisch, Biederitz, Wahlitz, errichtete eine verstärkte Gefechtssicherung auf dem Werder östlich Magdeburgs, wo man auf Einheiten der 30. US-Infanteriedivision traf.

Amerikaner besetzten Rogätz im April

Rogätz hatte seit dem 12. und 13. April unter amerikanischem Artilleriefeuer gelegen und wurde schwer zerstört. Noch bis zur letzten Minute flüchteten Massen von Wehrmachtsangehörigen mit der Fähre auf die Schartauer Seite und nach Burg. Nachdem Rogätz von den Amerikanern besetzt wurde, eröffneten Wehrmachtseinheiten das Feuer von der ostelbischen Seite. Weitere massive Zerstörungen des Ortes waren die Folge. Daraufhin schossen die Amerikaner zurück und die ostelbischen Dörfer standen bis zum 16. April unter Dauerfeuer. Neben Gebäudeschäden gab es auch noch zahlreiche Opfer.

Danach herrschte eine verhältnismäßige Ruhe. Wusste man doch, dass die Rote Armee unaufhaltsam näherrückte. Höchste Spannung lag in der Luft. Was wird nun geschehen? Rosemarie Gensecke schilderte in ihrer Chronik, dass am 5. Mai 1945 Schartau und die Nachbardörfer von den Truppen der Roten Armee vollständig besetzt wurden.

Die Soldaten kamen mit Pferd und Wagen. Untergebracht wurden sie bei den Bauern, in der Ziegelei und auf der Weide. Die Offiziere bekamen Privatquartiere bei Familien des Ortes. Die Mannschaften kamen in Trocknungsschuppen der Ziegelei und in Zelten unter. Die Ein- bzw. Ausgänge des Dorfes waren von sowjetischen Posten besetzt.

Am 5. Mai fand in Rogätz eine amerikanisch-sowjetische Verbrüderungsfeier statt. Dazu wurde der Fährdamm ausgeschmückt, Autos über Autos standen an der Elbe und viele Leute kamen dorthin. Auch Alfred Steglitz konnte sich gut daran erinnern. Die Amis holten mit einer wohl eigens dafür gebauten großen Fähre die Russen über die Elbe, die bei Schartau am 5. Mai angekommen waren. Es handelte sich dabei um Rotarmisten, Offiziere und Soldaten der 129. Schützendivision des 40. Schützenkorps der 3. Armee unter Generalleutnant Kusnezow. Die 129. SD setzte sich aus den 438., 457., 518. und 664. Schützenregimentern zusammen. Welche Einheit konkret an der Verbrüderungsfeier teilnahm, ist zur Zeit nicht bekannt. Auch Namen konnten bis heute nicht recherchiert werden. Auf jeder Uferseite stand eine Kapelle. Die Fähre war mit einem roten Läufer ausgelegt, der aus der Rogätzer Kirche geholt wurde, wusste Richard Voss zu berichten und Hermann Albrecht bestätigte: "Die Russen kamen mit großem Trara. Es wurde so sehr gefeiert, dass die erschöpften und ausgehungerten sowjetischen Soldaten bis zum nächsten Tag an der Elbe ihren Rausch ausschliefen ...".

Am 8. Mai 1945 fand die große Siegesfeier in Magdeburg-Herrenkrug statt, an der alle wichtigen Offiziere beider Armeen im Raum Magdeburg teilnahmen.

Zeitzeugen, die noch Hinweise geben können, sollten sich melden bei: Helmut Menzel, In der Alten Kaserne 27a, 39288 Burg, Telefon: 03921/72 98 30, E-Mail: magdeburg.magado@gmail.com

 

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