Das Interesse am ersten Stadtspaziergang war groß. Die Bürger waren nach der Wanderung erstaunt, wie viele schöne Ecken es in Wolmirstedt gibt. Eingeladen hatte die Stadtverwaltung.

Wolmirstedt l Nach dem Stadtrundgang waren die Besucher des Lobes voll. Selbst waschechte Wolmirstedter hatten Neues erfahren. "Der Vergleich war sehr interessant", sagt Diethard Misch, "zwischen den Gebäude, wie sie früher ausgesehen haben und wie sie heute hergerichtet sind." Die Vorher-Nachher-Fotos gehörten zum Konzept des Stadtrundgangs. Praktikantin Luisa Neumann hielt an jeder Station Dokumente parat.

Dieser Stadtrundgang war der erste seiner Art, so wie es der erste bundesweite Tag der Städtebauförderung war. Der soll auch in den kommenden Jahren Anlass bieten, den Blick auf die bauliche Entwicklung in den Städten zu lenken.

Wolmirstedt verfügt in der Tat über "Perlen". "Ich habe noch nie diesen wunderbaren Laubengang auf der Hofseite von Schaus Hotel gesehen", sagt Beate Kahnt, die zwar in Zielitz wohnt, aber oft in Wolmirstedt unterwegs ist.

Schaus Hotel ist gar kein Hotel mehr, so wie früher. Inzwischen sind in diesem grünen Fachwerkhaus in der Friedensstraße Wohnungen entstanden, die es beinahe niemals gegeben hätte. Schon mehrfach sollte dieses Haus abgerissen werden und immer gehörte Kreisdenkmalpfleger Erhard Jahn zu denjenigen, die sich vehement und erfolgreich dagegen verwahrt haben. Zu DDR-Zeiten zog das Argument, dass Wolmirstedt nach dem Dreißigjährigen Krieg von dieser Stelle aus wieder aufgebaut worden war. "Das hat überzeugt", erinnert er sich. Nach der Wende wollten "gutgekleidete Herren eine Bank einrichten", erzählt er. Einwände, dass dieses Haus innen sehr kleinteilig sei, wischten "die gutgekleideten Herren" mit der Bemerkung fort, dass die Bank ja gar nicht im Haus eingerichtet werden solle. Deren Plan lautete: wegreißen und neu bauen.

Solche Anekdoten erfuhren die Teilnehmer des Stadtrundgangs. Bauherren und Planer, die sanierte oder neue Gebäude vorstellten, hatten sich sehr gut vorbereitet. Die Besucher blickten in das Rathaus, auf das WWAZ- und das AWG-Gebäude, die Sanierung der Fußgängerzone wurde erläutert, der Charme des Laubenganghauses bewundert. Der Wolmirstedter Hof war eines der ersten Objekte, das mit Mitteln der Stadtsanierung von einem heruntergekommenen Haus zu einem wunderschönen Schmuckstück verwandelt wurde. Die Musikscheune in der Friedensstraße hatten viele noch gar nicht als solche wahrgenommen. Ein Gang durch den Lustgraben schärfte den Blick für das romantische Flair dieser hübschen Kleinstadt.

Die gesamte Schlossdomäne birgt Geheimnisse, die während der Sanierung zum Teil von Archäologen gelüftet wurden. Museumsleiterin Anette Pilz erinnerte an den Fund von liebevoll hergerichteten Kindergräbern und an den Fund des Skeletts eines Mannes, der etwa zwei Meter gemessen haben muss. Auch die Gebäude auf der Domäne haben längst ein neues Gesicht bekommen. Dem Katharinensaal ist beispielsweise das frühere Dasein als Werkstatt kaum anzusehen, das Bürgerhaus hat sich nach der Wende als Kulturzentrum etabliert.

Rathausmitarbeiterin Doris Bunk, die zusammen mit Heike Pessel diesen Tag vorbereitet hatte, sowie Bürgermeister Martin Stichnoth (CDU) zeigten sich glücklich. "Ich bin froh über die Resonanz und auch darüber, dass einige so spontan dazugestoßen sind". sagt Doris Bunk.

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